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Angeklagter Polizist kniete offenbar noch auf verstorbenen George Floyd

Von Carmen Menéndez mit AP
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Courteney Ross sagt zu ihrem getöteten Lebensgefährten George Floyd aus
Courteney Ross sagt zu ihrem getöteten Lebensgefährten George Floyd aus   -   Copyright  Court TV via AP
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Im Prozess gegen Derek Chauvin, der wegen des Todes von George Floyd in Minneapolis vor Gericht steht, hätte der Polizist früher den Polizeigriff beenden können - nachdem Floyd keinen Widerstand mehr leistete. Das sagte ein ehemaliger Vorgesetzter von Chauvin vor Gericht aus.

"Also nachdem er mit Handschellen gefesselt am Boden lang und nicht mehr widerstandsfähig war?" fragt der Staatsanwalt Steve Schleicher nach.

"Richtig", antwortet der mittlerweile pensionierte David Pleoger. Auch ein anderer Polizeibeamter bezeichnete das Verhalten von Chauvin im Zeugenstand als unnötig und gewalttätig.

Chauvin hatte Floyd fast 10 Minuten lang das Knie in den Nacken gedrückt, obwohl dieser klagte, er bekomme keine Luft. Die Verteidigung argumentiert, der angeklagte Polizist habe nur getan, wozu er ausgebildet wurde.

"Wenn Sie es mit einem potenziellen Verdächtigen zu tun haben und dann etwas passiert, das als neue Bedrohung wahrgenommen wird und sie wissen, dass diese Person medizinische Hilfe benötigt - Kümmern Sie sich um die medizinische Behandlung und ignorieren die Bedrohung oder kümmern Sie sich zuerst um die Gefahr und dann um die medizinische Versorgung?" fragt der Verteidiger Chauvins, Eric Nelson.

"Ich denke, Sie müssen sich um beides gleichzeitig kümmern" so der Zeuge Ploeger.

Offenbar war der 46-Jährige bereits tot, als das medizinische Team begann, ihn zu untersuchen. Darauf deuten schockierende Bodycam-Aufnahmen von George Floyds leblosem Körper im Krankenwagen und die Aussage eines Sanitäters hin:

"Bei einem Lebenden würde man einen Puls fühlen, aber da war keiner. Ich ging davon aus, dass der Patient tot ist" so der Sanitäter Derek Smith. Zu diesem Zeitpunkt habe der Polizist immer noch im Nacken von George Floyd gekniet.

Der Ersthelfer bestätigte, dass die Polizisten Floyd auch dann noch nicht losgelassen hätten, als das medizinische Team begann, ihn zu untersuchen.

Courteney Ross - die Lebensgefährtin von George Floyd - sagte vor Gericht aus, sie und ihr Partner seien von Medikamenten abhängig gewesen. Schon als sie sich kennenlernten, hätten beide unter chronischen Schmerzen gelitten: sie selbst am Nacken und George Floyd am Rücken. Sie hätten versucht, die Abhängigkeit zu überwinden - das sei ihnen aber nur zeitweise gelungen. Kurz vor seinem Tod sei Floyd rückfällig geworden.

Die Anwälte des Polizisten Derek Chauvin behaupten, George Floyd sei nicht durch Polizeigewalt zu Tode gekommen, sondern wegen gesundheitlicher Probleme und Drogenabhängigkeit gestorben.

Der Tod von George Floyd löste in den USA beispiellose Proteste der Black-Lives-Matter-Bewegung gegen Rassismus und Polizeigewalt aus.

Der Prozess soll etwa einen Monat lang dauern.

Journalist • Julika Herzog