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Was bringt die COP26 im Kampf gegen den Klimawandel?

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Von Stefan Grobe  & Euronews
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Was bringt die COP26 im Kampf gegen den Klimawandel?
Copyright  Alastair Grant/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved

TOP THEMA der Woche ist die COP26, die Klimakonferenz in Glasgow.

Die Staatenlenker der Welt müssen handeln, um „die Menschheit zu retten“ - dramatische Worte von UN-Generalsekretär Antonio Guterres zum Auftalt der COP26-Klimakonferenz diese Woche in Glasgow.

Guterres ist nicht allein. Seit Jahren schlagen Wissenschaftler Alarm.

Dazu erhöht sich der Druck der Öffentlichkeit beinahe ständig.

Klima-Aktivisten meldeten sich zu Wort – im Konferenzzentrum und außerhalb.

Greta Thunberg aus Schweden meint: "Drinnen sind nur Politiker und Menschen mit Macht, die uns weismachen, dass sie unsere Zukunft ernst nehmen und die Gegenwart ernst nehmen. Nämlich all die Menschen, die schon jetzt unter der Klima-Krise leiden. Wandel kommt nicht von denen im Saal. Das ist keine Führungsqualität. Die kommt nur von uns.“

Tja, ob die Staatenlenker dieses Mal bereit sind, zuhören, bleibt abzuwarten.

Entscheidende Akteure wie die Staatschefs Chinas und Russland ignorierten den Klimagipfel komplett.

Und es ist unklar, ob US-Präsident Biden für seine ehrgeizige Klimapolitik Unterstützung im Kongress hat.

In dieser Situation kommt der Europäischen Union langsam aber sicher die globale Führerschaft im Kampf gegen den Klimawandel zu.

Brüssel ist sich dessen bewusst und drängt andere Staaten, ihren Anteil daran zu leisten.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte: "Wir müssen uns verpflichten, die Emissionen bis 2030 zu senken. Null bis 2050 wäre gut, ist aber nicht genug. Wir müssen im laufenden Jahrzehnt wirklich handeln und zwar jetzt. Wir alle müssen den Kampf für null Emissionen beschleunigen, denn die Zeit läuft uns davon.“

Bislang hat die COP26-Konferenz respektable Ergebnisse erzielt.

So wurde etwa beschlossen, die globale Waldrohdung zu beenden und eine Wiederaufforstung vorzunehmen.

Dafür wurden mehr als 15 Milliarden Euro bereit gestellt.

Selbst Brasilien, einer der schlimmsten Verursacher, stimmte der Vereinbarung zu.

Auch verpflichteten sich die Staaten, angeführt von den USA und der EU,die Methan-Emissionen bis 2030 um 30 Prozent des aktuellen Niveaus zu senken.

Schließlich wurden konkrete Maßnahmen diskutiert, um die sogenannte Great-Green-Wall-Initiative in Afrika zu verwirklichen, einenPlan zur Pflanzung von mehr als 20 Millionen Bäumen in 11 Ländern der Sahel-Zone.

Also: zahlreiche Projekte, Pläne und Initiativen, um den Planeten zu retten.

Das ist der Moment, um mit jemandem zu sprechen, der dies alles für uns einordnen kann.

Silvia Pastorelli, politische Beraterin von Greenpeace EU, herzlich willkommen.

Stefan Grobe: Zunächst einmal, was ist ihr Gesamteindruck, wie entwickelt sich die Konferenz, ist sie auf dem richtigen Weg?

Silvia Pastorelli: Das ist eine sehr gute Frage. Wir haben in den vergangenen Tagen einige wichtige Entwicklungen gesehen. Dennoch besteht das Risiko, dass sich die Verhandlungen hinziehen und in Klima-Augenwischerei enden.

Das Risiko nämlich, dass sich die Regierungen auf Ausgleichsmaßnahmen konzentrieren.

Aber Ausgleichsmaßnahmen fördern Emissionsrückgänge nicht, sondern dienen nur der Verschleierung.

Dann besteht die Gefahr, dass die Regierungen wichtige Entscheidungen einfach aufschieben.

Stefan Grobe: Klimaschützer haben immer gesagt, dass echtes Handeln jedem Menschen große Veränderungen abverlangt – Elektroautos fahren, keine Gasheizungen mehr oder weniger Flüge in der Zukunft. Sind die Bürger dazu bereit?

Silvia Pastorelli: Eines muss klar sein: Die Klimakrise sorgt bereits für Störungen und wird das vermehrt tun, ob die Menschen bereit sind oder nicht.

Wir sehen die Waldbrände, wir sehen Dürren, tropische Stürme und mehr.

All dies wird nur noch tötlicher und intensiver werden.

Ich verstehe Ihre Frage, aber die Kosten für das Nichtstun oder zu wenig tun sind deutlich höher als die Veränderungen, die wir vornehmen müssen.

Es ist daher wichtig festzuhalten, dass am Ende der Kampf gegen den Klimawandel nicht vom individuellen Verhalten abhängt, wenn man etwa das Licht ausmacht – obwohl das wichtig ist -, sondern vom Verhalten der Regierungen.

Ob nämlich fossile Energieträger ein für allemal gestoppt werden.

Die Frage ist also, sind die Regierungen dazu bereit oder nicht.

Stefan Grobe: Was muss geschehen, damit Greenpeace COP26 einen Erfolg nennen würde?

Silvia Pastorelli: Erfolg in Glasgow würde so aussehen: Erstens brauchen wir eine Erklärung der Regierungen, dass die Ära der fossilen Brennstoffe vorbei ist und dass es künftig keinerlei Kohle-, Öl- und Gasprojekte mehr gibt.

Dann müssen wir die globalen Emissionen bis 2030 halbieren. Dazu müsse wir aktuelle Pläne für einen globalen Emissionshandel klar zurückweisen, denn dieser wird nicht funktionieren.

Und schließlich müssen die reichen Länder Solidarität mit den ungeschützten Staaten an der Frontlinie üben.

Diesen Ländern wurden Milliarden versprochen, um ihnen im Kampf gegen die Klimakrise zu helfen.

Das ist bislang nicht geschehen.

Während die Klimakonferenz weitergeht, macht der Klimawandel keine Pause.

Bangladesch,das tiefgelegene Delta-Land, ist besonders anfällig für Überflutungen und extremes Wetter.

Stürme und Flutwellen greifen die Küsten an, und die Menschen sind gezwungen ihren Lebensraum zu verlassen.

Es ist dasselbe Drama, Jahr für Jahr.

Für diejenigen, die am Wasserrand leben, gibt es kein Entkommen.

Wohin sollen sie gehen? Die Menschen im Delta haben darauf keine Antwort.

Das war's für heute, Ihnen eine angenehme Woche.