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Schwächelnde Eurozone: "Handelsunsicherheit schlecht für das Wachstum"

Schwächelnde Eurozone: "Handelsunsicherheit schlecht für das Wachstum"
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Gefangen zwischen Handelskriegen und Brexit verlangsamt sich die europäische Wirtschaft. Aber manchmal eröffnen Herausforderungen neue Möglichkeiten: Griechenland knüpft Handelsbeziehungen mit China. In unsicheren Zeiten sucht Europas Wirtschaft nach neuen Möglichkeiten; das ist das Thema dieser Folge von Real Economy.

"Der Winter steht vor der Tür und die Wirtschaftsnachrichten sind gleichfalls trübe. Aber manchmal eröffnen Herausforderungen neue Möglichkeiten", meint euronews-Reporterin Efi Koutsokosta. "Ein sehr gutes Beispiel ist Griechenland, das Handelsbeziehungen mit China knüpft. Außerdem fragen wir die neue IWF-Chefin Kristalina Georgieva, wie man die stürmischen Wirtschaftswogen glätten kann. Aber lassen Sie uns zunächst sehen, was in der Welt vor sich geht und wie sich das auf Europa auswirkt."

Zahlen und Fakten zur Wirtschaftslage

Brüssel hat seine Wachstumsprognosen für die Eurozone auf den niedrigsten Stand seit dem Höhepunkt der Finanzkrise gesenkt und sieht für 2020 keine Verbesserung. Gründe sind anhaltende Unsicherheiten. Die USA und China befinden sich seit März 2018 in einem Handelskrieg aufgrund von Zollvorschriften.

Und das wichtigste europäische Land, das ins Handelskreuzfeuer zwischen den USA und China geriet, war Deutschland: Exporte machen fast die Hälfte der Wirtschaft aus - mit Kraftfahrzeugen und Industriemaschinen an der Spitze. Deutschland ist eine Exportnation. Seit 2017 ist das Wachstum jedoch stark zurückgegangen. Und da Deutschland die Lieferkette in Mittel- und Osteuropa erweitert hat, spüren Länder wie Ungarn, die Slowakei und Polen nun auch den Einbruch, da die Abschwächung die gesamte EU-Wirtschaft betrifft.

Athen rollt China den roten Teppich aus

Unter dem Druck der USA wird China offener für den Handel mit neuen Partnern. Und Athen rollte den roten Teppich aus. Euronews-Reporter Guillaume Desjardins recherchierte genau dort, wo der Osten auf den Westen trifft: Am Hafen von Piräus:

"Seit 2016 ist der Hafen von Piräus das Symbol der chinesischen "Belt and Road Initiative". Damals übernahm das staatliche chinesische Unternehmen Cosco, eine der weltweit größten Reedereien, die Mehrheit an dem jahrhundertealten Hafen", sagt Guillaume Desjardins. "Der Erwerb von 67 Prozent des Hafens und die geplanten Einnahmen und Investitionen ist ein Deal von mehr als einer Milliarde Euro. Er führt den Hafen ins 21. Jahrhundert, damit ist er der größte im Mittelmeer."

Griechenland will von dem Engagement profitieren: "Wir wollen, dass diese Investitionen früher entwickelt werden", sagt Ioánnis Plakiotákis, griechischer Minister für Schifffahrt und Inselpolitik. "Das wird sich natürlich auf die lokale Wirtschaft auswirken, auf die Schaffung von Arbeitsplätzen. Das wird einen großen Einfluss auf die griechische Volkswirtschaft insgesamt haben."

Für China rechtfertigt die strategische Lage des Piräushafens die massiven Investitionen: Er liegt verkehrsgünstig zwischen Asien und Europa auf dem Seeweg durch den Suezkanal und ist das erste große Tor nach Kontinentaleuropa.

"Wir dienen hier nicht China, sondern dem Handel", meint Tassos Vamvakidis, kaufmännischer Leiter, Piräus Container Terminal S.A.: "Alle Handelsgüter, die über den Suezkanal kommen, entweder aus China, aus Indien, Australien oder von wo auch immer, werden hier umgeschlagen. Und das zehn Tage früher als in den nordeuropäischen Häfen."

