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Irland hat den "Brexit"-Blues

Irland hat den "Brexit"-Blues
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Der „Brexit“ hängt über Irland wie eine schwarze Gewitterwolke: Gesellschaft und Politik in der Republik Irland sind erschüttert. Irland ist seit 1973 Mitglied der Europäischen Union. Wie geht es weiter mit den britischen Nachbarn? Ein Stimmungsbild aus Dublin.

Michael, Blumenverkäufer:

"Jeder die Nase voll, so weit sind wir jetzt. All diese alten Nachrichten, die sich immer weiterschleppen ... das nimmt ja kein Ende."

Declan Walsh, Straßenmusikant:

"Im Moment sind alle in Panik ... überall. Die britischen Politiker haben die Menschen im Stich gelassen, indem sie keinerlei Führung zeigen, ist doch wahr."

Pete Short, Zeitungsverkäufer:

"Das ist ein Durcheinander und es kommt nicht überraschend, oder. Ich kann diese Tory-Typen nicht ausstehen, wirklich. Ich bin auch nicht gerade ein Labour-Mann, aber die Tories sind die schlimmsten. Aber ich werde jetzt nicht ausfallend."

Blaithin Thomasius, Medizinstudentin, Trinity College Dublin:

"Ich bin aus Nordirland und studiere hier. Das Ganze ist so traurig für mich. Ich habe die grenzüberschreitende Kommunikation wirklich schätzen gelernt, und ich finde es wichtig, dass die Leute aus den verschiedenen Nationen eines Landes Ihre Identität finden. Ich meine, das ganze Thema hat soviel Streit gesät und Entfremdung."

IRLAND FÜHLT SICH ABGEKAPSELT

Ein professioneller EU-Beobachter stimmt zu: Irland fühle sich abgekapselt, das sei klar. Abgesehen von einigen britischen Unternehmen, die nach Irland ausgewandert sind, fallen Dan O'Brien keine "Brexit"-Vorteile für Irland ein.

Dan O’Brien, Institute of International and European Affairs:

„Der Brexit ist seit vier Jahren ein großes Thema für Irland, war es sogar schon vor dem Referendum. Ich denke oft, dass wir hier mehr Zeit damit verbracht haben, darüber zu diskutieren, als in Großbritannien. Von dem Moment an, als die Idee des "Brexit" entstand, war klar, dass dies ein strategischer Alptraum für Irland werden würde - ein kleines Land, mit engen Beziehungen zu seinem großen Nachbarn, gefangen in einem Staatengebilde ... der Austritt Großbritanniens schafft alle möglichen strategischen Fragen zu den bilateralen Beziehungen zu Großbritannien und seinen Beziehungen zu anderen Ländern der EU und ihrer Wirtschaft sowie zu Nordirland.“

Ein Wirtschaftsexperte ist der gleichen Meinung: Ob hart oder weich – der "Brexit" sei eine schlechte Entwicklung für Irland und die irischen Haushalte – seine aktuellen Daten bestätigten das. Er hofft auf ein weiteres Referendum in Großbritannien, besteht jedoch darauf, dass die EU ihre Interessen wahrnimmt.

Philip Economides, Research assistant, Economic and Social Research Institute:

„Der Binnenmarkt beinhaltet ein komplettes Paket an Themen ... solange Sie nicht bei all diesen Themen übereinstimmen, funktioniert der Binnenmarkt nicht. Ausnahmen würden das gesamte europäische Projekt zerstören. Ich sehe nicht, wie das gehen soll. Magische Einhörner können solche Änderungen vielleicht wegstecken, aber in Wirklichkeit ist das nicht umsetzbar.“

Was keiner in Irland will, ist ein No-Deal-Szenario. Tobias Lock, Professor für EU-Recht, fasst zusammen, was das bedeuten würde.

Tobias Lock, Professor für EU-Recht EU Law Professor, Maynooth University:

"Ohne Regeln für das Verhältnis zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich würde der Handel offensichtlich nach WTO-Regeln (Welthandelsorganisation) laufen. Ohne echte rechtliche Grundlagen oder welche aus sehr alten Verträgen aus den 1950er Jahren. Nicht die Art der Zusammenarbeit, die wir bisher hatten."

Meabh McMahon, Euronews:

Die meisten glauben, dass eine Lösung gefunden wird, und coole Köpfe werden die Oberhand behalten. Aber Irland und Großbritannien stehen seit 1973 als EU-Mitglieder Seit an Seit – und diese Scheidung wird teuer.

su