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Streit um Erdgas vor Zypern: Was will die Türkei?

Streit um Erdgas vor Zypern: Was will die Türkei?
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Die türkischen Erdgasbohrungen vor Zypern: Sie sind ein weiterer Zankapfel in der ohnehin angeschlagenen Beziehung zwischen Ankara und Brüssel. Die EU beschloss am Montag Sanktionen gegen die Türkei. Sie will Gelder kürzen und Verhandlungen über ein Luftverkehrsabkommen einstellen. Der türkische Außenminister zeigte sich davon unbeeindruckt. Er kündigte die Entsendung eines weiteren Schiffes in die umstrittenen Gewässer an. Damit wären vier türkische Schiffe vor Zypern.

Ankara will damit Verhandlungen erzwingen, so Sinan Ulgen von der türkischen Denkfabrik EDAM: "Wenn die türkischen und die griechischen ZyprerInnen sich darauf einigen würden, wie sie die Erdgasvorkommen aufteilen, dann gäbe es keinen Anlass für separate Bohrungen der Türkei."

Konflikt könnte für türkische Wirtschaft gefährlich werden

Ankara und Brüssel sind wichtige Handelspartner. Die Sanktionen der EU könnten die schwächelnde türkische Wirtschaft empfindlich treffen. Zudem drohen Strafmaßnahmen aus den USA, da sich Ankara S-400-Raketensysteme aus Russland hatte liefern lassen und diese laut Präsident Recep Tayyip Erdogan in Zukunft sogar gemeinsam mit Moskau produzieren will - ein Affront gegenüber dem NATO-Partner Washington. Das ist gefährlich, denn die Türkei befindet sich in einer Rezession. Die hohe Inflationsrate war zuletzt zwar wieder leicht gesunken, aber mit der Entlassung des Zentralbankchefs durch Erdogan sank das Vertrauen in die Stabilität der türkischen Wirtschaft weiter.

Trotzdem bleibt die Türkei ein wichtiger Spieler in der Region. Die Regierung in Ankara ist die einzige, die den türkischen Nordteil der Insel als Staat anerkennt. Zypern ist seit 1974 de facto in einen griechischen und einen türkischen Teil geteilt. Ankara vertritt den Standpunkt, dass die Gewässer, in denen es bohrt, zum sogenannten türkischen Festlandsockel gehören. Die Türkei will mit den Bohrungen die Anteile der türkischen ZyprerInnen am Erdgasgeschäft und seinen Einfluss über die umstrittene Insel sichern, so Yusuf Erim vom türkischen Staatsfernsehen TRT: "Diese Bohrungen sind im Prinzip ein Geltendmachen von Ansprüchen der Türkei, eine Erinnerung an Zypern, an Griechenland, an die EU, um zu sagen, ,hey, wir sind hier, unsere Marine ist hier'."

Streit um Erdgas auch eine Chance?

Die Türkei ist bisher offiziell von der Ausbeutung der Gasvorkommen ausgeschlossen. Zypern beschloss Kooperationen mit den türkischen Rivalen Israel und Ägypten und beauftragte internationale Energiekonzerne.

Die EU kann da nicht viel ausrichten, so Kristian Brakel, Leiter der deutschen Heinrich-Böll-Stiftung in Istanbul: "Das Beste wäre natürlich, den Zypern-Konflikt zu lösen, aber wir haben bei den vergangenen Verhandlungen vor zwei Jahren gesehen, dass die Bemühungen scheiterten. Außerdem ist die EU im Moment nicht der wichtigste Spieler in diesem ganzen Konflikt."

Andererseits birgt der Streit ums Erdgas laut Experten auch eine Chance: Denn mit der Frage nach dem Milliardengeschäft sei der Einigungsdruck gestiegen. Nordzypern bat der Republik Zypern bereits an, die Bodenschätze gemeinsam zu erkunden. Das Angebot wird bisher jedoch nur von der Türkei unterstützt.