Putin gratuliert Wagner-Söldnern zur Eroberung von Bachmut

Der Chef der Wagner-Gruppe, Jewgeni Prigoschin, mit russischer Flagge in Bachmut.
Der Chef der Wagner-Gruppe, Jewgeni Prigoschin, mit russischer Flagge in Bachmut.   -  Copyright  AP/PRIGOZHIN PRESS SERVICE
Von euronews  mit dpa

Die Stadt Bachmut im Osten der Ukraine ist Schauplatz der bisher blutigsten Schlacht im russischen Angriffskrieg. Nun soll sie von Russland erobert worden sein.

Russland hat die monatelange Schlacht um Bachmut für entschieden erklärt, Die Stadt im Osten der Ukraine sei erobert, die Privatarmee Wagner habe die Stadt mithilfe der Artillerie- und Luftunterstützung unter Kontrolle gebracht, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau Jewgeni Prigoschin, Chef der Wagner-Gruppe, sagte: "Bis 25. Mai werden wir die Stadt komplett durchsuchen, die nötigen Verteidigungslinien aufbauen und es an das Militär übergeben. Wir selbst gehen in Feldlager."

Die Ukraine widerspricht dieser Darstellung. Am Rande des G7-Gipfels in Japan sagte der ukrainische Präsident Selenskyj, die Stadt sei - Stand heute - nicht von der Russischen Föderation besetzt. 

Die Schlacht um Bachmut gilt als längste und verlustreichste des russischen Angriffskriegs. Vor dem Krieg hatte die Stadt noch 70 000 Einwohner, inzwischen liegt sie weitgehend in Trümmern. Die Ukraine gab Bachmut trotzdem nicht verloren, um einen Durchbruch der russischen Truppen weiter ins Landesinnere zu verhindern.

Auf jeden Fall ein symbolischer Erfolg

Ganz anders die ukrainische Seite: Der Sprecher der ukrainischen Armeegruppe Ost, Serhij Tscherewatyj, sagte im Radio in Kiew, Bachmut sei nicht erobert. Vielmehr seien Prigoschins Truppen am Ende und wollten aufgeben: Sie müssten befürchten, eingekesselt zu werden von den ukrainischen Verteidigern, sagte Tscherewatyj.

Das US-Institut für Kriegsstudien (ISW) mit Sitz in Washington teilte mit, es handele sich allenfalls um einen symbolischen Erfolg Prigoschins, wenn seine Darstellung denn stimme. Strategisch habe Bachmut keinen Nutzen, die ukrainischen Truppen setzten zudem die nördlichen und südlichen Flanken der Stadt unter Druck. 

In der Tat ist die strategische Bedeutung der Stadt noch ungewiss. Ein Sieg der russischen Seite wäre aber nichtsdestotrotz ein wichtiger Erfolg. Bachmut ist der Hauptteil der nach der russischen Eroberung von Sjewjerodonezk und Lyssytschansk etablierten Verteidigungslinie zwischen den Städten Siwersk und Bachmut im Donezker Gebiet. Sollte die Stadt tatsächlich an die Besatzer gefallen sein, würde sich für die russischen Truppen der Weg zu den Großstädten Slowjansk und Kramatorsk eröffnen. Damit würde eine von Russland geplante vollständige Eroberung des Donezker Gebiets näherrücken.

Am Samstag hatte der Chef der Wagner-Truppen in Uniform und mit der russischen Flagge in der Hand die Eroberung von Bachmut verkündet. Zugleich kritisierte er einmal mehr die russische Militärführung: "Wir haben nicht nur mit den Streitkräften der Ukraine gekämpft, sondern auch mit der russischen Bürokratie, die uns Knüppel zwischen die Beine geworfen hat", sagte Prigoschin in einem Video. Verteidigungsminister Sergej Schoigu und Generalstabschef Waleri Gerassimow hätten den "Krieg zu ihrem persönlichen Vergnügen" gemacht. Ihre Launen und die Militärbürokratie hätten dazu geführt, "dass fünf Mal so viele Soldaten gestorben sind wie hätten sterben müssen."

Bei Präsident Putin bedankte er sich hingegen dafür, dass dieser den Wagner-Kämpfern Gelegenheit gegeben habe, für Russland zu kämpfen. Das sei eine "große Ehre" gewesen, betonte Prigoschin, der als enger Vertrauter Putins gilt. Die Wagner-Truppe habe der "zerzausten russischen Armee geholfen, wieder zu sich zu finden". 

Putin gratuliert Wagner-Söldnern

Kremlchef Wladimir Putin sprach den Wagner-Truppen und der russischen Armee Glückwünsche aus. Die russischen Streitkräfte hätten Wagner den nötigen Schutz an den Flanken garantiert, sagte Putin nach Angaben seines Pressedienstes. "Alle herausragenden Kämpfer werden mit staatlichen Auszeichnungen geehrt."

Prigoschin hatte für den Kampf in Bachmut auch verurteilte Straftäter in russischen Gefängnissen angeworben. Er sagte, dass 23 Mal mehr Personal und 27 Mal mehr Munition nötig gewesen wären, um die Stadt schneller einzunehmen. Prigoschin erinnerte auch an die vielen Gefallenen, ohne Zahlen zu nennen. Wegen der auf beiden Seiten hohen Verluste hatte der Söldnerchef die Schlacht um Bachmut als "Fleischwolf" bezeichnet.

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