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20 Jahre Euro: "Die Währung steckt noch in den Kinderschuhen"

20 Jahre Euro: "Die Währung steckt noch in den Kinderschuhen"
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Schon bald nach der Gründung der Europäischen Union (ursprünglich Europäische Wirtschaftsgemeinschaft) im Jahr 1957 hat es erste Pläne für eine gemeinsame Währung gegeben. Heute ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man in Europa lebend meistens den Euro als Zahlungsmittel verwendet.

Euronews-Reporterin Sasha Vakulina: _"Die gemeinsame europäische Währung war weit davon entfernt, ein Traumprojekt zu sein. Bei den Diskussionen über eine Wirtschafts- und Währungsunion in den Sechziger Jahren glaubten nicht viele daran. Heute ist der Euro die Währung von 340 Millionen Europäern und wird von weiteren 175 Millionen Menschen weltweit genutzt. Aber was wissen Sie eigentlich über den Euro? Wir beginnen die neue Staffel von Real Economy mit dem 20-jährigen Jubiläum des Euro."_

Euro-Crashkurs

Am 1. Januar 1999 haben 11 EU-Mitgliedstaaten mit dem Euro eine einheitliche Währung eingeführt und eine gemeinsame Währungspolitik unter der Leitung der Europäischen Zentralbank eingeleitet. In den ersten drei Jahren war er eine "unsichtbare" Währung, Buchgeld, das nur für Kontoführungszwecke wie z. B. elektronische Zahlungen verwendet wurde.

Drei Jahre später kamen Euro-Münzen und -Banknoten in Umlauf. Das Euro-Bargeld trat zu unwiderruflich festgelegten Umrechnungskursen an die Stelle der Banknoten und Münzen der nationalen Währungen wie der Deutschen Mark.

Im Laufe der Jahre sind der Eurozone acht weitere Länder der Europäischen Union beigetreten.

Das zweite Jahrzehnt des Euro wurde weitgehend von einer Krise überschattet.

Fünf Ländern der Eurozone drohte aufgrund ihrer hohen Staatsverschuldung oder einer Bankenkrise (wie z. B. in Spanien) die Zahlungsunfähigkeit bzw. der Staatsbankrott.

Zur Stützung der Krisenstaaten wurde einen Reihe von Sofortmaßnahmen wie die Schaffung des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) eingeleitet.

Die 2014 beschlossene Europäische Bankenunion soll Krisen in Zukunft verhindern. Sieben EU-Staaten ohne Euro sind verpflichtet, ihn einzuführen, sobald sie die Konvergenzkriterien erfüllen.

Was sind die Konvergenzkriterien?

Die Konvergenzkriterien sind wirtschaftliche Voraussetzungen für einen Beitritt zum Euro-Raum, die 1991 im Vertrag von Maastricht festgelegt wurden. Es gibt vier wirtschaftliche Konvergenzkriterien:

  1. Preisstabilität -Die Inflationsrate darf nicht mehr als 1,5 Prozentpunkte über der Rate der drei preisstabilsten Mitgliedstaaten liegen.
  2. Gesunde und auf Dauer tragfähige öffentliche Finanzen - Das öffentliche Defizit darf 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts nicht überschreiten. Der öffentliche Schuldenstand darf 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts nicht überschreiten.
  3. Wechselkursstabilität - Das Bewerberland muss mindestens zwei Jahre lang am Wechselkursmechanismus (WKM II) teilnehmen und darf in diesem Zeitraum keine starken Abweichungen vom Leitkurs des WKM II aufweisen und den bilateralen Leitkurs seiner Währung gegenüber dem Euro innerhalb dieses Zeitraums nicht abwerten.
  4. Langfristige Zinssätze - Der langfristige Zinssatz sollte nicht mehr als zwei Prozentpunkte über dem Zinssatz der drei preisstabilsten Mitgliedstaaten liegen.

Bulgarien auf dem Weg zum Euro

Der Bericht von Guillaume Desjardins zeigt, wie sich Bulgarien darum bemüht, der Eurozone beizutreten. Im vergangenen Sommer hat Bulgarien zwei wichtige Schritte in Richtung eines Beitritts zur Eurozone unternommen: Das Land stimmte zu, sich dem Wechselkursmechanismus II/de) (WKM II), sowie der Europäischen Bankenunion anzuschließen. Die öffentlichen Finanzen Bulgariens sind solide, aber einige Reformen stehen noch an:

Euronews-Reporter Guillaume Desjardins: "Bulgariens Beitritt zum Wechselkursmechanismus als auch zur Bankenunion sollte bis Ende des Jahres abgeschlossen sein, gefolgt von einer zweijährigen Mindestwartezeit, bevor die Bulgaren ihre Landeswährung Lew zugunsten des Euro aufgeben können. Welche Änderungen stehen dadurch an?"

