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Russland verkündet komplette Einnahme Mariupols, außer Stahlwerk

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Von Euronews  mit AP, dpa
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Russische Soldaten kontrollieren die Straßen in Mariupol, Ukraine, 12.04.2022
Russische Soldaten kontrollieren die Straßen in Mariupol, Ukraine, 12.04.2022   -   Copyright  ALEXANDER NEMENOV/AFP or licensors

Russland hat erklärt, dass es die seit Wochen umkämpfte Stadt Mariupol im Südosten der Ukraine unter seine Kontrolle gebracht habe. Das erklärte der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu am Donnerstag bei einem mit Kremlchef Wladimir Putin im Staatsfernsehen übertragenen Treffen.

Einzig das Asowstal-Stahlwerk sei nicht in russischer Hand. "Die verbliebenen ukrainischen Kampfeinheiten haben sich auf dem Industriegelände der Fabrik Azovstal verschanzt", sagte Schoigu. Die ukrainischen Einheiten weigern sich vehement aufzugeben und ignorierten ein russisches Ultimatum zum Verlassen des Geländes durch Fluchtkorridore.

Präsident Putin hatte angeordnet, das Stahlwerk nicht zu stürmen. Ein entsprechender Befehl solle zurückgenommen werden. Allen Gefangenen werde das Leben garantiert, sagte Putin. Er sprach von einem Erfolg und der "Befreiung Mariupols". Die russischen Einheiten in Mariupol sollten mit einer Auszeichung belohnt werden.

Schoigus Worten zufolge seien die ukrainischen Kämpfer vollständig blockiert. Für eine Einnahme der Stahlfabrik rechne er mit weiteren drei bis vier Tagen.

Die Ukraine hat ihre Bereitschaft signalisiert, die Streitigkeiten in Zusammenhang mit Mariupol auf diplomatischem Wege zu lösen und die stagnierende Evakuierung von Zivilisten zu unterstützen. Zuvor war die Evakuierung von Zivilisten aus Mariupol immer wieder gescheitert.

Nach einem Treffen mit dem Präsidenten des Europäischen Rates, Charles Michel, erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, sein Land könne sich mit "maximaler Geschwindigkeit" auf einen EU-Beitritt vorbereiten.

"Ich freue mich sehr, mit vorsichtigem Optimismus sagen zu können, dass unsere Partner begonnen haben, unsere Bedürfnisse besser zu verstehen. Zu verstehen, was genau wir brauchen. Und wann genau wir es brauchen. Nicht in Wochen, nicht in einem Monat, sondern sofort. Gerade jetzt, wo Russland versucht, seine Angriffe zu verstärken", erklärte Wolodymyr Selenskyj in Kiew.

Kanadas stellvertretende Regierungschefin schrieb auf Twitter, dass man angesichts der andauernden russischen Aggression und der Kriegsverbrechen in der Ukraine nicht tatenlos zusehen werde.

Bei einem Treffen der G20 in Washington hatten die Finanzminister Großbritanniens, der USA, Kanadas und Frankreichs den Saal verlassen, als die russischen Delegierten das Wort ergriffen.

Unterdessen hieß es aus dem Kreml, dass Moskau Kiew im Rahmen von Gesprächen über ein Kriegsende einen Dokumentenentwurf mit den russischen Forderungen vorgelegt habe. Der Sprecher von Präsident Putin, Dmitri Peskow, sagte, es enthalte "absolut klare und ausführliche Formulierungen" und Russland warte auf die Antwort der Ukraine.

Die Sprecherin des russischen Außenministeriums präzisierte bei dem täglichen Briefing, dass das Papier der Ukraine am 15. April übergeben wurde. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte jedoch, er habe von einem solchen Dokument weder etwas gesehen noch gehört.

Am Mittwoch meldete das russische Verteidigungsministerium den ersten erfolgreichen Teststart der ballistischen Interkontinentalrakete Sarmat, die nach russischen Angaben nuklear bestückt werden kann. Präsident Wladimir Putin sagte, die Waffe werde die Sicherheit Russlands vor äußeren Bedrohungen gewährleisten und diejenigen, die versuchten, Russland zu bedrohen, "zweimal nachdenken" lassen.

Das russische Staatsfernsehen behauptete, es handele sich um die leistungsstärkste Rakete der Welt mit dem größten Zielbereich. Das Pentagon erklärte, Russland habe die USA informiert. Washington betrachte den Test als Routine und nicht als Bedrohung für die Vereinigten Staaten.