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Landwirtschaftsministerin Klöckner will "gezielten Abschuss" von Wölfen in Deutschland

Von Euronews mit AFP
Deutschland: Wölfe, gesehen im Nationalpark Bayerischer Wald (Niederbayern).
Deutschland: Wölfe, gesehen im Nationalpark Bayerischer Wald (Niederbayern).   -   Copyright  W. Bulach   -   CC BY SA 4.0 via Wikimedia Commons
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Wölfe sind in Deutschland streng geschützt - die Bestände erholen sich, nach dem die Tiere seit 2000 wieder angesiedelt wurden. Es ist auch ein Erfolg für den Artenschutz. Nicht so in den Augen der Landwirte und Nutztierhalter, denn immer wieder reißen die Tiere auch Nutztiere.

"Gezielter Abschuss" zur Bestandskontrolle?

Nun macht die deutsche Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) mitten im Wahlkampf Schlagzeilen mit ihrer Aussage, sich für einen "gezielten Abschuss" stark machen zu wollen. Ihre Partei spreche sich für ein "regionales Bestandsmanagement" ein, denn der Wolf habe in einigen Bundesländern einen "guten Erhaltungszustand" erreicht. Konkret nannte sie dabei Niedersachsen. Die CDU wolle sich zudem nicht mit den wachsenden Problemen auf dem Land abfinden.

"2019 hatten wir durch Wolfsrisse fast 3.000 tote oder verletze Nutztiere. Wo soll das enden, wenn man es einfach ließe", so Klöckner." Es gehe dabei aber keineswegs darum, den Wolf komplett auszurotten.

Erst 2019 war eine Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes ("Lex Lupus") vorgenommen worden, die unter anderem erlaubt, mit behördlicher Genehmigung Wölfe zu jagen, wenn sie im Verdacht stehen, Schafe oder andere Nutztiere gerissen zu haben. Allerdings habe diese Verschärfung des Gesetzes keine Verbesserung gebracht.

Wölfe sind streng geschützt

2019/2020 lag die Zahl der frei lebenden Wolfsrudel in Deutschland laut Bundesamt für Naturschutz bei 128, 23 Rudel mehr als 2018/2019. Die meisten Tiere leben in einem Geländestreifen, der sich zwischen der Lausitz in Ostsachsen bis nach Niedersachsen erstreckt. Die meisten der Wildtiere leben in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen - dort finden sich 98 der insgesamt 128 Rudel.

Seit der Wiederansiedlung des Wolfes in Deutschland und der wachsenden Zahl der Tiere schwelt der Streit um die Frage, ob die Schutzbemühungen aufgelockert werden sollten und eine Bejagung zur Bestandskontrolle sinnvoll ist.

In Deutschland gilt der Bestand mit 140 erwachsenen, fortpflanzungsfähigen Tieren (Stand 2017) weiterhin als gefährdet. Nach Angaben des NABU ist damit noch keine "sichere Bestandsgröße" erreicht. Sollten die Schutzmaßnahmen für die Tiere ausgesetzt werden, könnte ihnen das gleiche Schicksal wie vor 150 Jahren drohen. Nicht nur Bejagung wäre eine Bedrohung für die Tiere - Wölfe sterben immer wieder im Straßenverkehr, wenn sie versuchen, Autobahnen oder Schienen zu überqueren. Bis Ende April 2021 starben nach NABU-Angaben 43 Tiere auf deutschen Straßen, vier Wölfe wurden auf illegale Weise erlegt.

Bejagung löst das Problem nicht

Die Organisation spricht sich gegen eine Bejagung der Wölfe aus. Ein Schaden an Nutztieren könne auf diese Weise kaum verhindert werden. Denn die durch das Töten einzelner Tiere entstandene Lücke würde von anderen, zugewanderten Wölfen wieder aufgefüllt werden. Der Verein plädiert dafür, stattdessen stärkere Herdenschutzmaßnahmen umzusetzen, wie zum Beispiel durch gut geschützte Gehege mit entsprechend sicheren Elektrozäunen, die ein Eindringen der Wölfe verhindern. Der unbegrenzten Verbreitung von Wölfen sei durch den verfügbaren Lebensraum ohnehin eine Grenze gesetzt - viele Regionen bieten nicht genügend Rückzugsräume für die Tiere, die Reviere von 250 Quadratkilometern besiedeln und täglich bis zu 40 Kilometer weite Strecken zurücklegen.