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5 Jahre Flüchtlingskrise - haben wir "das" geschafft?

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5 Jahre Flüchtlingskrise - haben wir "das" geschafft?
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Fünf Jahre ist es her, da sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel drei Worte, die den letzten Teil ihrer Kanzlerschaft überstrahlen würden - oder überschatten – je nach Standpunkt.

Im Herbst 2015 profitierten rund eine Million Flüchtlinge – etwas weniger als die Hälfte aus Syrien – von der deutschen Willkommenskultur, geprägt durch christliches Gedankengut und die Erfahrung mehrerer Flüchtlingswellen im eigenen Land - Flucht und Vertreibung Deutscher aus Mittel- und Osteuropa (12 bis 14 Millionen nach 1945), „Republikflucht“ aus der ehemaligen DDR (3,8 Millionen 1949-1990) und Ost-West-Wanderung nach dem Mauerfall (1991-2017 rund sechs Millionen Umzüge zwischen Ost und West – fast ein Viertel der ursprünglichen Bevölkerung Ostdeutschlands).

5 JAHRE "WIR SCHAFFEN DAS"

Die Erklärung aus Berlin läutete die Ankunft des größten Flüchtlingskontingents in einem EU-Land ein.

Zwischen 2015 und 2019 beantragten mehr als 1,5 Millionen Menschen in Deutschland Asyl. Damit ist Deutschland das Land mit der fünfthöchsten Flüchtlingsbevölkerung der Welt.

© Phoenix

Alamin Abdulaziz, Flüchtlingsinitiative "Willkommen in Barmbek" Hamburg:

"Ich frage mich jetzt wirklich, wenn Frau Merkel die Tür nicht geöffnet hätte, was mit den Flüchtlingen passiert wäre, die vor Bombenangriffen geflohen sind."

Tesfit Fsaha, Lagerlogistiker, ehemaliger Flüchtling, Hamburg:

"Ich hatte die Gelegenheit zu lernen und zu arbeiten. Und ich sah, dass ich eine Zukunft habe."

SPALTENDE WILLKOMMENSKULTUR

Merkels Politik erwies sich aber auch innerhalb ihrer eigenen regierenden CDU/CSU und der politischen Opposition als äußerst spaltend – ab dem Winter 2015/16 wurden Obergrenzen diskutiert, im Frühjahr die sogenannte Westbalkanroute geschlossen.

Was folgte, war nicht nur eine große Hilfsbereitschaft der Bevölkerung und die Integration vieler Flüchtlinge, sondern auch eine politische Polarisierung und der Aufstieg der AfD.

Und? Haben “wir es geschafft?“ Ja, schon, meint Dr. Olaf Kleist, Deutsches Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM), Berlin:

"Wir sehen jetzt, dass etwa 3/4 der Geflüchteten, die hier 2015/16 angekommen sind, ein eigene Wohnung haben und unabhängig leben. Etwa 2/3 der Geflüchteten von 2015/16 sind jetzt in fester Arbeit oder Ausbildung – hier gibt es noch etwas Nachholbedarf bei Frauen. Aber im Großen und Ganzen sehen wir, dass die Entwicklung eigentlich viel positiver war, als selbst Optimisten noch vor einigen Jahren dachten."

Während die Zahl der Migranten, die nach Europa kommen, deutlich niedriger ist als vor 5 Jahren ...

…sank in Umfragen in Deutschland der Anteil der Menschen, (8.000 Befragte, Studie von DIW, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung und Forschungszentrum des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge) der sich "große Sorgen" über Zuwanderung macht, von knapp der Hälfte auf knapp ein Drittel (46 Prozent im Jahr 2016, 32 Prozent im Jahr 2018). Paradox: bei den Geflüchteten nahmen gleichzeitig die Ängste vor Fremdenfeindlichkeit zu.

su mit dpa

Einige kontroverse Tweets: