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"Zermürbt, müde und frustriert": Wie kommt Rottal-Inn auf eine Rekordinzidenz von 1140,4?

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Von Alexandra Leistner
In Bayern gilt der Katastrophenfall: Im Landkreis Rottal-Inn (hier Pfarrkirchen) kann man sich die Rekordinzidenz nicht erklären.
In Bayern gilt der Katastrophenfall: Im Landkreis Rottal-Inn (hier Pfarrkirchen) kann man sich die Rekordinzidenz nicht erklären.   -   Copyright  Matthias Schrader/Copyright 2019 The Associated Press. All rights reserved

"Man kann es nicht mehr schön reden: Die Lage ist dramatisch." Mit diesen Worten beginnt der Landrat von Rottal-Inn einen Brief an die Einwohnerinnen und Einwohner seines Landkreises, in dem er um Zusammenarbeit in der Coronavirus-Pandemie wirbt. Rottal-Inn ist in Niederbayern und hat derzeit die höchste 7-Tage-Inzidenz in ganz Deutschland. Mit 1140,4 lag der Wert am Donnerstag auch über allen im vergangenen Jahr gemessenen Inzidenzwerten. Am Freitag meldet das RKI einen neuen Rekordwert von 1156, am Montag 15.11 lag der Wert sogar bei 1262,7.

Doch warum es gerade in seinem Landkreis zu so vielen Neuansteckungen kommt, vermag auch Michael Fahmüller derzeit nicht zu sagen. "Woran dies liegt, vermögen wir derzeit nicht zu sagen, denn Ursachen und Ansteckungsgründe zu ermitteln, ist derzeit nicht mehr machbar - unsere Kontaktermittlung arbeitet täglich bis spät in die Nacht hinein, um wenigstens Betroffene sowie Kontaktpersonen in den vulnerablen Gruppen etc. zu erreichen – doch selbst das ist bei diesen Werten im Moment nur noch bedingt leistbar."

Gegenüber dem Bayerischen Rundfunk äußerte sich auch der Pressesprecher des Landkreises resigniert. Es gebe mehrere kleine Cluster, aber nicht "das eine Große", das erklären könnte, warum so viele Menschen sich anstecken.

Die Impfquote in Rottal-Inn liegt bei 53 Prozent, bundesweit sind es derzeit rund 67,3 Prozent. Warum sich so viele nicht impfen lassen wollen, darauf hat das Landratsamt keine Antwort. Möglicherweise wähnten sich die Bürgerinnen und Bürger im ländlichen Raum zu sehr in Sicherheit.

In den Kommentaren unter seinem auch auf Facebook veröffentlichten Statement, kritisieren einige die bisherige Politik des Landkreises in der Corona-Pandemie. Offenbar hat in Eggenfelden seit einer Woche ein Weihnachtsmarkt geöffnet, andere Nutzer beschwerten sich über fehlende Testkapazitäten oder dass man sich als geimpfte Kontaktperson nicht in Quarantäne begeben muss.

Fahmüller warnte eindringlich vor einer Überlastung der Krankenhäuser - das Personal in ganz Bayern sei bereits an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit. "Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind zermürbt, müde und frustriert. Ich habe eine solche Situation noch nie erlebt."

Dass Bayern jetzt zum zweiten Mal in der Pandemie den Katastrophenfall ausruft, soll bei der schnelleren Umsetzung von Maßnahmen zur Eindämmung helfen. Zudem wird die Bundeswehr den die Behörden in besonders betroffenen Landkreisen helfen. In Rottal-Inn sollen Soldat:innen beispielsweise das Landratsamt bei der Kontaktermittlung unterstützen.

Vor einer Woche hatte der Landkreis angesichts einer mindestens 80 %igen Auslastung der Intensivbetten in den Krankenhäusern verschärfte Regelungen, wie 3G+ für Gastronomie, Beherbergung und Dienstleistungen für andere Veranstaltungen galten meist 3G und oft auch 2G.

Landrat Michael Fahmüller bat Nicht-Geimpfte, noch einmal "in sich zu gehen" und über eine Impfung nachzudenken. Ja, es gebe Impfdurchbrüche, so Fahmüller, doch sei "die Zahl der Infektionen bei ungeimpften Menschen noch immer deutlich höher als bei geimpften, und insbesondere schwere Verläufe der Krankheit finden sich zu etwa 90% bei Ungeimpften".