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Corona-Hotspot Brasilien: mehr als 1000 Tote in 24 Stunden

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Corona-Hotspot Brasilien: mehr als 1000 Tote in 24 Stunden
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In Brasilien spitzt sich die Corona-Krise weiter zu: das größte und mit 210 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichste Land Lateinamerikas, hat Großbritannien bei der Zahl der Corona-Infizierten überholt und liegt nun mit über 270.000 Infizierten auf Platz drei weltweit, hinter den USA und Russland.

Knapp 18.000 Menschen sind bislang an Covid-19 gestorben - zuletzt an einem Tag fast 1200, ein trauriger Rekord. Brasilien ist auf dem Weg zum Epizentrum der Krise zu werden.

Der strukturschwache Norden und der Nordosten Brasiliens sind am meisten betroffen. Der Bundesstaat Sao Paulo allein, hat mehr Corona-Tote als ganz China, nämlich 5000.

Die fünf Städte mit der höchsten Infektionsrate und auch mit der höchsten Mortalitätsrate liegen allesamt im Bundesstaat Amazonas. Manaus, die Hauptstadt des Bundesstaats, muss seine Toten in Hunderten Massengräbern beerdigen.

Brasiliens Gesundheitssystem stößt an seine Grenzen: Unter Krankenschwestern verzeichnet Brasilien die meisten Opfer der Welt, mehr als die USA, dreimal so viel ALS Italien. Jetzt nimmt das Land angesichts der Krise 150 Mediziner aus Kuba auf.

Verschärft wird die katastrophale Lage durch chaotisches Krisenmanagement: Während Rio de Janeiro oder São Paulo Ausgangsbeschränkungen verhängt haben und Geschäfte schließen, hält der rechtspopulistische Präsident Jair Bolsonaro das Virus weiterhin für eine «leichte Grippe». Er will so schnell wie möglich zur Normalität zurück. Und der Höhepunkt der Krise wird erst im Juni erwartet.

Zu Beginn der Corona-Epidemie im Land hatte Bolsonaro den Gesundheitsminister entlassen, weil der für Ausgangsbeschränkungen und Schutzmaßnahmen plädierte. Dessen Nachfolger ist nach nur einem Monat im Amt vergagenen Woche dann zurückgetreten.

Auch in anderen Ländern Lateinamerikas steigen die Infektionszahlen mit dem neuen Coronavirus und auch die Zahlen der Todesopfer deutlich.

Corona war in Brasilien und anderen Ländern Lateinamerikas zunächst das Virus der Reichen gewesen. Der erste registrierte Fall war ein Geschäftsmann aus São Paulo, der nach Norditalien gereist war. Für Mexiko wurde - ähnlich wie das österreichische Ischgl - der US-Skiort Vail zum Infektionsherd, wo sich eine Gruppe mexikanischer Geschäftsleute getroffen hatte. Börsenchef Jaime Ruíz Sacristán steckte sich dort an, er starb im April. Die meisten Infektionen in Argentinien wurden zu Beginn in den wohlhabenden Vororten im Norden von Buenos Aires registriert, deren Bewohner oft ins Ausland reisen.

Mittlerweile hat sich Sars-CoV-2 immer weiter ausgebreitet, auch die ärmeren Viertel und Slums erreicht. In den ärmlichen Siedlungen - in Brasilien «Favelas», in Argentinien «Villas» genannt - fehlt es den Bewohnern oft am Nötigsten wie Wasser und Seife, zugleich leben ganze Familien in einem Raum zusammen. Abstand halten ist da kaum möglich.