Marder, Puma, Leopard: Alles was man über die verschiedenen Panzer (auf die Schnelle) wissen muss

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Von Alexandra Leistner
Zwei Panzer vom Typ Leopard 2A6 und ein Schützenpanzer Puma während einer Übung in Münster, Dezember 2018.
Zwei Panzer vom Typ Leopard 2A6 und ein Schützenpanzer Puma während einer Übung in Münster, Dezember 2018.   -  Copyright  Philipp Schulze/dpa via AP

Seit Russland in die Ukraine Ende Februar 2022 einmarschiert ist, fordert die Regierung in Kiew Waffen und Militärgerät vom Westen, um sich in dem Angriffskrieg verteidigen zu können. 

Russland war zuletzt das Land mit der größten Kampfpanzerflotte weltweit, wie aus Zahlen von Statista hervorgeht. Deutschland liegt bei der Erhebung aus dem Jahr 2022 auf Platz 55. Und dennoch verfügt Deutschland über eine große Flotte von Panzern für unterschiedliche Einsatzzwecke.

In den vergangenen Wochen waren sowohl der Puma als auch der Leopard medial besonders präsent. Letzteren sowie andere Panzer westlicher Bauart hätte die Ukraine gerne von Deutschland (und anderen Ländern). Am 5. Januar 2023 entschied die Bundesregierung nach längerem Zögern und Vorlage aus Frankreich, Schützenpanzer des Typs Marder an Kiew zu liefern.

Als Laie bzw. Nicht-Militär-Expertin kann man bei diesen vielen Bezeichnungen und Tiernamen schnell den Überblick verlieren. Wie unterscheiden sich die Panzer und wozu dienen sie im Krieg? Eine kurze Übersicht.

Vier Kategorien helfen bei der Unterscheidung

Grob kann man Panzer in vier Kategorien einteilen: Kampfpanzer, Schützenpanzer, Transportpanzer und Spezialpanzer (darunter Spähpanzer).

Moritz Frankenberg/dpa via AP
Bundeskanzler Olaf Scholz spricht zu Bundeswehr-Mitgliedern vor einem Leopard-Panzer in Ostenholz, 17. Oktober 2022.Moritz Frankenberg/dpa via AP

Kampfpanzer: Leopard 2, Leclerc, M1 Abrams

Was die Ukraine eigenen Angaben sowie Experten zufolge am dringendsten benötigt, sind Kampfpanzer - auf Englisch main battle tanks MBT. Sie gelten als durchsetzungsstärkste und am besten gepanzerte Fahrzeuge auf dem Schlachtfeld.

Laut wissenschaftlichem Dienst des Bundestags, der im Juli 2022 einen Sachstand zum Thema Panzer veröffentlichte, mit dem Ziel unterschiedliche Panzerarten zu differenzieren, gibt es unterschiedliche Definitionen des "Kampfpanzers".

Festzuhalten ist aber, dass ein Kampfpanzer ein gepanzertes Kampffahrzeug mit Eigenantrieb und hoher Feuerkraft ist, das über eine Panzerkanone mit hoher Mündungsgeschwindigkeit verfügt und eine große Geländegängigkeit sowie einen hohen Grad an Selbstschutz aufweist.

Zudem muss das Leergewicht des Kampfpanzer laut OSZE mindestens 16,5 metrische Tonnen betragen und das Fahrzeug ist mit einer um 360 Grad seitlich schwenkbaren Kanone mit einem Mindestkaliber von 75 Millimetern ausgerüstet.

Beispiele von Kampfpanzern sind der Leopard 2 des deutschen Rüstungsunternehmens Krauss-Maffei Wegmann, der US-amerikanische M1 Abrams, der britische Challenger 2, der französische Leclerc, der israelische Merkava IV, die russischen T-72, T-80 oder T-904 sowie der chinesische Typ 99.

Schützenpanzer auch IFV (Infantry Fighting Vehicle): Marder und Puma

Anders als der Kampfpanzer dient der Schützenpanzer in erster Linie dem Transport (und teilweise Feuerunterstützung) einer Infanteriegruppe. Schützenpanzer, wie sie heute in den aktuellen Beständen vorkommen, sind fast so stark wie der Kampfpanzer geschützt und mit einer wirksamen Bewaffnung (meist eine leichte Kanone und immer öfter mit panzerbrechenden Lenkflugwaffen) ausgerüstet. 

Zu Modellen der Schützenpanzer der Bundeswehr zählen Marder und Puma, wobei der Puma um 4,5 Tonnen schwerer ist. 

Mitte Dezember wurde bekannt, dass die Puma, die Deutschland für den NATO-Einsatz bereitstellen wollte, alle bei Übungen einen (elektrotechnischen) Totalausfall erlitten. Daraufhin wurden weitere Bestellungen vorerst ausgesetzt.

Martin Meissner/AP
NRW-Ministerpräsident Hendrick Wüst steigt bei einem Besuch in der Bundeswehr-Kaserne in Augustdorf aus einem Puma-Panzer der Bundeswehr. 30. März 2022Martin Meissner/AP

Transportpanzer oder auch APC (Armoured Personnel Carrier): Fuchs und Boxer

Transportpanzer (oder auch gepanzerter Mannschaftstransportwagen MTW) sind zwar genau wie Schützenpanzer für den Transport einer Infanteriegruppe konstruiert  - allerdings waffentechnisch leichter ausgerüstet.

In Transportpanzern findet sich mehr Platz für Infanteristen, Verletzte oder Munition. Schutz bieten sie nur gegen leichte und mittlere Infanteriewaffen.

Die Bundeswehr nutzt die Modelle Fuchs und Boxer GTfz50 (Gruppentransportfahrzeug).

Marcus Brandt/AP via dpa
Bundeskanzler Olaf Scholz klettert auf einen Gepard-Flugabwehrpanzer, während er ein Trainingsprogramm für ukrainische Soldaten in Putlos besucht. 25.08.2022Marcus Brandt/AP via dpa

Spezialisierte Panzer

Die meisten oben nicht aufgelisteten Panzerarten fallen unter die Kategorie spezialisierter Panzer. Sie erfüllen laut wissenschaftlichem Dienst des Bundestag auf dem Schlachtfeld Sonderaufträge

Die von Frankreich zugesagten AMX-10 RC sind zwar schwerer bewaffnet als Schützenpanzer der Serie, werden als Spähpanzer aber hauptsächlich zur Aufklärung eingesetzt.

Andere Beispiele sind Bergepanzer, Brückenlegepanzer, Infanteriepanzer, Flugabwehrkanonenpanzer (Bundeswehr nutzt Typ Gepard), Jagdpanzer, Minenräumpanzer. Die meisten kommen kaum noch zum Einsatz.

Weitere Quellen • Bundestag