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"Sehr beunruhigend" - Iran reichert Uran erstmals auf 60 Prozent an

Das Satellitenfoto von Planet Labs Inc. zeigt die iranische Atomanlage Natanz am Mittwoch, den 14. April 2021
Das Satellitenfoto von Planet Labs Inc. zeigt die iranische Atomanlage Natanz am Mittwoch, den 14. April 2021   -   Copyright  Planet Labs Inc./AP
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Mitten in den Wiener Gesprächen über eine Wiederbelegung des Atomabkommens meldet der Iran einen Erfolg bei der Uran-Anreicherung und damit einen weiteren Verstoß gegen seine Auflagen.

Der Iran hatte nach dem vermeintlichen israelischen Angriff auf die Atomanlage Natans damit gedroht, den Grad seiner Urananreicherung auf 60 Prozent zu erhöhen.

Nun habe das Land mit der 60-prozentigen Anreicherung begonnen, sagte ein Regierungssprecher. Das ist der höchste Reinheitsgrad, der in dem Land je angereichert wurde.

Um welche Mengen es sich handelt, ist unbekannt.

Ich bin stolz zu verkünden, dass es um 00.40 Uhr ... iranischen Wissenschaftern gelungen ist, auf 60 Prozent angereichertes Uran herzustellen.
Mohammed Kalibaf, Iranischer Parlamentspräsident auf Twitter

Parlamentspräsident Mohammed Kalibaf schrieb am Freitag auf Twitter: "Ich bin stolz zu verkünden, dass es um 00.40 Uhr ... iranischen Wissenschaftern gelungen ist, auf 60 Prozent angereichertes Uran herzustellen."

Das Uran solle für medizinische Zwecke verwendet werden, hieß es zuletzt. Um es militärisch nutzen zu können, müsste es um 90 Prozent angereichert werden. Bisher hat Teheran sein Uran auf 20 Prozent angereichert.

Das internationale Atomabkommen von 2015 sieht eine Anreicherung von weniger als vier Prozent vor.

Sprecher von Josep Borrell: "sehr beunruhigende Entwicklung"

Ein Sprecher des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell sprach am Freitag in Brüssel von einer "sehr beunruhigenden Entwicklung". Aus EU-Sicht gebe es für das Handeln keine glaubwürdige Erklärung oder nichtmilitärische Rechtfertigung, sagte er.

Die Entscheidung Teherans, sein Uran entgegen der Atomvereinbarung nun auf 60 Prozent anzureichern, ist laut der iranischen Regierung eine Reaktion auf den mutmaßlich israelischen Angriff am Sonntag auf die Atomanlage Natans. Dabei wurden laut Atom-Chef Ali Akbar Salehi zahlreiche Zentrifugen beschädigt, die aber umgehend mit neueren ersetzt werden sollen.

In der Atomanlage hatte es in der Nacht zu Sonntag einen Stromausfall gegeben. Die iranische Regierung beschuldigte Israel der Sabotage. Israel äußerte sich dazu bislang nicht.

Schlechte Aussichten für Wiener

Die Meldungen über die Urananreicherung aus Teheran werden die Spannungen zwischen dem Iran und den Unterzeichnern des Wiener Atomabkommens wahrscheinlich weiter erhöhen.

Die Weltmächte hatten zusammen mit dem Iran am Donnerstag über einen Weg verhandelt, die USA wieder in das Atomabkommen einzubeziehen und die erdrückenden Wirtschaftssanktionen aufzuheben.

Über den Verlauf der Verhandlungen hatte sich Irans oberster geistlicher Führer, Ayatollah Ali Chamenei, im staatlichen Fernsehen hoch unzufrieden ´gezeigt. "Die Angebote, die sie machen, sind oft arrogant und demütigend und keinen Blick wert", sagte der 81-jährige Chamenei in der Ansprache.

Wie wird Israel reagieren?

Der israelische Regierungsschef Benjamin Netanjahu hat immer wieder betont, niemals zuzulassen, dass Teheran eine Atomwaffe baut. Israel hat in der Vergangenheit bereits Nationen im Nahen Osten bombardiert, um deren Atomprogramme zu stoppen.

Der Iran verteidigt weiterhin, dass sein Atomprogramm ausschließlich friedlichen Zwecken dient, wie der Stromerzeugung und der medizinischen Forschung.