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Hochaktuell, pessimistisch - der neue "Houellebecq": «Vernichten»

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Von su  mit AFP
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Hochaktuell, pessimistisch - der neue "Houellebecq": «Vernichten»
Copyright  THOMAS COEX/AFP or licensors

Frankreichs literarisches “enfant terrible” hat wieder zugeschlagen. "Anéantir" («Vernichten») heißt Michel Houellebecqs neuestes Buch. Es spielt während einer Wahl im Jahr 2027, mit Charakteren, die deutlich an aktuelle Politiker erinnern - darunter Präsident Emmanuel Macron, der diesen April im wirklichen Leben einem harten Wiederwahlkampf gewinnen will. Es werden aber auch Beziehungen angepackt, zu einem sterbenden Vater und einer entfremdeten Frau.

"«Vernichten» ist kein besonders optimistischer Roman, aber Optimismus ist das Glück der Idioten"

Leonardo Orlando, Kunde in der Pariser Buchhandlung "Ici librairie indépendante":

"Ich meine, er ist zum Einen der größte lebende französische Schriftsteller, und er ist auch der „gegenkulturelle“ Houellebecq. Er ist ein weißer heterosexueller Mann, so was brauchen wir heute, das ist echte Literatur, ehrlich, aufrichtig."

Marie, Kundin in der Pariser Buchhandlung "Ici librairie indépendante":

„Es ist seine eher pessimistische Vision, die ich voll und ganz teile und finde, dass sie völlig verlorene Charaktere porträtiert, die es schwer haben, sich in diese zu schnelle, manchmal entmaterialisierte Welt einzufügen, und das finde ich absolut faszinierend. Es tut gut, Houellebecq zu lesen.“

VOM LIEBLING DER LINKEN ....

Houellebecq war in den 1990er Jahren ein Liebling der Linken, mit seinen kompromisslosen Schilderungen der Hinterbliebenen von Globalisierung und sexueller Befreiung (in Romanen wie "Atomized" und "Platform" weltweit Anklang fanden).

In den letzten Jahren hat derselbe Pessimismus (er hat ihn als "Selbstmord der Moderne" zusammengefaßt) die Befürchtungen des rechten Flügels über den Niedergang von Nation, Kirche und Familie genauer abgebildet.

... ZUM "STREITSÜCHTIGEN ALTEN ONKEL"

"Aus einem jungen, sehr klaren Gesellschaftsautor ist Houellebecq zu einer Art streitsüchtigem altem Onkel geworden, der von seiner Zeit völlig überfordert ist", so das linke Magazin Les Inrockuptibles.

Houellebecq selbst pflegt das Bild eines depressiven Reaktionärs und weist alle großen Absichten in seinem Werk zurück.

"Im Grunde bin ich nur eine Hure. Ich schreibe für den Applaus. Nicht wegen des Geldes, sondern um geliebt und bewundert zu werden", sagte er der Zeitung "Le Monde" zwischen mehreren Gläsern Weißwein.

su mit AFP