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Stromvollversorgung in Berlin zurück, doch Bundeswehr verteilt weiter Essen

In Kürze soll in ganz Berlin wieder Strom fließen.
In Kürze soll in ganz Berlin wieder Strom fließen. Copyright  (c) Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
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Von Franziska Müller
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Die Stromversorgung im Südwesten der Stadt ist wieder angelaufen. "Ein guter Tag" laut Regierendem Bürgermeister Wegner. Doch bis die Wohnungen zehntausender Berliner wieder warm sind, könnte es noch dauern.

Nach fünf Tagen Ausfall sollen heute wieder alle Menschen im Berliner Südwesten ans Stromnetz angeschlossen werden. "Heute ist ein guter Tag", erklärt der Regierende Bürgermeister Berlins, Kai Wegner (CDU). Die erneute Stromversorgung sei eine große Erleichterung.

"Ich freue mich wahnsinnig, dass wir eineinhalb Tage schneller sind als angekündigt", sagt Wegner weiter, rund zwei Stunden nachdem die ersten Lichter in Steglitz-Zehlendorf wieder leuchten dürften. Der Stromnetzbetreiber kam mit den Reparaturarbeiten nach dem Brandanschlag schneller voran als bisher angenommen. Wegner bedankte sich beim Netzbetreiber und den Mitarbeitern für die "großartige" Arbeit.

Gegen 9 Uhr morgens wurde klar, dass das Stromnetz ab 11.00 Uhr wieder schrittweise hochgefahren werden kann. Das hatte auch der Regierende Bürgermeister auf der Plattform X verkündet.

Wegner sagte weiter, dass aufgrund der Arbeiten an zwei Standorten gleichzeitig eine schnellere Reparatur möglich war und bedankte sich bei den Beteiligten. "Wir werden aus dieser Lage die notwendigen Schlüsse ziehen und die Resilienzstruktur Berlins weiter verbessern", schloss er.

"Wir werden jetzt nochmal schauen, wie wir sehr kurzfristig die Orte, die angreifbar sind in der kritischen Infrastruktur, besser absichern können", sagte Wegner einerseits. Andererseits werde der Vorfall in Berlin im Austausch mit den Ministerpräsidenten der anderen Länder sowie der Bundesregierung als Präzedenzfall gelten und die Vorbereitung landesübergreifend verbessern.

Warnmeldung: Stromversorgung wird wiederhergestellt

Der Berliner Senat hat über das Cell Broadcastsystems des Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BBK) deshalb eine Warnung an alle Berliner herausgeschickt.

Diese wurde unter anderem über das Notfallsystem an alle Handys versendet. Die Senatsverwaltung für Inneres und Sport gibt darin Hinweise zum Umgang mit elektronischen Geräten.

Eine Warnmeldung des Berliner Senats sorgt für Verwirrung in der Bevölkerung.
Eine Warnmeldung des Berliner Senats sorgt für Verwirrung in der Bevölkerung. Foto: Privat / Screenshot Warnmeldung

"Es war wichtig, weil private Stromaggregate [...] vor der Rückkehr des Stroms unbedingt vom Netz genommen werden musste. Sonst hätte das zu Schäden in privaten Generatoren und möglicherweise Haushalten geführt", erklärte Innensenatorin Ines Spranger (SPD) während der Pressekonferenz am Mittwoch.

Außerdem kann es im gesamten Großraum Berlin zu kurzen Stromunterbrechungen kommen. Die Senatsverwaltung für Inneres weist auch darauf hin, dass der Gebrauch von Geräten, die einen hohen Stromverbrauch haben, vorerst möglichst vermieden werden soll. Dazu zählen beispielsweise Waschmaschinen, Trockner, Wasserkocher, Heizlüfter und E-Auto-Ladestationen.

Großschadenslage noch nicht beendet

"Berlin befindet sich weiter in der Großschadenslage", betont Innensenatorin Spranger jedoch weiter. "Sie ist erst beendet, wenn ich das offiziell bekannt gebe." Denn trotz des Wiederaufbaus des Stromnetzes ist die langfristige Sicherheit noch nicht ausreichend abgesichert.

Alle Krisenstäbe bleiben deshalb erhalten. Darüber hinaus bleiben die Notstromaggregate nach Informationen der Wirtschaftssenatorin Giffey zunächst noch angeschlossen. "Aus Sicherheitsgründen und um das Netz zu entlasten", begründet Giffey.Erst, wenn die zweite Baustelle auf Höhe der Argentinischen Allee - neben der an der Brücke über den Teltowkanal - abgeschlossen werden kann, werden die Notstromaggregate schrittweise zurückgebaut.

