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Allgemeine Impfpflicht gegen Covid-19 ist "ethisch gerechtfertigt"

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Von Alexandra Leistner
Eine 6-Jährige bekommt in Raleigh, North Carolina, eine Covid-19-Schutzimpfung. In den USA ist der Impfstoff von Biontech/Pfizer für Kinder ab 5 Jahren zugelassen.
Eine 6-Jährige bekommt in Raleigh, North Carolina, eine Covid-19-Schutzimpfung. In den USA ist der Impfstoff von Biontech/Pfizer für Kinder ab 5 Jahren zugelassen.   -   Copyright  Ethan Hyman/2021, The News & Observer via AP

Tadschikistan, Turkmenistan und der Vatikan: Das sind die drei einzigen Länder, in denen alle Erwachsenen sich impfen lassen müssen. In zahlreichen anderen Ländern gibt es eine Impfpflicht, die sich nur auf bestimmte Berufsgruppen bezieht. So müssen sich in den USA Mitarbeiter:innen von Bundesbehörden und Auftragnehmer der Regierung impfen lassen. Zudem müssen wie etwa in Frankreich Angestellte im öffentlichen Gesundheitswesen eine Grundimmunisierung nachweisen.

In zahlreichen Ländern müssen zudem Personen, die im Alten- und Pflegedienst arbeiten sowie Lehrerinnen und Lehrer sich gegen Covid-19 impfen lassen.

In Deutschland hat die Politik eine generelle Impfpflicht bisher immer ausgeschlossen. Doch in den sozialen Medien teilen zahlreiche Menschen ihre Furcht vor einer möglichen Einführung. Unter dem Hashtag #Impfpflicht wurden alleine am Freitag, 5 November 2021, mehr als 11.000 Tweets abgesetzt.

Grund dafür dürfte auch eine Umfrage des ARD-DeutschlandTrend sein, nachdem sich eine Mehrheit der Deutschen - 57 Prozent - für eine allgemeine Corona-Impfpflicht ausspricht, 39 Prozent sind laut der Erhebung dagegen. Im August 2021 waren 46 Prozent für eine die Impfpflicht, 50 Prozent dagegen.

Die Vereinigung der Leiter:innen von Bioethik-Programmen in den USA und Kanada sind jetzt nach "intensiven Diskussionen" zu dem Schluss gekommen, dass eine generelle Impfpflicht aus heutiger Sicht "ethisch gerechtfertigt" ist.

In einem in der Fachzeitschrift Health Journal veröffentlichten Artikel erklären die Expert:innen der Organisation, die mehr als 90 Bioethikzentren in den USA und Kanada zusammenschließt, "dass der Verzicht auf Impfvorschriften zur Wahrung der Ideale der persönlichen und religiösen Freiheit das Risiko für andere nicht wert ist, das unter den gegenwärtigen Bedingungen entstehen würde."

Mit einer Impfpflicht würden Kinder und vorerkrankte Menschen, die sich nicht impfen lassen können, geschützt: "Es ist nichts Tyrannisches daran, eine Impfung für alle Menschen vorzuschreiben, die den Impfstoff sicher einnehmen können, damit diejenigen, die nicht geimpft werden können, ohne Angst vor einer Ansteckung mit COVID leben können."

Es sei zunächst die richtige Entscheidung gewesen, die Impfung freiwillig zu machen, so die Bioethiker:innen. Weil man durch Aufklärung und Anreize die notwendige Impfrate nicht erreicht habe, und die Entscheidung sich nicht impfen zu lassen seitens vieler Menschen zu einer Verschlimmerung der Pandemie geführt habe, sei eine Impfpflicht in einem nächsten Schritt "der am wenigsten restriktive Weg, um die Schäden durch das Virus zu minimieren".

"Leider haben öffentliche Debatten und freiwillige Maßnahmen nicht ausgereicht. Wenn Aufklärung, Ermutigung, Ansporn und sogar Anreize versagt haben und wenn die Schäden durch Ausbrüche andauern, dann ist Zwang in Form von Mandaten ethisch vertretbar."