In Piräus gehen die Auswirkungen der chinesischen Investitionen über neue Kräne und mehr Container hinaus. Die Zusammenarbeit mit dem chinesischen Staatsbetrieb Cosco hat das einst krisengeschüttelte Gebiet mit Bargeld und Steuergeldern überschwemmt. Um die künftigen Handelsbeziehungen für alle gewinnbringend zu gestalten, forderte die Europäische Kommission im vergangenen Frühjahr eine genauere Prüfung der Investitionen in strategischen Sektoren sowie mehr Gegenseitigkeit bei den Handelsgeschäften zwischen China und der EU.

Und Giorgos Gogos, Generalsekretär der Hafenarbeiter-Gewerkschaft in Piräus, fügt an: "Zwar haben mehr Leute Arbeit. Aber das Problem ist, dass sie unter schlechteren Bedingungen arbeiten und weniger verdienen."

Aufgrund des Handelsstreits mit den USA will China vermehrt in Europa investieren. Für Brüssel ist China ein "Rivale". Man beobachtet genau Chinas Ambitionen, eine führende Weltmacht zu werden. Und man fordert die EU-Mitgliedsstaaten auf, als Ganzes zusammenzuarbeiten, wenn es um die Zusammenarbeit mit der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt geht.

Kann man die stürmischen Wirtschaftswogen glätten?

Euronews-Reporterin Efi Koutsokosta traf in Berlin die neue Chefin des Internationalen WährungsfondsKristalina Georgieva zum Interview. Themen waren die aktuelle Situation und Wege aus der Krise.

euronews:Frau Georgieva, was könnte Europa - oder wir können auch über Deutschland sprechen -, tun, um diese Stagnation zu stoppen und zu überwinden?


Kristalina Georgieva:

Möglichkeiten für Europa zu handeln sind: Erstens viel entschlossenere Investitionen in die Wettbewerbsfähigkeit Europas: Forschung und Entwicklung - Europa muss in allen Ländern ehrgeizige Ziele verfolgen, um sicherzustellen, dass es in Zukunft mit Asien und den USA konkurrieren kann. Dann die Klimapolitik: Ich bin ganz fest davon überzeugt, dass es DER Moment in der Geschichte ist, in dem Europa eine führende Rolle in der Welt übernehmen kann: Investitionen in ein kohlenstoffarmes, klimafreundliches Wachstum können einen dynamischeren Wachstumspfad für Europa anregen. Und natürlich muss Europa in den Bereichen auf dem neuesten Stand der Technik sein, die die Zukunft der ganzen Welt betreffen.

Euronews:
Es gibt immer noch Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China, es gibt immer noch kein Abkommen. Könnte diese Situation Europa Vorteile bringen?

Kristalina Georgieva:
Schätzungen besagen, dass der Handel in diesem Jahr nur um 1,1 Prozent wächst. Im Grunde heißt das, dass der Handelsmotor des Wachstums ungenutzt ist. Wir haben nachgerechnet, wie kostspielig Handelsstreitigkeiten sind. Wir kamen zu dem Ergebnis, dass die Kosten für die Weltwirtschaft bis 2020 700 Milliarden Dollar betragen werden. Das sind 0,8 Prozent des globalen BIP. Nicht ganz unbedeutend. Den kleineren Teil dieser Kosten kann man den Zollstreitigkeiten zuschreiben, aber der größere Teil speist sich aus Unsicherheit. Wir setzen uns also dafür ein, dass die USA und China ein Handelsabkommen schließen. Das würde das Vertrauen stärken. Aber längerfristig reicht das nicht aus. Wir brauchen einen nachhaltigen Handelsfrieden. Und wir glauben, dass Europa eine wichtige Rolle dabei spielt, denn Europa ist eine offene, exportorientierte Wirtschaft.

Euronews:
Wenn das nicht bald geschieht, kommt dann eine schlechte Wirtschaftsphase auf uns zu, müssen wir vielleicht eine schwere Rezession fürchten?

Kristalina Georgieva:
Im Moment sehen wir keine Gründe, dass die Situation sich dermaßen verschlechtert. Aber uns macht Sorgen, dass eine längere Periode der Handelsunsicherheit sehr schlecht für das Wachstum sein wird.

Euronews:
Es wird keine Krise geben, wie Frau Georgieva gerade sagte. Es gibt noch Bereiche, in die Europa investieren kann, um beispielsweise in der Klimapolitik oder bei Investitionen in Forschung und Entwicklung besser zu werden.

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