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30-jähriges Jubiläum des Paneuropäischen Picknicks: Wie es zum Fall des Eisernen Vorhangs beitrug

Die Grenze zwischen den beiden Städten (Bild von 2009)
Die Grenze zwischen den beiden Städten (Bild von 2009)
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Heute, am 19. August, jährt sich zum 30. Mal das sogenannte Paneuropäische Picknick. Euronews hat Antworten auf die wichtigsten Fragen rum um das Event.

Was war es?

Das Paneuropäische Picknick war eine Friedensdemonstration an der österreichisch-ungarischen Grenze im Jahr 1989, bei der mehr als 600 Ostdeutsche in den Westen flohen.

Warum gab es das Picknick?

Organisiert wurde die Veranstaltung von der deutschen Paneuropa-Union und der ungarischen Oppositionspartei, dem Ungarischen Demokratischen Forum. Die Friedensdemonstration sollte einen Tag vor einem ungarischen Feiertag zum Gedenken an den ersten König von Ungarn, König Stephen, stattfinden.

Unterstützt wurde die Veranstaltung von Erzherzog Otto von Habsburg, der ein Gegner Hitlers war und sich seit Mitte der 1930er für die europäische Einigung einsetzte, sowie dem ungarischen kommunistischen Politiker Imre Pozsgay.

Die österreichischen und ungarischen Behörden hatten sich bereit erklärt, symbolisch für drei Stunden ein Grenztor zu öffnen, das Sankt Margarethen im Burgenland in Österreich von Sopronkőhida in Ungarn trennte.

Damals gehörte Österreich zum Westen und Ungarn war hinter dem Eisernen Vorhang.

Was ist passiert?

Die Öffnung der Grenze - wenn auch nur für drei Stunden - war eine wichtige Gelegenheit für jeden, der versuchen wollte, den repressiven kommunistischen Regierungen im Osten zu entkommen.

Bereits zu Beginn des Jahres hatte Ungarn die Überwachung seiner Grenzen reduziert, als die wirtschaftliche und politische Situation im gesamten Ostblock zu zerfallen begann. Der Grenzpolizei war gesagt worden, sie solle nicht auf jemanden schießen, der versucht, über die Grenze zu fliehen.

Mehrere Hundert Deutsche nutzten diese außergewöhnliche Gelegenheit und flohen in den Westen. Es war die größte Fluchtbewegung seit dem Bau der Berliner Mauer.

Was passierte danach?

Unmittelbar nach der Massenflucht begann die ungarische Regierung, die Grenzkontrollen wiedereinzuführen. Sie befürchtete, dass Hardliner in Moskau es als Schwäche ansehen würden, dass die Menschen in der Lage waren, zu gehen. Zudem befürchteten sie, dass die Hardliner versuchen könnten, den Staatspräsidenten der Sowjetunion, Michail Gorbatschow, abzusetzen.

Aber in den kommenden Wochen stieg die Zahl der Menschen, die versuchten, über Ungarn nach Österreich zu fliehen, und in der Nacht vom 21. auf den 22. August wurde ein 36 Jahre alter ostdeutscher Mann, Kurt-Werner Schulz, bei dem Versuch, über die Grenze zu gelangen, getötet.

Der ungarische Ministerpräsident Miklos Németh erkannte, dass sie die Menschen nicht aufhalten konnten ohne unweigerlich für weitere Todesfälle verantwortlich zu sein und flog nach Westdeutschland, um am folgenden Tag Außenminister Helmut Kohl zu besuchen.

Er sagte ihnen, dass sie die Grenze im September öffnen würden und alle Ostdeutschen Deutschland verlassen dürften.

Wie hat das alles zum Zusammenbruch des Sowjetblocks geführt?

Am 11. September wurde die ungarische Grenze schließlich geöffnet und schätzungsweise 30.000 Ostdeutsche flohen in den Westen.

Als Reaktion darauf versuchte das ostdeutsche Regime, seine Bürger daran zu hindern, nach Ungarn zu reisen. Anstatt dessen versuchten Tausende dann, über die Tschechoslowakei zu fliehen.

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Die Schließung der Grenzen führte zu einem massiven Volksaufstand, der schließlich in der Öffnung der Berliner Mauer am Abend des 09. November 1989 und der Wiedervereinigung von West- und Ostdeutschland im darauffolgenden Jahr gipfelte.

Das Paneuropäische Picknick löste also eine Kettenreaktion aus, die zur Öffnung der Mauer und schließlich zu Volkswahlen in den Ostblockstaaten und zum Sturz der kommunistischen Regierungen führte. Der Ostblock fiel auseinander und trug zum Zerfall der Sowjetunion bei.