Giftanschlag in NRW vereitelt? Haftbefehle gegen zwei Brüder beantragt

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Von euronews  mit dpa
Der Verdächtige soll einen Giftanschlag vorbereitet haben
Der Verdächtige soll einen Giftanschlag vorbereitet haben   -   Copyright  Karsten Wickern/dpa

Nach dem Terrorverdacht in Ruhrgebiet haben die Ermittler eine erste Entwarnung für die Anwohner gegeben. Bei der Durchsuchung wegen eines möglicherweise geplanten Anschlags wurden in der Wohnung des Verdächtigen keine Giftstoffe gefunden. Das sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf. Die Behörde erließ an diesem Sontagabend Haftbefehle gegen zwei Iraner im Alter von 32 und 25 Jahren beantragt.

Nach Überzeugung der Behörde wollten die Brüder Giftstoffe für einen islamistisch motivierten Anschlag beschaffen.

Die Fahnder hatten in der Nacht zum Sonntag die Wohnung des 32-jährigen Mannes in Castrop-Rauxel durchsucht. Es besteht der Verdacht, dass der Mann sich die Giftstoffe Cyanid und Rizin besorgt hat. Er wurde gemeinsam mit seinem Bruder festgenommen. Unklar ist, wie weit die Anschlagspläne fortgeschritten waren und ob es schon ein konkretes Anschlagsziel gab. 

Wegen der Sorge, dass sich for Ort biologische oder chemische Giftstoffe befinden könnten, waren laut einem Bericht der "Bild" auch Mitarbeiter des Robert Koch-Instituts als Berater vor Ort. Auch mehrere Mitarbeiter des Bundeskriminalamtes (BKA) und ein Entschärfer-Kommando seien im Einsatz gewesen. Das BKA wollte sich nicht zu dem Einsatz äußern und verwies auf die Generalstaatsanwaltschaft.

Anschlag hätte viele Opfer gefordert

Das hochgiftige Rizin gilt als "Biologische Waffe", Cyanid ist ebenfalls hochgiftig, bereits kleinste Mengen wirken bei Menschen tödlich. Ein Beispiel für die Gefährlichkeit von Rizin lieferte ein Fall vor vier Jahren in Köln: Ein Tunesier und seine deutsche Frau hatten die Chemikalie hergestellt und Testexplosionen ausgelöst. Ein ausländischer Geheimdienst schöpfte wegen der Online-Käufe großer Mengen Rizinus-Samen Verdacht und gab einen Tipp. Beide wurden zu langen Haftstrafen verurteilt. Ein Gutachten ergab: Rein rechnerisch hätten durch die Giftmenge 13 500 Menschen sterben können. Bei der geplanten Verbreitung durch eine mit Stahlkugeln gespickten Streubombe wären es etwa 200 Tote gewesen.

Bei den Ermittlungen im Ruhrgebiet jetzt schlugen die Fahnder gegen Mitternacht zu. Der Einsatzort wurde weiträumig abgesperrt. Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte waren mit einem Großaufgebot vor Ort. 

"Der Beschuldigte ist verdächtig, eine schwere staatsgefährdende Gewalttat vorbereitet zu haben", teilten die Ermittler mit. «Die Durchsuchung dient der Auffindung entsprechender Giftstoffe und anderer Beweismittel." Ob der 32-Jährige einem Haftrichter vorgeführt werde, sei noch nicht entschieden.    

Der entscheidende Hinweis auf die Aktivitäten des Brüderpaares kam von einer Sicherheitsbehörde in den USA.

Die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf erklärte, man habe den Hinweis auf den 32-Jährigen am Samstag bekommen und sei zu dem Schluss gekommen, dass unmittelbar ein Durchsuchungsbeschluss erwirkt und vollstreckt werden müsse.