Eilmeldung
Dieser Inhalt ist in Ihrer Region nicht verfügbar

Usbekistan präsentiert sich auf der Architekturbiennale

euronews_icons_loading
Usbekistan präsentiert sich auf der Architekturbiennale
Copyright  euronews
Schriftgrösse Aa Aa

Wie leben wir in der Zukunft zusammen? Mit dieser Frage beschäftigen sich 46 Länder - darunter zum ersten Mal Usbekistan - auf der 17. Ausgabe der Architekturbiennale in Venedig.

Die 17. Ausgabe der internationalen Architekturausstellung hat im prächtigen Rahmen der Biennale in Venedig angefangen. Erstmals ist Usbekistan mit einem eigenen Pavillon vertreten.

Usbekistan will die Chance nutzen, sich als ein Land zu präsentieren, das offen ist für Innovation, kulturelle Entwicklung und die Bereitschaft, Probleme zu lösen und sie international zu diskutieren. Man will sein reiches intellektuelles und kulturelles Potenzial, das Erbe und die Geschichte des Landes präsentieren. Usbekistan will ein neues Publikum gewinnen, internationale Kontakte knüpfen - sowohl auf akademischer als auch auf kultureller Ebene.

euronews
Architekturbiennale in Venedigeuronews

Usbekistan aus einem unbekannten Blickwinkel

Das zentralasiatische Land zeigt die Ausstellung "Mahalla". Sie wurde am 20. Mai auf dem Arsenale-Gelände feierlich eingeweiht. Die höchsten Kulturautoritäten gaben eine Pressekonferenz:

"Unsere Ausstellung ist der Mahalla gewidmet, einem einzigartigen architektonischen und sozialen Phänomen. Das ist eine traditionelle Form des Gemeinschaftslebens, eine Form von Nachbarschaft und eine lokale Verwaltungsform", sagt Saida Mirziyoyeva, stellvertretende Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung für Kunst- und Kulturentwicklung des Kulturministeriums der Republik Usbekistan. "Mahalla ist unsere Geschichte. Gleichzeitig ist sie ein entscheidender Aspekt der gegenwärtigen urbanen Realität."

Weiter hieß es: "Wir präsentieren unsere Mahalla, damit kann man Usbekistan verstehen", sagt Aziz Abdukhakimov, stellvertretender Ministerpräsident und Minister für Tourismus und Sport; Vorsitzender des Organisationskomitees des Nationalen Pavillons von Usbekistan. "Denn es ist ein einzigartiges Phänomen in unserer Bevölkerung: Es ist eine Lebensart, eine Lebensweise, eine Verhaltensform des usbekischen Volkes. Das Mahalla-Phänomen kann als Vorbild für Europa dienen. Als ein Beispiel dafür, wie Menschen verschiedener Religionen, Sprachen, Kulturen sowie verschiedener Nationalitäten in Frieden und Ruhe zusammenleben und sich gegenseitig unterstützen. Wir hoffen, dass Mahalla zu einer neuen kulturellen Marke Usbekistans in der Welt wird."

Das multidisziplinäre Projekt bringt das Modell des typischen usbekischen Stadtviertels, der Mahalla, nach Venedig. Es ist nicht nur eine Wohnstruktur, sondern eine Form des Gemeinschaftslebens, strukturiert durch Rituale und Traditionen.

euronews
Mahalla - ein interdisziplinäres Projekteuronews

Leben und Architektur funktionieren nur gemeinsam

Der Pavillon zeigt ein typisches usbekisches Haus mit Hof. Die nach der Ausstellung benannte App ermöglicht eine virtuelle Reise.

"Die Mahalla lehrt uns, dass Leben und Architektur nur gemeinsam funktionieren", sagt Architekt Christoph Gantenbein. "Architektur für sich allein ist nichts und das Leben braucht eine gebaute Umgebung, es braucht einen Schutz, es braucht einen Rahmen. Diese Hofhäuser sind wunderschöne Beispiele dafür. Diese wunderbare Architektur hat sehr viel mit einer traditionellen Form des Wohnens zu tun."

Die Reduktion auf eine Metallstruktur wird durch zwölf Fotografien von Bas Princen ergänzt. Die Hintergrundmusik stammt von Carlos Casas. Sie soll den Klang des Alltags eines Mahalla-Viertels nach Venedig bringen. Mahalla ist die Antwort Usbekistans auf die Frage bzw. das Motto der diesjährigen Architekturbiennale: Wie leben wir in der Zukunft zusammen?

euronews
Der usbekische Pavilloneuronews

Das Projekt hat einen starken pädagogischen und akademischen Ansatz. Es wurde in Zusammenarbeit mit lokalen Beratern und Studenten vom Architekten-Duo Christ & Gantenbein gestaltet.

"Für uns war es sehr wichtig, Studenten miteinzubeziehen, damit sie über den Tellerrand schauen können", sagt Gayane Umerowa, geschäftsführende Direktorin der Stiftung für Kunst- und Kulturentwicklung des Kulturministeriums der Republik Usbekistan; Beauftragte für das Ausstellungsprojekt. "Im Vordergrund stand eine Zusammenarbeit, eine Art Energieaustausch. Vielleicht können sie in Zukunft Projekte zusammen gestalten. Sie können voneinander lernen."

Viele Mahallas haben keine Zukunft. Gründe dafür sind der wirtschaftliche Druck, die sich ändernden Lebensgewohnheiten sowie der Mangel an notwendiger Infrastruktur. Das Ziel dieses Projektes ist es auch, diese Zeugnisse der usbekischen Gesellschaft zu dokumentieren, bevor sie verschwinden. Roberto Cicutto, Präsident der Biennale di Venezia:

"Es ist ein sehr methodischer Ansatz: aus der Vergangenheit lernen, um die Gegenwart und die Zukunft zu gestalten. Das Projekt ist wunderschön: Diese Art von Architektur ist eine Vision, die vom Zusammenleben erzählt, sowohl aus Sicht des Wohnens als auch aus der Gemeinschaft. Es ist ein Projekt, das den Zeitgeist und die Intentionen der Biennale voll trifft."

Chefkurator der diesjährigen Architektur-Biennale ist der Architekt Hashim Sarkis. 46 Länder nehmen daran teil. Sie läuft noch bis zum 21. November 2021.