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Nicht nur in Italien: “Generation Covid” im Karriere-Stau

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Nicht nur in Italien: “Generation Covid” im Karriere-Stau
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Ihren Spitznamen hat sie schon, die “Generation Covid” – die Menschen bis 35 sterben zwar weniger häufig an der Pandemie. Aber ihr Weg ins Berufsleben ist holprig. Und die Schulden für großzügige Förderprogramme bleiben vermutlich vor allem an ihnen hängen. Beispiel Italien.

Die neusten Zahlen des Statistikamtes Istat:

Allein im Mai stieg die Jugendarbeitslosenquote bei den unter 25jährigen auf 23,5 Prozent – einer der höchsten Werte in der Eurozone (April: 15,8 % (Statista)). EU-SozialkommissarNicolas Schmit fürchtet eine “lost generation” mit Joblosen wie nach der Finanzkrise (2013 EU: 24 Prozent, in manchen Ländern weit mehr als die Hälfte (Spiegel).

Die Coronakrise hat Uni-Absolventen auf der Suche nach einem ersten Job schwer getroffen, aber auch junge Profis stecken im Karriere-Stau.

Ignazio macht im September seinen Abschluss als Ingenieur - er meint, die Lage bessert sich allmählich. Aber er hat Mühe, einen Job zu finden

Ignazio Furfaro´, Student, Rom

"Ich habe ein paar Lebensläufe verschickt und auch Antworten bekommen. Aber alle haben sie mir gesagt, dass als Folge von Covid nicht mehr eingestellt werde."

Und nicht nur junge Leute mit Uni-Abschluss haben ein Problem.

Linda Laura Sabbadini, Istat-Direktorin:

„Das trifft nicht nur Menschen unter 25 Jahren, auch die zwischen 25 und 34. Schon vor Covid hatte die Beschäftigungsrate in dieser Altersgruppe 8 Punkte im Vergleich zu 2008 eingebüßt, heute sind es nochmal 2 Punkte weniger. Und das hat Folgen in einem Alter, in dem man unabhängig werden will, eine Familie gründen oder Kinder haben.”

Vor allem im Kreativ-Bereich finden die meisten den Weg zurück ins Arbeitsleben schwierig. Giorgia ist 30 Jahre alt und hat als Schauspielerin gearbeitet

Giorgia Ciotola, Schauspielerin:

„Ich kämpfe seit Jahren, um mit kreativen Jobs meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Ich habe in Theaterklassen unterrichtet oder als Clown in Kinderkrankenhäusern gearbeitet. Jetzt bin ich Kinderbetreuerin, aber es ist wirklich hart, nicht mein Wunsch für’s Leben.“

Laut Internationaler Arbeitsorganisation ILO ist mehr als einer von sechs jungen Menschen wegen Covid-19 ohne Job. Das heißt: Die Jüngeren sind die Anfälligsten, auch jenseits der Grenzen Italiens.

Gianni Rosas, ILO-Direktor für Italien und San Marino:

„Junge Berufstätige in Italien und anderen Ländern arbeiten oft in Corona-geschädigten Branchen, im Gastgewerbe, Tourismus. Und oft mit Zeitverträgen, die nicht erneuert werden.”

Mit einer Wirtschaft, die seit Jahrzehnten irgendwie festgefahren ist, hatte Italien schon lang ein Problem mit dem “Brain drain” - „Gehirnabfluss“. Die jüngsten und fähigsten Köpfe fühlen sich gezwungen, abzuwandern. Aber Covid lauert überall – und dagegen hilft Auswandern nicht.

su mit dpa