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Zum 1. Mal seit 20 Jahren: Euro fällt auf Parität zum US-Dollar

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Von Sigrid Ulrich  mit dpa
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Angst vor einer Energiekrise in Europa hat den Euro gegenüber dem Dollar auf den niedrigsten Wert seit 20 Jahren fallen lassen. Dazu kommen Ängste vor einer weltweiten Rezession, der beschleunigten Inflation und dem Krieg in der Ukraine. Am Dienstagvormittag notierte die europäische Währung kurzzeitig auf Parität zum US-Dollar.

Am Montag hatte die wartungsbedingte Abschaltung der Gas-Pipeline Nord Stream 1 begonnen und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hatte Zweifel geäußert, ob durch die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 nach dem geplanten Ende der Wartungsarbeiten am 21. Juli weiter Gas aus Russland nach Deutschland kommt.

Außerdem setzte auch der starke Dollar den Euro unter Druck. Am Mittwoch werden neue Inflationsdaten aus den USA erwartet. Die Finanzmärkte rechnen dort für Juni mit einem weiteren Anstieg der Teuerungsrate auf 8,8 Prozent. Dies könnte eine deutliche Zinserhöhung um 0,75 Prozentpunkte durch die US-Notenbank Fed in diesem Monat nach sich ziehen. In der Eurozone wird die Zinswende erst im Juli erwartet. Das sorgt für Auftrieb beim Dollar und belastet den Euro.

VERLIERER DER EURO-SCHWÄCHE

Die meisten Rohstoffe auf der Welt werden in US-Dollar abgerechnet. Alleine durch den Verfall des Euro gegenüber dem US-Dollar sind die Energiepreise seit Anfang des Jahres etwa um 12 Prozent gestiegen. Auch Urlaub in den USA und Waren von dort werden teurer: Software-Abonnements, Technik wie iPhones oder Macs, Streaming-Abonnements.

GEWINNER DER EURO-SCHWÄCHE

Ein schwacher, sprich in ausländischer Währung billiger Euro, bedeutet einen Schub für die Nachfrage nach Exportwaren aus dem Euro-Raum – auch wenn deren Preise durch hohe Rohstoffkosten unter Druck kommen. Besonders die sogenannten Südländer der Eurozone hatten sich jahrelang einen „billigen Euro“ gewünscht, um ihre Exportindustrien wettbewerbsfähiger zu machen.

WIE KÖNNTE ES WEITERGEHEN

Die US-Bank Goldman Sachs hat ihre Wachstumsprognosen für die Eurozone für 2023 gesenkt und rechnet in diesem Zusammenhang mit einem möglichen Rückgang des EUR/USD auf 0,96.

„Wenn der Markt unser steiles Abwärtsszenario einpreisen würde, könnte dies den EUR/USD um weitere 5 % nach unten drücken“, so Goldman Sachs.

„Insgesamt sind die Risiken in den nächsten Wochen weiter nach unten gerichtet, besonders nach der Veröffentlichung des US-Arbeitsmarktberichts, der die Fed auf dem Pfad der geldpolitischen Straffung halten und einige Befürchtungen einer bevorstehenden Rezession in den Vereinigten Staaten abbauen sollte“, so die Bank.

Psychologie spielt immer mit: Am 15. Juli 2008 hatte der Euro die Marke von 1,60 Dollar überschritten - sein Allzeithoch. Dieser Höhepunkt erklärte sich vor allem durch einen Rückgang des durch die Subprime-Krise belasteten Dollars.

Sigrid Ulrich mit dpa