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ADRINET: Gemeinsam das Mittelmeer schützen

Von Aurora Velez  & Sabine Sans
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ADRINET: Gemeinsam das Mittelmeer schützen
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Die Meere sind das größte Ökosystem der Erde. Mit ihrer Vielfalt an Lebensräumen und Arten bilden Ozeane eine Hauptnahrungsquelle für viele Menschen. Besonders für Küstengemeinden weltweit bildet Fischerei die Lebensgrundlage. An den Küsten zeigt sich, was wir heute auch von der Hohen See wissen: Plastikmüll belastet marine Lebewesen von den kleinsten Krebstieren bis zu den größten Haien und Walen. Herrenlose Netze machen nach neuesten Studien zwischen 30 und 50 Prozent des Meeresplastiks aus. Da Tiere sich in ihnen verfangen oder sie als Nahrung aufnehmen und daran verenden können, stellen Geisternetze für viele Arten eine Bedrohung dar.

Das EU-Projekt ADRINET hat das Ziel, das Küstenmanagementsystem zu verbessern und Governance-Pläne zu erstellen, um die biologische Vielfalt und die Küstenökosysteme innerhalb des Projektgebiets zu erhalten, deren Gebiete die gleichen Probleme in Bezug auf Verschmutzung, Überfischung, illegale Fischerei, Fischveredelung und "Geisterfischerei" haben. Das Projekt umfasst Investitionen in Technologie, um Fischereirouten zu kartieren und die Meeresverschmutzung zu überwachen, und bietet Dienstleistungen, wissenschaftliche Unterstützung und Schulungen für Fischer und Verbraucher, um den Fischkonsum sicherer und konform mit den EU-Vorschriften und -Richtlinien zu machen.

Herrenlose Fischernetze auf dem Grund des Mittelmeers sind ein Problem für das marine Ökosystem, da Fische das Mikroplastik aufnehmen und es so auch auf unserem Teller landet. Italien leitet ein von der europäischen Kohäsionspolitik unterstütztes Projekt zum Erhalt der Artenvielfalt und zum Kampf gegen Geisternetze.

Gemeinsam das Mittelmeer schützen

Meer bedeutet Arbeit in Castro, einem kleinen italienischen Hafen in Apulien. Doch in den Fischernetzen bleiben nicht mehr so viele Fische wie früher hängen. Zum Druck auf das marine Ökosystem - durch den Anstieg der Meerestemperatur und die intensive Fischerei - kommt die Verschmutzung durch Makro- und Mikroplastik hinzu. Ein Großteil stammt von Geisternetzen, verlorenen Fischernetzen, die auf dem Grund der Adria liegen.

Berufsfischer und Taucher machen bei ADRINET mit, einem europäischen Projekt, das u.a. gegen Geisternetze kämpft. Fischer Antonio Schifano erzählt:

"Ich habe diese alten Netze geborgen, weil sie aus synthetischem Plastik bestehen und den Meeresboden verschmutzen. Sie schaden nicht nur uns Fischern, sondern allen Menschen. Denn wir essen die Fische, die einen Teil der Plastiknetze aufgenommen haben."

Fakten & Zahlen

Italien koordiniert das EU-Projekt ADRINET, an dem auch Albanien und Montenegro beteiligt sind, beides Kandidatenländer der EU. Die drei Länder koordinieren ihr Küstenmanagementsystem und stellen gemeinsame Governance-Pläne auf, denn sie stehen vor den gleichen Problemen.

ADRINET hat ein Gesamtbudget von 1 Million Euro, 85 Prozent kommen von der europäischen Kohäsionspolitik , die restlichen 15 Prozent werden von den drei teilnehmenden Ländern finanziert.

Das Projekt vermittelt Fischern technologisches und wissenschaftliches Wissen: 180 Personen haben bereits eine Schulung erhalten, die unter anderem im Hafen von Castro organisiert werden. Dank der in den Netzen eingebauten Mikrochips kann man sie orten und bei Verlust wiederfinden.

"Die Rückverfolgbarkeit ermöglicht es, die Fischer dafür verantwortlich zu machen, dass ihre Ausrüstung nicht verloren geht", erklärt ADRINET-Projektleiterin Elisabetta Bonerba . "Und die zuständigen Behörden finden damit die Besitzer der Geisternetze."

Präventiv Umweltschäden verhindern

Die italienische Küstenwache begrüßt Projekte wie ADRINET. Denn zu ihren Aufgaben gehört es, herrenlose Fischernetze zu bergen, die oft aus illegaler Fischerei stammen. Aktuell erstellt man eine landesweite Karte der Geisternetze. In einem Jahr wurden 6 Tonnen Geisternetze geborgen:

"Wir haben berechnet, dass 6 Tonnen etwa 200.000 Plastikflaschen auf dem Meeresboden entsprechen. Sehr oft sind es die Fischer selbst, die uns die Koordinaten der Geisternetze mitteilen", so Pietro Vicedomini, Leiter der Küstenwache-Hafenbehörde Otranto.

Bisher gab es 32 Maßnahmen zur Reinigung des Meeresbodens innerhalb des Projektgebiets der drei teilnehmenden Länder.