Scharlach-Welle in Großbritannien: Stella-Lilly (5) ist tot

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Von Kirsten Ripper  & Euronews  mit AP, Guardian, Independent
Britische Krankenhäuser sind mit einer Welle der Streptokokken-Infektionen konfrontiert
Britische Krankenhäuser sind mit einer Welle der Streptokokken-Infektionen konfrontiert   -   Copyright  OLI SCARFF/AFP

In Großbritannien grassiert schon seit Ende November eine Welle von Streptokokken-Infektionen - und es sind schon mehr Kinder an Scharlach verstorben als in den Jahren zuvor. Auch in der EU und den USA werden derzeit mehr Fälle von Streptokokken oder Scharlach registriert. Auf Englisch wird die Krankheit "Strep A" genannt.

Jetzt trauern Familie und Freunde um Stella-Lilly aus Belfast. Die Fünfjährige ist laut dem britischen Independentdas neunte Kind, das an Streptokokken verstorben ist - das erste Todesopfer in Nordirland nach acht Kindern, die in England und in Wales nach Infektionen mit A-Streptokokken gestorben sind.

Wie THE MIRROR berichtet, hatte der Vater die Fünfjährige, weil es ihr nicht gut ging, drei Mal zum Krankenhaus gebracht. Zunächst wurde Stella-Lilly wieder nach Hause geschickt. Als der Scharlach erkannt wurde, war es zu spät. 

Ein Freund der Familie hat auf der Crowdfunding-Plattform GoFondMe eine Seite eingerichtet, um Stella-Lillys Familie nach dem Tod des fröhlichen Mädchens finanziell zu helfen.

Rechtzeitig erkannt und mit Antibiotika behandelt ist Scharlach schon nach 24 Stunden nicht mehr ansteckend.

Warum die schlimme Scharlach-Welle?

Wissenschaftlich bewiesen ist bisher nicht, was die schlimmen Scharlach-Fälle mit der Corona-Pendemie zu tun haben. Einige meinen, das Immunsystem vieler Kinder könne geschwächt sein.

Im Guardian erklärt Expertin Devi Sridhar von der Uni Ediburgh, es sei ein Mythos, dass es besser ist, sich früh anzustecken. "Das zeigte sich Anfang 2020, als "Covid-19-Partys" stattfanden, um die Sache hinter sich zu bringen. Es gibt Kinder, die dadurch gestorben sind. Die einfache Botschaft lautet, es ist besser, Krankheiten zu vermeiden, wenn es möglich ist: ob es sich um Streptokokken A, Covid-19, die saisonale Grippe, RSV oder Cholera handelt. Aber beim Zusammensein und im täglichen Leben infizieren wir uns ungewollt, und es sollte keine Schuldzuweisung an Einzelne oder eine Stigmatisierung im Zusammenhang mit Krankheiten geben."

Wer sich mit Scharlach oder Streptokokken infiziert hat, sollte sich isolieren - also Kinder auf keinen Fall in die Kita oder die Schule gehen - und möglichst niemand anders anstecken.

Wie erkennen Eltern Scharlach bei einem kranken Kind?

Das Robert-Koch-Institut erklärt, dass die Kinder zuerst unter Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, Schüttelfrost und rasch ansteigendes Fieber leiden. Möglich sind auch Bauchschmerzen und Erbrechen. Gaumen und Rachen sind rot, die Mandeln entzündet, Lymphknoten am Hals angeschwollen.

Typisch für eine Scharlach-Erkrankung ist die "Himbeerzunge": die Zunge ist erst weiß belegt, dann himbeerfarben. Als Symptome gelten auch blaue Lippen, Zunge oder Haut. 

Nach 1 bis 2 Tagen bildet sich ein nicht juckender Hautausschlag, der sich auf den ganzen Körper ausbreitet - bis auf Handinnenflächen und Fußsohlen, die sich aber später schälen.

Komplikationen werden oft beobachtet, wenn Scharlach nicht mit Antibiotika behandelt oder die Antibiotika-Therapie vorzeitig abgebrochen wird. Wegen der vielen verschiedenen Streptokokken-Typen gibt es bisher keine Impfung.

In den USA empfiehlt die Gesundheitsbehörde CDC auch Schnelltests für Streptokokken. Das Ergebnis liegt nach einem Rachenabstrich in 15 Minuten vor.