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Leopoldina appelliert: "Feiertage für harten Lockdown nutzen"

Menschen machen Fotos vor dem Brandenburger Tor, 7.12.2020
Menschen machen Fotos vor dem Brandenburger Tor, 7.12.2020   -   Copyright  Markus Schreiber/Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved.
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Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina hat an die Bundesregierung appelliert, schon ab 14. Dezember und mindestens bis zum 10. Januar einen harten Lockdown in Deutschland zu verhängen.

Das schreibt die Akademie in einer an diesem Dienstag veröffentlichten Ad-hoc-Stellungnahme. Die Rahmenbedingungen seien günstig, da während der Weihnachtsferien ohnehin in vielen Unternehmen der Betrieb eingeschränkt- und Bildungseinrichtungen geschlossen seien. Begründet hat die Akademie ihren Vorstoß mit den hohen Covid-19-Todeszahlen und der dauerhaft hohen Belastung des medizinischen Personals in Kliniken und Krankenhäusern.

Ein kurzer, harter Lockdown über einen kurzen Zeitraum könne "erheblich dazu beitragen, die Infektionszahlen deutlich zu senken und niedrig zu halten, um die Kontrolle über das Infektionsgeschehen zurück zu erlangen." Auch wenn sich die Wertschöpfungsverluste kurzfristig erhöhten, würde sich so der Zeitraum bis zu den Lockerungen verkürzen.

Harter Lockdown am Ende effizienter?

Die Akademie schlägt vor, bereits ab kommenden Montag alle Kontakte, egal ob privat oder beruflich, komplett einzuschränken. Arbeiten im Homeoffice müsse zur Regel werden, auch die Schulpflicht sollte bundesweit ab diesem Datum ausgesetzt werden, wo immer möglich sollten digitale Angebote den Präsenzveranstaltungen vorgezogen werden. Bei Gruppenaktivitäten in Sport und Kultur plädiert die Leopoldina auf einen kompletten Verzicht.

Folgt die Bundesregierung den Empfehlungen der Leopoldina, sollte das öffentliche Leben in Deutschland ab Heilig Abend ruhen - bis mindestens zum 10. Januar. Geschäfte blieben dann zu (außer für Waren des täglichen Bedarfs) und die Weihnachtsferien könnten verlängert werden. Danach empfiehlt die Akademie das Tragen eines Nasen-Mund-Schutzes in der Schule - für alle Jahrgangsstufen.

"Langfristige politische Einigung auf ein klares, mehrstufiges und bundesweit einheitliches System von Regeln"

Die Leopoldina spricht sich auch für eine "langfristige politische Einigung auf ein klares, mehrstufiges und bundesweit einheitliches System von Regeln" aus, das ab einer bestimmten Anzahl von Fällen pro 100.000 Einwohner greift. Durch ein bundesweit einheitliches Vorgehen für die Akzeptanz unter den Bürger*innen erhöht, da die getroffenen Maßnahmen transparent und nachvollziehbar seien.

Binnen 24 Stunden waren dem Robert-Koch-Institut zuletzt 14.054 Neuinfektionen gemeldet worden. Die 7-Tage-Inzidenz liegt derzeit bei 147 auf 100.000 Einwohner. Die Zahl der Corona-Todesfälle in Deutschland stieg um 423 auf 19.342 insgesamt.

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina berät nicht nur die Regierung, so hat sie in ihrer Satzung "die Förderung der Wissenschaften durch nationale und internationale Zusammenarbeit, ihrer Tradition nach zum Wohle des Menschen und der Natur" verankert. Seit ihrer Ernennung zur Nationalen Akademie der Wissenschaften am 14. Juli 2008 übernimmt die Leopoldina "offiziell die Vertretung der deutschen Wissenschaftler in internationalen Gremien, in denen andere nationale Akademien der Wissenschaften vertreten sind, und sie bringt sich in die wissenschaftsbasierte Beratung von Öffentlichkeit und Politik ein." (die gesamte Satzung hier)