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Fake-Bombenalarm im Flugzeug: Festnahme nach Zwischenlandung in Minsk

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Von Euronews mit dpa
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Der in Minsk festgenommene Journalist Raman Protasevich im August 2020
Der in Minsk festgenommene Journalist Raman Protasevich im August 2020   -   Copyright  Roman Protassevitch, août 2020 (Euronewns)
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Ein belarussischer Journalist ist während eines Auslandsfluges offenbar das Opfer einer vom Geheimdienst veranlassten Entführung geworden.

Raman Protasevich war in einer Ryanair-Maschine auf dem Weg von Athen nach Vilnius in Litauen, als das Flugzeug wegen einer Bombendrohung eine nicht planmäßige Zwischenlandung in der belarussischen Hauptstadt Minsk einlegte.

Der für den Telegram-Kanal NEXTA-Live als Admininstrator tätige Protasevich wurde nach der Landung von der Polizei festgenommen.

"Entführung des Flugzeugs"

Die von Belarus international zur Fahndung ausgeschriebene Oppositionspolitikerin Swetlana Tichanowskaja erklärte, es habe sich um eine Geheimdienst-Operation und eine Entführung des Flugzeugs gehandelt. Deren Ziel sei gewesen, den Aktivisten und Blogger Raman Protasevich festzusetzen. Ihm drohe jetzt die Todesstrafe, schrieb Tichanowskaja.

Sie forderte seine sofortige Freilassung, internationale Ermittlungen und Sanktionen gegen Belarus wegen des Vorfalls. Viktor Lukaschenkos "Regime" habe auch das Leben der anderen Passagiere an Bord gefährdet.

NEXTA-Live ist dadurch bekannt geworden, dass der Kanal über die oppositionellen Proteste in Belarus im Anschluss an die umstrittene Präsidentschaftswahl vom vergangenen August berichtete.

Im November gaben belarussische Behörden bekannt, dass gegen Protasevich und einen weiteren NEXTA-Administratoren ermittelt wird.

Ihnen werde die Organisation von Massenunruhen, die Störung des sozialen Friedens und Anstiftung zum Sozialhass vorgeworfen.

Bereits im Oktober hatte ein Gericht in Minsk den NEXTA-Kive-Kanal und dessen Logo als extremistisch eingestuft und dessen Verbreitung im Internet auf belarussischem Gebiet verboten. Daraufhin änderte NEXTA-Live die Schreibweise seines Namens in kyrillisch.

Aus Angst vor Strafverfolgung hatten sich die beiden Nexta-Administratoren wie zuvor bereits Tichanowskaja ins Ausland abgesetzt, Protasevich offenbar nach Griechenland.

Litauens Präsident: "Abscheuliche Aktion"

Ein Sprecher des Flughafens in Minsk erklärte, die Information über die mutmaßliche Bombe habe sich als Fehlalarm herausgestellt. Die 123 Passagiere an Bord der Ryanair-Maschine warteten in Minsk auf ihren Weiterflug, hieß es in Medienberichten.

Litauens Präsident Gitanas Nausėda forderte über Twitter die sofortige Freilassung von Protasevich. Es handele sich um einen nie dagewesenen Vorfall. Das "Regime" von Belarus stehe hinter dieser "abscheulichen Aktion".

Die deutsche Bundesregierung verlangte von der Regierung in Belarus eine sofortige Aufklärung des Vorfalls und der Festnahme des Journalisten.