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Flüchtlinge in Bosnien: Leben "wie die Tiere"

Flüchtlinge in Bosnien: Leben "wie die Tiere"
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Mehrere Männer sitzen im Kreis und spielen Karten. Nicht an einem Tisch, sondern auf dem Boden einer früheren Müllkippe. Sie leben im Auffanglager Vučjak in Bosnien-Herzegowina. Zwischen 400 und 800 Migranten beherbergt das Camp täglich. Es wurde im Juni nahe der westbosnischen Stadt Bihać als Notlösung eröffnet. Die kroatische Grenze ist nicht weit.

„Wie im Dschungel“

Naveed Hussain ist 21 Jahre alt und kommt aus Pakistan. „Wir haben keine andere Möglichkeiten, als hier zu sein“, erklärt der junge Mann. „Wenn wir versuchen, nach Kroatien zu gelangen, hält man uns auf. Wenn wir versuchen, nach Bihać zu gehen, will man uns dort nicht. Hier ist es wie im Dschungel. Es gibt keinen Markt, keinen Strom, unser Leben hier ist sehr hart.”

Die beiden anderen Lager in Bihać – betrieben von der Internationalen Organisation für Migration – sind überfüllt. Deshalb bringt die Polizei männliche Flüchtlinge nach der Ankunft in Bihać direkt nach Vučjak – teils mit roher Gewalt, wie Ali Butt aus Pakistan erzählt. „Sie haben mein Handy und mein Geld genommen. Haben mich geschlagen, mit den Händen und einem Stock“, sagt der 26-Jährige.

Das Lager liegt unweit der kroatischen Grenze.

EU verspricht Hilfe beim Grenzschutz

Wir bitten die Behörden um ein Interview – keine Antwort. Die Stadt Bihać fühlt sich mit dem Flüchtlingsstrom überfordert, von der bosnischen Regierung im Stich gelassen. Und auch von der EU, denn dorthin wollen die Flüchtlinge.

Brüssel verspricht, mehr Personal für den EU-Außengrenzschutz zur Verfügung stellen. „Wir können uns nicht nur auf unsere EU-Seite der Außengrenze konzentrieren. Wir müssen auch mit Drittländern wie den Westbalkan-Staaten, wie Bosnien-Herzegowina, zusammenarbeiten und sie beim Grenzschutz unterstützen. Wir dürfen sie nicht alleinlassen“, so Natasha Bertaud, Sprecherin der EU-Kommission.

Leben "wie die Tiere"

Nach sechs Wochen kehrt in Vučjak langsam so etwas wie Alltag ein. Es gibt eine Moschee, Toiletten, eine Aufladestation für Handys. Was das Leben hier für die Männer mit am schwersten macht, ist die Ungewissheit. Sie wissen nicht, ob und wann sie gehen dürfen. Die Polizei blockiert im Moment die einzige Zufahrtsstraße. Die Männer sitzen fest.

Sie kommen vor allem aus Afghanistan, Pakistan, Syrien, Marokko und Algerien. Das lokale Rote Kreuz versorgt sie mit dem Nötigsten. „Die Zustände hier sind nicht gut. Aber wir versuchen jeden Tag, sie etwas zu verbessern, so gut wir können“, erklärt Harum Emrulović vom Roten Kreuz Bihać.

„Wie Tiere“ treibe man die Männer aus der Stadt auf die ehemalige Müllhalde, berichten Menschen aus Bihać. Doch viele sind trotzdem froh, dass nun weniger Flüchtlinge in den Straßen zu sehen sind. „Die hinterlassen sehr viel Müll, sind sehr kriminell. Das geht gar nicht“, findet Edin Balic, der in Bihać lebt.

Bleiben will im Lager von Vučjak niemand. Jede Nacht brechen Männer auf, in der Hoffnung doch noch den Weg bis zur kroatischen Grenze zu schaffen. Meist kommen sie humpelnd zurück. Polizei und Grenzschützer kennen kein Erbarmen.