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Abgesagt! Demonstranten sprengen Voraufführung von Polanskis "Intrige"

Abgesagt! Demonstranten sprengen Voraufführung von Polanskis "Intrige"
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Der Filmverleih als Komplize eines Vergewaltigers? Mit diesem Vorwurf sind am späten Dienstagabend FrauenrechlerInnen in Paris auf die Straße gegangen, gegen die Voraufführungen des Films "Intrige"von Roman Polanski.

Der Filmemacher wurde in den USA wegen Vergewaltigung zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt und entzieht sich seiner Auslieferung in die USA. Zuor hatte er den gesetzeswidrigen Geschlechtsverkehr mit einer damals 13-Jährigen im Jahr 1977 zugegeben.

Neue Vorwürfe gegen Polanski

Est kürzlich hat auch die französische Fotografin Valentine Monnier Vergewaltigungsvorwürfe gegen ihn erhoben. Für die Demonstranten ein Grund mehr, ihrem Ärger Luft zu machen. Noa, eine junge Frau vor dem Kino, zeigte sich entsetzt:

"Das ist ein Schlag ins Gesicht seiner Opfer, die ihr Schweigen gebrochen haben und aller Vergewaltigungsopfer. Dass ein Mann wie er noch Filme machen darf, die sich dann auch noch "Intrige" nennen (im Original "J'accuse", zu deutsch: Ich klage an, Anm. d. Red.) und die solche wichtigen Ereignisse der Geschichte thematisieren, und dass die Menschen auch nur einen Cent dafür ausgeben, das ist schlimm!"

Filmvorführung wurde abgesagt

Die Filmvorführung im Quatier Latin konnte wegen der Proteste nicht stattfinden. Anderswo in Paris wurde der Film dennoch gezeigt. Kinobesucher, denen der Zugang verwehrt blieb, meldeten Zweifel an den Protesten an:

"Das Publikum als Komplize der Taten von Polanski zu bezeichnen und den Zugang zum Kino zu versperren, das ist eine sehr unglücklich Mischung", so Marguerite Bertoni. Und Jean-Pierre Gattegno fand zwar, dass Polanski verfolgt werden müsse, wollte den Film aber dennoch sehen: "Ich meine, dass er für seine Taten zur Rechenschaft gezogen werden muss, wenn man es ihm denn nachweisen kann, und zwar unnachgiebig. Aber es gibt keinen Grund, diesen Film nicht anzusehen."

Polanski abgetaucht

Der Filmemacher selbst ist seit Monaten von der Bildfläche verschwunden. Bei einem Auftritt in Paris vor zwei Jahren unterbrach die Gruppierung Femen die Veranstaltung.

Roman Polanskis Frau Emmanuelle Seigner und die Stars des neusten Films geben französischen Medien derzeit keine größeren Interviews. Die mächtigen Unterstützer Polanskis in der Filmindustrie meldeten sich bislang nicht zu Wort.

Film über die "Affäre Dreyfus"

Polanskis "Inrige", im französischen Original "J'accuse", erzählt vom Urteil gegen den jüdischen Offizier Alfred Dreyfus. Er war 1894 in Paris wegen Hochverrats verurteilt worden. Die Jury der Mostra di Venezia hat den Film im September ausgezeicnhet. Eine umstrittene Entscheidung, hat Polanski selbst doch auf Parallelen zwischen sich und dem verurteilten Dreyfus verwiesen.

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