Wie ein Besuch auf dem Jerusalemer Tempelberg Öl ins Feuer des Nahost-Konflikts gießt

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Von Frank Weinert
Der Tempelberg in Jerusalem
Der Tempelberg in Jerusalem   -   Copyright  Maya Alleruzzo/AP

Der ultranationalistische israelische Minister Itamar Ben Gvir hat kurz nach dem Amtsantritt der neuen Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu den Jerusalemer Tempelberg besucht. Die Stätte, die für Juden als „Tempelberg“ und für Muslime als „Edles Heiligtum“ bekannt ist, gilt als Brennpunkt. Ben-Gvirs Besuch löste Drohungen der militanten islamischen Gruppe Hamas aus.

Die auf einem Hügel gelegene Stätte in Jerusalems Altstadt gilt als die heiligste Stätte des Judentums und die drittheiligste des Islam und ist das emotionale Epizentrum des jahrzehntelangen israelisch-palästinensischen Konflikts.

Ben Gwir twitterte: „Die israelische Regierung, der ich angehöre, wird nicht vor einer mörderischen Organisation kapitulieren. Der Tempelberg steht allen offen, und wenn die Hamas denkt, dass sie mich mit Drohungen abschrecken kann, dann sollten sie verstehen, dass sich die Zeiten geändert haben.“

Oppositionsführer Yair Lapid zeigte sich besorgt: „Ja, die Sicherheitskräfte halten den Besuch für einen gefährlichen Schritt. Nicht von ungefähr vermeiden Minister den Besuch seit vielen Jahren – vor allem der Minister, der für das Ministerium für nationale Sicherheit zuständig ist.“

Ben-Gvir fordert seit langem einen besseren jüdischen Zugang zu der heiligen Stätte, was von den Palästinensern als Provokation und als Versuch einer vollständigen Kontrolle Israels über die Anlage angesehen wird. Die meisten Rabbiner verbieten Juden das Beten an der Stätte. In den letzten Jahren hat es jedoch eine wachsende Bewegung von Juden gegeben, die Gebete dort unterstützen.

Ben-Gvir ist Vorsitzender der rechtsextremen religiösen Fraktion „Jüdische Kraft“ und ist für seine hetzerischen Äußerungen und Aktionen gegen Palästinenser bekannt.