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Schäuble zu Holocaust-Gedenktag: "Antisemitismus zeigt sich wieder offen und gewaltbereit"

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Holocaust-Mahnmal in Berlin.
Holocaust-Mahnmal in Berlin.   -   Copyright  Markus Schreiber/Copyright {yr4} The Associated Press. All rights reserved
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"Werden wir Verantwortung gerecht?"

Der deutsche Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hat vor neuen Formen von Rassismus und Antisemitismus gewarnt und die besondere Verantwortung für die Juden in Deutschland betont.

"An Gedenktagen wird stets Verantwortung angemahnt, aber werden wir ihr auch gerecht? Auch bei uns zeigen sich Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit wieder offen, hemmungslos, auch gewaltbereit", sagte der CDU-Politiker am Mittwoch im Bundestag in Berlin in einer Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus.

Jüdische Einrichtungen müssten von der Polizei geschützt werden, sagte Schäuble. "Juden verstecken ihr Kippa, verschweigen ihre Identität. In Halle entkam die jüdische Gemeinde nur durch einen Zufall einem mörderischen Anschlag", sagte er.

"Nach Jahrzehnten der Zuwanderung wollen Juden auswandern"

Nach Jahrzehnten der Zuwanderung dächten deutsche Juden über Auswanderung nach. "Und das beschämt uns. Es ist niederschmetternd eingestehen zu müssen, unsere Erinnerungskultur schützt nicht vor einer dreisten Umdeutung oder sogar Leugnung der Geschichte", warnte Schäuble. "Und sie schützt auch nicht vor neuen Formen des Rassismus und des Antisemitismus, wie sie sich auf Schulhöfen, in Internetforen oder in Verschwörungstheorien verbreiten."

Schäuble forderte, die Formen des Erinnerns zu erneuern. Die kollektive Verantwortung für das Menschheitsverbrechen der Nationalsozialisten bleibe bestehen. "Sie schließt auch nachfolgende Generationen ein und Deutsche, deren Familien erst nach dem Nationalsozialismus nach Deutschland gekommen sind", sagte er. "Machen wir uns bewusst: Es steht das Selbstverständnis unseres Landes auf dem Spiel."

Mit dem Gedenktag wird in Deutschland an die Befreiung der überlebenden Häftlinge des Vernichtungslagers Auschwitz durch die Rote Armee am 27. Januar 1945 gedacht.