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"Explosion bei jungen Leuten": Virus frisst sich tiefer in die USA

"Explosion bei jungen Leuten": Virus frisst sich tiefer in die USA
Copyright  Sott Keeler/Tampa Bay Times via AP
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In rund der Hälfte der US-Bundesstaaten ziehen die Corona-Zahlen wieder an. Dabei fällt auf: Fast alle liegen im Süden und werden von Republikanern regiert. Diese hatten schon früh einen lockerungsfreudigen Kurs gefahren – ganz nach dem Vorbild von Präsident Donald Trump.

Gestern 40.000 Neuinfektionen

Beispiel Texas: Der Bundesstaat hatte Ende April als einer der ersten die Corona-Regeln aufgeweicht. Gestern sah er sich angesichts der katastrophalen Zustände in den Krankenhäusern gezwungen, sie wieder einzuführen. Die Intensivstationen sind am Limit. Vor den Teststationen bilden sich lange Schlangen. Oft dauert es Tage, an einen Test zu kommen.

David J. Phillip/AP
Stundenlang Schlange stehen für einen Test: So geht es in den USA derzeit vielen Menschen.David J. Phillip/AP

Auch in Florida, Arizona, South Carolina, Georgia, Louisiana, Arkansas und Kalifornien verschärft sich die Lage. Landesweit wurden gestern 40.000 Neuinfektionen gemeldet – mehr als je zuvor innerhalb von 24 Stunden. Schon am Mittwoch war der bisherige Rekordwert von rund 36.400 Fällen gebrochen worden – mit 38.000 Neuinfektionen.

Florida: Besonders junge Menschen betroffen

Der Gouverneur von Florida, Ron DeSantis, äußerte sich beunruhigt über ein neues Phänomen. Wissenschaftler hätten eine regelrechte "Explosion von Covid-Fällen unter jungen Menschen" festgestellt – ein Grund für die schnelle Ausbreitung.

Diese Menschen seien meist gesund und widerstandsfähig. Aber es sei auch zu mehreren Todesfällen bei jüngeren Menschen gekommen. In der vergangenen Woche starben zwei 17-Jährige in Florida an dem Virus.

Der Gouverneur drängte auch auf ein hartes Durchgreifen gegen "unverantwortliches Verhalten". Bars und Restaurants drohte er damit, ihnen die Ausschanklizenzen zu entziehen, sollten sie sich nicht an die Hygienevorschriften halten.

In der Metropole Miami und einem Dutzend anderer Städte Floridas ist das Tragen einer Maske jetzt Pflicht. Dies war bereits seit letzter Woche in Orlando, Tampa und auf den Keys-Inseln der Fall.

AP Photo/Lynne Sladky
Proteste für die Wiedereröffnung einer Bar Mitte Juni in Fort Lauderdale, Florida.AP Photo/Lynne Sladky

Kalifornien: Trauriger Rekord

Auch in ganz Kalifornien gilt eine generelle Maskenpflicht. Der Bundesstaat bricht einen traurigen Rekord nach dem nächsten. Am Mittwoch wurden 7000 neue Corona-Fälle gemeldet – den dritten Tag in Folge. Ingesamt haben sich in dem Bundesstaat über 201.000 Menschen infiziert.

In den Krankenhäusern sind derzeit 30 Prozent mehr Covid-19-Patienten als vor zwei Wochen, sagte Gouverneur Gavin Newsom. Er rief die Menschen auf, wenn möglich zu Hause zu bleiben:

„Lassen Sie uns wachsam sein, die Abstandsregeln einhalten und jetzt nicht nachgeben. Wir sollten verantwortungsvoll durch unseren Alltag gehen. Und beim Kontakt mit anderen: Tragen Sie eine Maske!“
Gavin Newsom
Gouverneur von Kalifornien (Demokrat)

"Virus klingt ab": Gefährdet Trump Wiederwahl?

Vorsichtsmaßnahmen, die Donald Trump für unnötig zu halten scheint. Er macht weiter Wahlkampf ohne Maske und drängt auf eine schnelle Rückkehr zur Normalität. "Das Virus klingt ab", sagte er am Dienstag bei einer Wahlkampfveranstaltung in Arizona. Die extremen Infektionszahlen erklärt er damit, dass eben "extrem viel getestet werde".

Doch mit seinem laxen Corona-Kurs steht der Präsident zunehmend allein da. Der Gegenwind – auch aus den eigenen Reihen – wird stärker. Trumps Plan, 13 Corona-Teststationen in fünf US-Bundesstaaten nur noch bis Ende Juni finanziell zu unterstützen, wird scharf kritisiert. Zum Beispiel vom republikanischen Senator John Cornyn aus Texas – einer Hochburg von Trump-Wählern.

Geht es so weiter, könnte Trump mit dieser Haltung seine Wiederwahl im Herbst aufs Spiel setzen. Herausforderer Joe Biden von den Demokraten führt in den Umfragen mit 14 Prozentpunkten.

Quarantäne-Pflicht bei Einreisen nach New York, New Jersey und Connecticut

New York galt lange als US-Epizentrum der Pandemie. Hier kehrt inzwischen wieder so etwas wie Alltag ein, die Zahlen sind weiter rückläufig. Damit das so bleibt, führte der Bundesstaat eine Quarantäne-Pflicht für Reisende aus besonders betroffenen Regionen ein.

New Jersey und Connecticut taten es New York gleich. Wer die Regel bricht, riskiert Geldstrafen in Höhe von 2.000 bis 5.000 Dollar.

Andrew Cuomo, Gouverneur von New York, erklärte:

"Was New York tut, ist das Gegenteil von dem, was Sie heute in diesem Land sehen. Bei ihnen gehen die Zahlen hoch und bei uns gehen sie runter. Immer mehr Menschen sind infiziert und das alles wird noch viele weitere Leben kosten."
Andrew Cuomo
Gouverneur von New York (Demokrat)

Über 124.400 Menschen sind laut Johns-Hopkins-Universität in den Vereinigten Staaten bereits an den Folgen von Covid-19 gestorben.