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"Die Ungerechtigkeit satt": Russlands neue Wutbürger

"Die Ungerechtigkeit satt": Russlands neue Wutbürger
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In sechs Wochen wählt Moskau ein neues Stadtparlament. Dmitri Gudkow hätte mit seiner "Partei der Veränderungen" gute Chancen, einzuziehen. Doch er darf nicht antreten – genau wie 18 andere unabhängige Kandidaten. Wegen Formfehlern, heißt es offiziell.

Doch für Gudkow steht der eigentliche Grund fest: Moskau, für das die Regionalwahl ein wichtiger Stimmungstest ist, fürchtet Machtverlust, will die Opposition mundtot machen: "Es geht nicht mehr nur um die Moskauer Wahlen, um Sitze im Stadtparlament, das ist nicht so wichtig. Es geht um die Frage, ob es der Opposition möglich ist, an der Politik in Russland teilzuhaben."

Protest und Polizeigewalt

Tausende Russen tragen ihren Zorn über den Auschluss der Kandidaten auf die Straße. Gudkow schafft es am Wochenende nicht zum Protest. Er wird auf dem Weg zur Demo festgenommen. Zuvor hatten Ermittler seine Wohnung durchsucht, Laptops und Festplatten beschlagnahmt.

Mit harter Hand geht die Polizei auch gegen die Demonstranten vor. Studentinnen, Familienväter, Rentner: Knapp 1400 Menschen werden festgenommen, viele sitzen noch immer in Haft.

"Ich habe die Ungerechtigkeit satt"

Doch einschüchtern lässt sich die wütende Menge nicht. "Lasst sie zu" und "Russland wird frei sein", hallt es durch Moskaus Straßen. "Ich bin hier, weil ich diese Ungerechtigkeit satthabe, die in meinem Land Alltag ist. Und weil ich wirklich etwas ändern möchte", sagt eine junge Moskauerin.

Auch die Aktionskünstlerin Nadeschda Andrejewna Tolokonnikowa nimmt am Protest teil. "Wir wollen unser Recht gewählt zu werden und zu wählen schützen. Und die Polizisten versuchen uns dieses Recht zu nehmen, sagt das Pussy-Riot-Mitglied.

Willkürliche Festnahmen

Am Abend umstellen Spezialeinsatzkräfte den Trubnaya-Platz im Zentrum der Hauptstadt, wo sich die Demonstranten versammelt hatten. Stundenlang darf niemand gehen. "Die Polizei nimmt gerade vollkommen willkürlich Menschen hier auf dem Platz fest", sagt euronews-Korrespondentin Galina Polonskaya.

Ein Mann, der von Polizisten weggetragen wird, bittet seine Mitstreiter, standhaft zu bleiben. "Wir werden unsere Freiheit, unsere Wahrheit bekommen", ruft er. Nächsten Samstag wollen die Moskauer wieder zu Tausenden auf die Straße gehen - trotz aller Repression.