Nedelcho Nedelchev, Vorstandsvorsitzender der Fibank, meint: _"Der Währungswechsel wird das Vertrauen stärken und höchstwahrscheinlich zu einer Erhöhung der Banken-Ratings führen, und ihnen auf diese Weise Zugang zu billigeren Finanzierungsmöglichkeiten verschaffen. Und natürlich wird die Tatsache, dass die Europäische Zentralbank neben der bulgarischen Regulierungsbehörde auch die größten systemisch wichtigen Banken beaufsichtigen wird, mehr Vertrauen in der Öffentlichkeit und bei den Vertragspartnern der Banken schaffen."
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Vertrauen in die EU aber nicht unbedingt in den Euro

In puncto Vertrauen in die EU liegt Bulgarien an vierter Stelle unter den 28 EU-Ländern. Eine wachsende Ungeduld und die Angst vor einer neuen Hyperinflation, wie sie das Land vor etwa 20 Jahren erlebte, hat die Begeisterung der Bulgaren für eine einheitliche Währung jedoch abkühlen lassen: Aktuell sind kaum noch 51 Prozent dafür, den Euro für den Lew einzuführen, und 47 Prozent glauben sogar, dass die neue Währung der bulgarischen Wirtschaft schaden wird.

Diese Zahlen stehen im Widerspruch zu Zahlen aus dem gesamten Euroraum, denn laut einer Eurobarometer-Umfrage halten 74 Prozent der Befragten den Euro gut für die EU:

"Das ist eine Folge der schlechten Erfahrungen von Euroländern wie Griechenland, Spanien, Portugal, jetzt die Schwierigkeiten in Italien. Das macht die bulgarische Gesellschaft misstrauischer", kommentiert der Präsident der Bulgarischen Industrie- und Handelskammer Tsvetan Simeonov.

Der Beitritt zur Eurozone würde den Export erleichtern, und die Bulgaren sind es bereits gewohnt, im Ausland oder sogar im eigenen Land den Euro zu verwenden. Sie befürchten jedoch Tricksereien unlauterer Geschäftsleute bei der Preisumstellung, sagt Wirtschaftsanalyst Lyuboslav Kostov von der Föderation der unabhängigen Gewerkschaften in Bulgarien:

"Die meisten unserer Mitglieder machen sich Sorgen, dass die Preise mit der Einführung des Euro stark steigen, aber die Löhne auf dem gleichen Niveau bleiben werden. Ich glaube nicht, dass das passieren wird. Unsere Inflation ist gering, wir halten Kurs in der Steuerpolitik, unser Bankensektor ist stabil. Es wird keine wirtschaftlichen Probleme geben."

Euronews-Interview mit Mario Centeno zum Euro

Über die Vergangenheit und Zukunft der europäischen Währung sprachen wir im Europäischen Parlament in Straßburg mit Mário Centeno, dem portugiesischen Finanzminister, der seit einem Jahr Vorsitzender der Eurogruppe ist.

Euronews-Reporterin Sasha Vakulina:"Der Präsident der Eurogruppe, Mario Centeno, ist zu Gast bei Real Economy auf euronews. Vielen Dank, dass Sie hier sind. Wie wichtig war der Euro für den europäischen Integrationsprozess?"

Mário Centeno, Vorsitzender der Eurogruppe:"Er ist viel mehr als eine Währung. Der Euro ist ein Teil der Identität des heutigen Europas. Er brachte Stabilität in unsere Währung, er brachte Wachstum in den vergangenen fünf Jahren. Es ist ein sehr wichtiger Teil des europäischen Integrationsprojekts."

Euronews:"Einerseits könnte man sagen, dass der Euro 'schon' 20 Jahre alt ist, andererseits aber auch, dass er 'erst' 20 Jahre alt ist."

Mário Centeno:"Als Währung steckt er immer noch in den Kinderschuhen. 20 Jahre sind für eine so wichtige Institution wie den Euro eine sehr kurze Zeitspanne. Wie die meisten Dinge, die von Menschenhand gemacht werden, war er anfangs nicht perfekt, aber durch die Krise konnten wir ihn bedeutend stärken, wir stellen uns heute den zyklischen Schwankungen unserer Volkswirtschaften mit einer sehr viel stärkeren Währung."

Euronews:"Werfen wir einen Blick auf die Reformagenda. Was sind Ihrer Meinung nach die dringendsten Veränderungen und Reformen, damit der Euro stabil und erfolgreich bleibt?"

Mário Centeno:"Es gibt zwei Hauptreformen und einen laufenden Prozess, der nicht gestoppt werden kann. Die beiden Reformen sind: der Haushalt der Eurozone und das europäische Einlagensicherungssystem, das die dritte Säule der Bankenunion ist. Und es gibt eine Sache, die wir nicht aufhalten können, nämlich den Prozess der Risikominderung. Die Länder der Eurozone haben heute ein wesentlich geringeres Risiko in ihrem Bankensektor, in ihrem Finanzsektor und auch in Bezug auf die Haushaltslage unserer Mitgliedstaaten."

Euronews:"Wir begehen den zwanzigsten Jahrestag der Euro-Einführung. Schauen wir 20 Jahre in die Zukunft, was bringen die nächsten 20 Jahre?"

Mário Centeno:"Ich sehe einen viel ausgereifteren Währungsraum mit stärkeren Institutionen und mehr Integration."

Euronews:"Wir hatten Sie gebeten, ein Objekt mitzubringen, um über den 20. Jahrestag des Euro zu sprechen. Was haben Sie dabei?"

Mário Centeno:"Einen Rugbyball! Der Ball ist nicht einfach zu handhaben, so wie der Euro. Aber der Euro als Rugby-Team muss als Ganzes vorankommen, mit fairplay und - jeder Spieler zählt. Es ist sehr schwer, Rugby mit einem Spieler weniger auf dem Feld zu spielen."