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Zwölfmal so viele Nutztiere wie Menschen: Niederlande im Klima-Interessenskonflikt

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Von su  mit AFP, The Guardian
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Zwölfmal so viele Nutztiere wie Menschen: Niederlande im Klima-Interessenskonflikt
Copyright  Peter Dejong/AP2010

Die neue niederländische Regierung hat einen 25-Milliarden-Euro-Plan vorgestellt ("The Guardian"), um die Viehbestände und damit die Stickstoffverschmutzung (ein Treibhausgas) radikal zu reduzieren. Die erneuerte Koalitionsregierung unter dem Rechtsliberalen Mark Rutte bietet den Landwirten eine letzte Wahl: Ihre Betriebe klimafreundlicher zu gestalten oder den Job zu wechseln.

Corné de Rooij, Landwirt:

"Ich finde, Politiker sollten darauf achten, dass sie auf dem Boden bleiben und klar bedenken: was wollen wir ? Die Niederlande sind ein kleines Land, in dem wir alles wollen, und wir sollten uns wirklich fragen, ob das alles möglich ist."

Seit gut einem Jahr versucht der Staat, Landwirte mit einer Ausstiegsprämie aus der Tierproduktion herauszukaufen, um den Stickstoffausstoß zu verringern, vor allem in der Nähe von sogenannten “Natura-2000-Schutzgebieten". *

212 MILLIONEN RINDER, SCHWEINE UND HÜHNER; 17,5 MILLIONEN MENSCHEN

Die Niederlande sind ein Land mit dichtem Tierbestand - mehr als 100 Millionen Rinder, 12 Millionen Schweine und 100 Millionen Hühner bei 17,5 Millionen Menschen - und der zweitgrößte Agrarexporteur der Welt nach den Vereinigten Staaten. Die Landwirtschaft ist für 16% der niederländischen Treibhausgasemissionen verantwortlich.

Sjaak van der Tak, Vorsitzender der Bauerngewerkschaft LTO:

„Ja, wir stehen in den Startlöchern. Aber dann muss es auch so sein, dass Gesellschaft und Politik anpacken, um diesen Übergang zusammen mit den Landwirten zu ermöglichen. Gebt uns Zeit, Geld und Raum, denn ja, wir wollen die Klimawende möglich machen, zusammen mit unseren Bauern."

INTERESSENSKONFLIKTE

Wie unter dem Brennglas werden in den Niederlanden die Interessenskonflikte im Kampf gegen den Klimawandel deutlich: Enorme Bauvorhaben zur Bekämpfung der Wohnungsnot wurden in einem von Umweltverbänden angestrengten Verfahren wegen Treibhausgasemissionen vom Obersten Gerichtshof ausgesetzt.

Die Transformation des Agrarsektors soll einige dieser Bauprojekte wieder möglich machen und helfen, die Stickstoffemissionen bis 2030 zu halbieren.

* laut Umweltbundesamt "werden direkte und indirekte Emissionen unterschieden:

Die direkten Emissionen stickstoffhaltiger klimarelevanter Gase (Lachgas und Stickoxide) stammen überwiegend aus der Düngung mit mineralischen Stickstoffdüngern und organischen Materialien sowie aus der Bewirtschaftung organischer Böden. Diese Emissionen machen den Hauptanteil (rund 80 %) aus.

Quellen für indirekte Lachgas-Emissionen sind die atmosphärische ⁠Deposition⁠ von reaktiven Stickstoffverbindungen aus landwirtschaftlichen Quellen sowie die Lachgas-Emissionen aus Oberflächenabfluss und Auswaschung von gedüngten Flächen."

su mit AFP, The Guardian