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Neues Lager auf Samos: Moderner Standard oder teures Gefängnis?

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Von Apostolos Staikos
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Neues Lager auf Samos: Moderner Standard oder teures Gefängnis?
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Die Migrantinnen und Migranten versuchen sich langsam in ihrer neuen Unterkunft einzuleben. Nach jahrelangen Kontroversen und Verzögerungen wurde ein neues Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Samos eröffnet. Die Menschen wurden aus dem alten Lager hierher verlegt.

Einer von ihnen ist GuyLain Ngawuma aus der Demokratischen Republik Kongo. Sein Asylantrag war erfolgreich, der 29-Jährige darf bald nach Frankreich ausreisen. Aber er wird die vergessen, was er erlebt hat, sagt er.

"Ich war im alten Lager und es war sehr schlecht, sehr, sehr schlecht. Hier sind die Bedingungen gut. Wir haben einen Platz zum Schlafen und keine Mäuse, wie im alten Lager."

Menschenrechtsaktivisten sagen, das Lager sei nichts anderes als ein teures Gefängnis. Die griechischen Behörden weisen die Behauptung zurück.

Die Anlage liegt rund fünf Kilometer vom einstigen provisorischen Lager nahe des Ortes Vathy und von anderen Inselortschaften entfernt und ist von hohen, stacheldrahtbewehrten Zäunen umgeben. Flüchtlingsorganisationen kritisieren das Lager, das auch mit EU-Mitteln finanziert wurde.

Samos ist die erste Insel, die über ein sogenanntes "geschlossenes Zentrum mit kontrolliertem Zugang" verfügt. Weitere sind auf Lesbos und Chios geplant. Mit den neuen Flüchtlingslagern will Griechenland einen neuen Standard setzen.

Die kurdische Familie Mohammed lebt in einem Container mit einem eigenen Bad, möchte aber so bald wie möglich auf das Festland verlegt zu werden. "Das neue Lager ist gut, aber wir wollen eine Antwort, eine Entscheidung in unserem Asylverfahren. Ich möchte, dass meine Kinder ein Zuhause haben", sagt der Vater der Familie.

"Sie haben mehr verdient. Meine Tochter liebt die Schule und lernt gerne Fremdsprachen und ich möchte, dass mein Sohn eine Zukunft hat."

"Ich möchte in Griechenland bleiben. Ich möchte Griechisch lernen und richtig sprechen. Das ist nicht einfach, aber ich versuche es. Ich möchte in diesem Land bleiben, da bin ich mir sicher", sagt seine 12-jährige Tochter Raz.

Griechenand wurden wegen katastrophaler Bedingungen in seinen Lagern auf den Ägäischen Inseln stark kritisiert. Das neue Lager auf Samos soll das ändern.

Manos Logothetis, Generalsekretär für die Aufnahme von Asylbewerbern, erklärt: "Alle, die das alte Lager besucht haben, waren sich einig, dass es eine Schande für Griechenland war. Es war für 680 Menschen ausgelegt und es waren mehr als 7.000 dort. Diese Schande ist vorbei. Wir haben eine moderne Struktur gebaut, die 3.000 Menschen aufnehmen kann, im Moment sind nur 270 dort."

Weniger Flüchtlinge, bessere Lebensbedingungen und weit weg von den städtischen Zentren. Das ist das Ziel der griechischen Regierung, das im Fall von Samos Wirklichkeit geworden ist. Doch eine mögliche neue Welle von Migranten aus Afghanistan könnte die Situation ändern und Erinnerungen an 2015 wachrufen.