Am Teltowkanal sind alle Testläufe der Stromnetz Berlin geglückt. "Sonst hätten wir zurückgreifen müssen auf die Baustelle ander Argentinischen Allee, dann hätte es länger gedauert", erklärte Giffey. Die Baustelle der Argentinischen Allee dauert länger, weil die Reparaturarbeiten unter anderen Bedingungen stattfinden müssen. Voraussichtlich könnten sie am Wochenende abgeschlossen werden.

Der Geschäftsführer von Stromnetz Berlin, Bernd Büllmann, aber auch Spranger und die Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) betonen, in Zukunft alle neuralgischen Punkte des Stomnetzes videoüberwachen zu wollen. Das sei aufgrund des öffentlichen Interesses an dieser Infrastruktur gesetzlich möglich und lasse sich über dem Datenschutz priorisieren.

Ermittlungen: Distanzierungsschreiben mache Tat nicht ungeschehen

Am gestrigen Dienstag hat der Generalbundesanwalt die Ermittlungen an sich genommen. "Wir sprechen von einem linksextremistischen Terroranschlag, der hochkonspirativ vorbereitet und mit kriminieller Energie ausgeführt wurde", erklärte Innensenatorin Spranger.

Die Handlung der Täter sei menschenverachtend gewesen. Eine 83-jährige Frau ist während des Stromausfalls im betroffenen Gebiet in Berlin gestorben. Ein Angehöriger habe die Frau am Dienstagabend leblos in ihrer Wohnung gefunden, sagte Polizei-Vizepräsident Marco Langner bei der Pressekonferenz im Roten Rathaus. Im Rettungswagen sei vergeblich versucht worden, sie wiederzubeleben. Ob die Ursache mit einem Sturz oder dem Gesundheitszustand der Verstorbenen zusammenhängt, ist noch nicht endgültig geklärt.

Es obliege nun auch dem Verfassungsschutz und dem Generalbundesanwalt die Bewertung des neu erschienenen Schreibens, die "Vulkangruppe" würde sich distanzieren.

"Nach Einschätzung der Berliner Sicherheitsbehörden spricht diese Distanzierung nicht gegen einen linksextremistischen Täterkreis", so Spranger weiter. Distanzierungsversuche anonymer Täter im Netz würden die Tat nicht ungeschehen machen können. Die Sicherheitsbehörden arbeiten daher mit höchster Dringlichkeit an einer Aufklärung.

Bezirksbürgermeisterin: "Noch sind die Häuser nicht warm"

Auch die Bezirksbürgermeisterin Maren Schellenberg (Die Grünen) spricht sich erleichtert aus. Sie mahnt allerdings an: "Es ist erstmal ein Zwischenstand". Denn die Häuser und Wohnungen seien noch nicht warm und das würde auch noch eine Weile dauern.

Auch Giffey erklärte, es gebe nun Merkblätter und Ansprechstellen für Probleme im Zusammenhang mit Heizung und Wärme. Durch das Auskühlen kann es durchaus zu Rohrbrüchen gekommen sein, sagte auch der Landesbranddirektor Karsten Homrighausen bereits am Dienstag. Deshalb müssen die Systeme langsam hochgefahren werden. Hinweise der Sanitär Heizung Klima Innung (SHK) zum Umgang mit Heizungen, die über die vergangenen Tage ausgekühlt sind, sind über ein Merkblatt verfügbar.

"Wir haben beschlosen, die Anlaufstellen weiter offen zu halten", reagierte Schellenberg. So können die Menschen am Nachmittag erneut eine warme Mahlzeit von der Bundeswehr erhalten und sich auch weiter an den bereits bekannten Anlaufstellen aufwärmen, bis die Wohnräume wieder beheizt sind. Die Polizei teilte die Orte für die Essensausgabe auf der Plattform X.

Demnach können Betroffene an sieben Stellen auf die Bundeswehr treffen. Zu den Notübernachtungen sagte Schellenberg, werde eine Entscheidung erst im Laufe des Abends fallen. Möglicherweise werden nicht mehr alle Angebote der vergangenen Tage offen gehalten, doch alle Bedürftigen würden eine Möglichkeit der Übernachtung finden.

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