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Lyon: Höchster Würdenträger der katholischen Kirche Frankreichs soll Missbrauch vertuscht haben

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Das Oberhaupt der katholischen Kirche in Lyon, Kardinal Philippe Barbarin, muss sich vor Gericht verantworten. Er soll sexuelle Übergriffe anderer Geistlicher vertuscht und Vorwürfe gegen einen Priester, der Dutzende Kinder missbraucht haben soll, nicht weiterverfolgt haben. Barbarin streitet alle Vorwürfe ab.

Stephanie Morbois, Euronews

Stephanie Morbois berichtete für Euronews:

"Hier im Gericht in Lyon beginnt am Montag der Prozess gegen Kardinal Barbarin und fünf ehemalige Bischöfe, weil sie die sexuellen Übergriffe eines Priesters auf mehrere junge Pfadfinder zwischen 1986 und 1991, nicht gemeldet haben. Der Prozess soll bis Mittwoch dauern."

Die Opfer schlossen sich in einem Verein zusammen

Das Verfahren wurde vom Opferverein "La parole libérée" initiiert. Der Name des Vereins bedeutet übersetzt "Das befreite Wort". Die Mitglieder versuchen ihre Traumata aufzuarbeiten.

François Devaux

François Devaux ist Mitglied des Vereins und selbst Betroffener.

"Das Trauma ist immer noch präsent, das ist unbestreitbar. Selbst für diejenigen, die mehr Glück hatten und zu denen ich gehöre. Mein Leben wird für immer gezeichnet sein und mein Engagement ist der Beweis dafür. Kardinal Barbarin steht nicht über dem Gesetz und er muss für seine Taten verurteilt werden. Es sind keine Gefühle oder Wut im Spiel, aber wir wollen dafür sorgen, dass die Kinder von morgen das, was wir durchgemacht haben, und den Schrecken, den es verursacht hat, nicht erleben müssen."

Missbrauchsvorwürfe in der katholischen Kirche sind nichts Neues

Kardinal Barbarin galt lange als Star der katholischen Kirche in Frankreich. Mit nur 51 Jahren wurde er Erzbischof von Lyon und damit höchster katholischer Würdenträger in ganz Frankreich.

Die katholische Kirche hat seit Jahren immer wieder mit Berichten über Missbrauchsvorfälle zu kämpfen. Papst Franziskus hält deswegen Anfang Februar einen Gipfel im Vatikan ab, zu dem Bischöfe aus aller Welt eingeladen sind. In der Vergangenheit seien «viele Fälle» ohne die nötige Ernsthaftigkeit behandelt worden, hatte der Papst jüngst beklagt.