Frei nach 6 Monaten Kampf: "Trinkt nicht zu viel, vergewaltigt keine Frauen"

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Von Euronews  mit AFP
Jewgeni Prigoschin empfängt Strafgefangene, die in der Ukraine waren, zurück in Russland
Jewgeni Prigoschin empfängt Strafgefangene, die in der Ukraine waren, zurück in Russland   -   Copyright  AFP

Zum ersten Mal seit Beginn des Krieges in der Ukraine hat der Chef der Wagner-Gruppe, die für Russland Soldaten in den Krieg schickt, offiziell Ex-Häftlingen für ihren Einsatz gedankt - und sie in die Freiheit entlassen.

In einem von der russischen Nachrichtenagentur Ria Novosti veröffentlichten Video, dankte Jewgeni Prigoschin, Unternehmer, Putin-Freund und Chef der Wagner-Truppe, den Männern für ihren Einsatz: "Sie haben bis zum Ende Ihres Vertrags gearbeitet. Sie haben ehrenhaft und mit Würde gearbeitet".

Die russische Gesellschaft forderte er auf, die Männer, die sechs Monate in der Ukraine gekämpft haben, mit dem "größten Respekt" zu begegnen. Mitte September war ein Mann, bei dem es sich um Prigoschin handelt, in einem Video aufgetaucht, in dem er Häftlingen die Straffreiheit verspricht, wenn sie ihre Arbeit in der Ukraine tun. Wer es sich in der Ukraine anders überlege und desertiere, werde dagegen getötet.

Einen Ratschlag gab Prigoschin, der selbst seine Erfahrung in russischen Gefängnissen gesammelt hat, den begnadigten Sträflingen noch auf den Weg: "Trinkt nicht zu viel, nehmt keine Drogen, vergewaltigt keine Frauen, macht keine Dummheiten."

Unter den in russischen Gefängnissen rekrutierten Personen sollen auch Schwerstverbrecher sein. Am 1. Januar berichtete das amerikanische Institut für Kriegsstudien (Institute of the Study of War ISW), dass sechs Wagner-Rekruten aus einem Trainingslager in der Region Luhansk entkommen konnten.

Die Männer seien bewaffnet und gefährlich, Bewohner:innen der Stadt Rostow am Don, wo man sie nach der Flucht vermutete, wurden gebeten, wachsam zu sein und auf Personen in Militärkleidung zu achten.

Die Kämpfer der Wagner-Gruppe stehen unter anderem an vorderster Front im Kampf um Bakhmut, einer Stadt, die die russischen Streitkräfte seit dem Sommer erfolglos einzunehmen versuchen und die auf beiden Seiten zu einem Schauplatz schwerer Verluste und Zerstörungen geworden ist.

Auch schon vor dem Konflikt in der Ukraine sollen Wagner-Söldner in Syrien, Libyen und mehreren afrikanischen Ländern gekämpft haben.

Prigoschin ist Betreiber des Gastronomieunternehmen Konkord und wird auch als "Putins Koch" bezeichnet, weil er den Catering-Service des Kreml betreibt. Jahrelang hatte es Spekulationen um ihn als Chef der privaten russischen Söldner-Truppe PMC Wagner Group gegeben. Ende September bestätigte er dann überraschend, dass er das Militärunternehmen 2014 gründete.

Prigoschin gilt als mächtiger Mann in Russland. Er hat selbst viele Jahre im Gefängnis gesessen - das erste Mal mit 18 Jahren wegen Diebstahls.

AP/Copyright 2022 The AP. All rights reserved.
Prigoschin bei der Trauerfeier für einen in der Ukraine gefallenen Wagner-Söldner Ende Dezember 2022AP/Copyright 2022 The AP. All rights reserved.