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"Decke auf den Kopf": Immer mehr Anrufe bei Hotline für Studierende

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Sorgentelefon Nightline
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Jeden Abend laufen bei Frankreichs Sorgentelefon für Studierende die Drähte heiß. Viele junge Menschen fühlen sich in der Corona-Krise allein gelassen, überfordert, deprimiert und suchen ein offenes Ohr.

Je später der Abend, desto größer die Sorgen. Die Zahl der Anrufe steigt exponentiell, sagt Florian Tirana, Leiter von Nightline France. "Im Studienjahr 2019/2020 haben 3.000 Personen versucht, uns zu kontaktieren, per Telefon oder Chat. Das waren doppelt so viele wie im Vorjahr mit einem starken Anstieg vor allem ab März und der Ankündigung des Lockdowns. Und zu Beginn des neuen Semesters im September 2020, gab es ebenfalls wieder viele Anrufe. Jede Nacht versuchen 40 bis 50 Personen, uns zu erreichen.

Man fragt sich, welchen Sinn das Ganze hat

Inès studiert Architektur - derzeit im Fernunterricht - und verbringt lange Tage am Computer in ihrem kleinen Zimmer. Manchmal, sagt sie, fällt ihr die Decke auf den Kopf.

"Ich schlafe nicht besonders gut, gleichzeitig bewege ich mich tagsüber fast gar nicht. Normalerweise sagt mir mein Handy, dass ich 10 Tausend Schirtte am Tag gelaufen bin. Gerade sind es nicht mal acht. Man befindet sich im Stillstand, denkt an das Leben das man vorher hatte und fragt sich, welchen Sinn das Ganze hat."

Wissenschaftler nehmen das psychische Leiden der Studenten sehr ernst. Sie warnen: Symptome wie Angst, Selbstmordgedanken oder Verhaltensstörungen könnten sich im zweiten Lockdown noch verschärfen.

Prozentsatz der depressiven Störungen mehr als verdoppelt

Dominique Monchablon, Psychiaterin beim Relais Etudiants Lycéens in Paris, sgat, die ersten Zahlen, die ihr vorlägen, zeigten eine Zunahme des Unwohlseins und der Verzweiflung Studierender von 21% auf 30%. "Diese Zahlen stammen vom Observatoire de la vie étudiante, wobei sich der Prozentsatz der Angststörungen verdoppelt hat - von 13% auf 26% - und der Prozentsatz der depressiven Störungen mehr als verdoppelt hat - von 9% auf 22%."

Nightline, das Sorgentelefon von Studierenden für Studierende gibt es in mehreren Universitätsstädten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der Anruf oder Chat ist gratis und anonym.

Wenn Sie selbst deprimiert sind, können Sie sich in Deutschland per Chat, Mail oder telefonisch kostenlos und anonym unter 0800/111 0 111 beraten lassen. Ein muslimisches Beratungstelefon gibt es rund um die Uhr unter 030 - 44 3509 821 (oder wenn nicht in Deutschland: 0049 - 30 / 44 35 09 821). In Österreich können Sie sich unter der Telefonnummer 142 beraten lassen oder im Internet. In der Schweiz hilft die Dargebotene Hand im Internet und unter der Telefonnummer 143.