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Angeklagter Kardinal Barbarin will im Auftrag des Vatikan gehandelt haben

Angeklagter Kardinal Barbarin will im Auftrag des Vatikan gehandelt haben
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Im französischen Lyon hat der Prozess gegen Kardinal Philippe Barbarin begonnen. Die Anklage lautet auf Nichtanzeige sexueller Übergriffe gegen Minderjährige. Barbarin soll Missbrauchsvorwürfe gegen einen Priester nicht weiterverfolgt haben. Der betreffende Geistliche war vor drei Jahren von ehemaligen Pfadfindern angezeigt worden, bislang geben 80 Personen an, Opfer des Priesters gewesen zu sein.

Barbarin verteidigte sich in der Verhandlung unter anderem mit den Worten: „Ich habe getan, wozu Rom mich aufforderte. Rom forderte mich auf, einen öffentlichen Skandal zu vermeiden, dementsprechend habe ich gehandelt.“

Strafverteidiger André Soulier erläutert: „Die Frage ist: Wusste Kardinal Barbarin von den Gerüchten und Anschuldigungen, war er ausreichend darüber informiert, um deshalb den Staatsanwalt aufzusuchen? Wusste er genug, um seinen Fahrer anzurufen und zum Gericht zu fahren? Das ist die Frage, andere gibt es nicht."

Barbarin: „Ich habe nie versucht, diese furchtbaren Tatsachen zu verstecken und noch weniger, sie zu verdecken.“

Neben Barbarin stehen fünf weitere Geistliche in Lyon vor Gericht - auch sie sollen über die Missbrauchsvorwürfe auf dem Laufenden gewesen sein, aber nichts unternommen haben. Schon vor zwei Jahren wurde gegen den Kardinal wegen Vertuschung ermittelt, das Verfahren aber eingestellt. Barbarin gilt als die einflussreichste Persönlichkeit der katholischen Kirche in Frankreich.

„Wir hatten eine öffentliche Diskussion, in der es vor allem um die Moral ging", so François Devaux, Mitglied der Opfervereinigung La Parole libérée. „Wir haben uns entschieden, über die Medien an die Öffentlichkeit zu gehen. Jetzt wenden wir uns an die vertrauenswürdigste Stelle unserer Gesellschaft, die Justiz. Man wird sehen, ob Moral und Rechtsprechung zusammenfinden werden. Und man wird sehen, welche Position die Justiz beziehen wird.“

Der Priester, der unter Missbrauchsverdacht steht, wurde Ende August 2015 seines Amtes enthoben. Er steht in einem anderen Verfahren vor Gericht, ein Urteil wird in den kommenden Monaten erwartet.