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Vatikan und USA: Wurde Kardinal Pierre im Pentagon zurechtgewiesen?

Die Kuppel des Petersdoms im Vatikan
Die Kuppel des Petersdoms im Vatikan Copyright  Gregorio Borgia/AP
Copyright Gregorio Borgia/AP
Von Fortunato Pinto
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Mehrere Medien berichteten über ein hitziges Treffen mit dem Vatikanvertreter im Pentagon im Januar. Die US-Regierung weist diese Darstellung nun zurück und bezeichnet den Austausch als "respektvoll". Zuvor hatte Papst Leo XIV. den Iran-Krieg deutlich kritisiert.

Papst Leo XIV. ist in einem Statement zum Krieg im Nahen Osten überraschend deutlich geworden. Seine Äußerungen legen das heikle Verhältnis zwischen dem Vatikan und Washington offen.

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Am Dienstag ging der Papst über den üblichen Appell zum Frieden unter den Völkern hinaus. Er forderte die US-Bürger auf, sich an die Mitglieder des Kongresses zu wenden, um ihre Enttäuschung über Donald Trump und dessen Drohungen gegen die gesamte iranische Zivilisation zum Ausdruck zu bringen.

Dieser Schritt verdeutlicht die Distanz zwischen dem in Chicago geborenen Papst und der Trump-Regierung. Noch im vergangenen Jahr war der Vatikan Schauplatz eines der historisch bedeutendsten Momente im Ringen um Frieden in der Ukraine. Dort trafen sich US-Präsident Donald Trump und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Rande der Beerdigung von Papst Franziskus persönlich.

Nun kommt ein weiterer Vorfall ans Licht, der die Meinungsverschiedenheiten und das brüchige Verhältnis zwischen dem Heiligen Stuhl und den USA erneut unterstreicht.

Diplomatischer Bruch zwischen USA und Vatikan?

Die dem Papst gewidmete Website Letters from Leo sprach von einem diplomatischen Bruch. Dort heißt es, US-Staatssekretär Elbridge Colby habe den damaligen Vatikan-Vertreter, den Apostolischen Nuntius in den Vereinigten Staaten, Kardinal Christophe Pierre, im vergangenen Januar zu einer strengen Warnung ins Pentagon zitiert.

Dem Bericht zufolge hätten amerikanische Beamte bekräftigt, die USA würden alle militärischen Mittel einsetzen, um ihre globalen Interessen durchzusetzen. Zugleich sei der Heilige Stuhl gedrängt worden, sich auf die Seite der Regierung zu stellen und seine historische Neutralität aufzugeben.

Eine weitere Anspielung verschärfte die Spannungen zusätzlich. Nach Angaben der Website soll ein US-Vertreter das Papsttum von Avignon erwähnt haben. Damals wurde die Unterwerfung der Kirche unter politische Macht erzwungen. Diese historische Referenz wurde im aktuellen Zusammenhang als Drohung verstanden, wonach sich auch der Papst gegebenenfalls militärischem Zwang beugen müsse.

In den Letters from Leo heißt es außerdem, Leo XIV. habe sich gegen die "Donroe-Doktrin" gestellt, eine der tragenden Säulen von Trumps Außenpolitik. Der Papst habe demnach eine Weltanschauung verurteilt, die auf Gewalt beruhe und amerikanische Hegemonialziele verfolge.

Pentagon dementiert Darstellung: "Respektvolles Treffen"

Bis Donnerstag hatten sich weder die USA noch der Vatikan zu dem Treffen im Pentagon geäußert. Selbst Vizepräsident J.D. Vance, der am Mittwochabend während seiner Reise nach Budapest von Journalisten dazu befragt wurde, sagte nichts zu der Angelegenheit. Er betonte jedoch, er sei offen für ein Treffen mit Kardinal Pierre, um dessen Ansichten über die Regierung zu erörtern.

Erst am Donnerstag äußerten sich das Pentagon und die US-Botschaft beim Vatikan zu dem Treffen vom 22. Januar. In einem Beitrag auf X schrieb das Verteidigungsministerium, Unterstaatssekretär Elbridge Colby habe ein "substanzielles, respektvolles und professionelles" Treffen mit Kardinal Pierre abgehalten.

"Während des freundschaftlichen Treffens erörterten sie eine Reihe von Themen, darunter Fragen der Moral in der Außenpolitik, die Gründe für die nationale Sicherheitsstrategie der USA, Europa, Afrika, Lateinamerika und andere Fragen. Kardinal Pierre drückte seine Wertschätzung für die Kontaktinitiative aus, und beide Seiten freuten sich auf einen weiteren offenen und respektvollen Dialog", heißt es in dem Text.

Das Pentagon bezeichnete die Berichte über das Treffen als "stark übertrieben und verzerrt". "Das Treffen zwischen Vertretern des Pentagon und des Vatikans war eine respektvolle und vernünftige Diskussion. Wir haben nichts als die höchste Wertschätzung und begrüßen die Fortsetzung des Dialogs mit dem Heiligen Stuhl", heißt es abschließend.

Kardinal Pierre: "Offenes, aber herzliches Treffen"

Auch die US-Botschaft beim Vatikan schaltete sich in den Fall ein und veröffentlichte einen Kommentar von Kardinal Pierre selbst. "Botschafter Burch sprach heute mit Seiner Eminenz Kardinal Pierre, dem scheidenden päpstlichen Nuntius in den Vereinigten Staaten, über sein Treffen mit Unterstaatssekretär Elbridge Colby im Januar", heißt es in einem von der Botschaft auf X veröffentlichten Beitrag.

"Der Kardinal wies die Darstellung seines Treffens mit Colby in den Medien entschieden zurück. Er beschrieb das Treffen als 'offen, aber sehr herzlich' und als 'normales Treffen'. Er bestätigte, dass der Bericht 'nicht das wiedergibt, was geschehen ist' und 'einfach erfunden wurde, um eine Geschichte zu erzählen'."

Die Botschaft erinnerte daran, dass die US-Regierung regelmäßig mit Vertretern des Heiligen Stuhls zusammentreffe, und bekräftigte, die Beziehungen zum Vatikan seien "solide und produktiv".

Trotz dieser Dementis hat der Fall die Gerüchte über das schwierige Verhältnis zwischen Leo XIV. und der Trump-Regierung neu entfacht. Sowohl Letters from Leo als auch Mattia Ferraresi in The Free Press, die zuerst über das Treffen im Pentagon berichteten, schreiben, der Vatikan habe angeblich die Einladung von Trump und Vance zur Teilnahme an der 250-Jahr-Feier der Unabhängigkeit abgelehnt.

Am 4. Juli wird der Papst stattdessen auf der Insel Lampedusa sein, einem Symbol der Migrationskrise im Mittelmeer. Berichten zufolge unterstreicht das die Distanz zwischen den Vorstellungen des Vatikans und des Pentagons im Umgang mit Migration und in der Außenpolitik.

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