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Brandanschlag auf Berliner Stromnetz: War es nun die "Vulkangruppe" oder nicht?

Die linksextremistische Vulkangruppe bekräftigt nach Russland-Spekulationen, sie stehe hinter dem Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz.
Die linksextremistische Vulkangruppe bekräftigt nach Russland-Spekulationen, sie stehe hinter dem Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz. Copyright  (c) Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
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Von Franziska Müller
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Es ist das dritte Schreiben, das in kürzester Zeit im Namen der "Vulkangruppe" erscheint. Immer auf linken Portalen: einmal bestärken sie ihre Verantwortung, einmal distanzieren sie sich vom Brandanschlag. Die Echtheit der Schreiben ist noch nicht bestätigt.

Am fünften Tag nach dem Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz überschlagen sich die Ereignisse. So ist am späten Dienstagabend ein zweites mutmaßliches Bekennerschreiben aufgetaucht, in dem die linksextremistische "Vulkangruppe" sich eindeutig zu dem Anschlag bekennt, der rund 45.000 Menschen für mehrere Tage vom Strom abgetrennt hatte.

Nun wurde am frühen Mittwochmorgen ein weiteres Schreiben auf einer anderen linksextremen Plattform veröffentlicht, indem sich die "Vulkangruppe" von dieser Aktion distanziert. Weiter noch, sie wollen sich von "allen Aktionen der letzten Jahre, die unter unserem Namen oder mit Bezug auf uns durchgeführt wurden", ausdrücklich distanzieren.

Indes soll die Wiederversorgung des Stromnetzes noch heute gestartet werden. Demnach dürften auch die verbliebenen 19.900 Haushalte wieder mit Strom versorgt werden. Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner (CDU), hatte auf X angekündigt, dass ab 11.00 Uhr mit Schritten der Wiederversorgung zu rechnen ist.

Drei Schreiben im Namen der "Vulkangruppe"

Zu dem Anschlag hatte sich die linksextremistische "Vulkangruppe" bekannt, indem sie am Sonntag ein Schreiben an verschiedene Medien schickte. Das wurde anschließend auf dem linken Portal "knack.news" veröffentlicht. Zunächst wurde an der Authentizität des Bekennerschreibens gezweifelt, dann schätzten Landeskriminalamt, Bundeskriminalamt sowie der Verfassungsschutz es als "glaubhaft" ein.

Behauptungen, es wurde ursprünglich in kyrillisch verfasst und mithilfe von Künstlicher Intelligenz übersetzt und somit Teil einer hybriden Bedrohung durch Russland sein, wurden nicht bestätigt. Am späten Dienstagabend wurde im Namen der "Vulkangruppe" in einem weiteren Schreiben bekräftigt, sie stehe selbst hinter dem Brandanschlag.

"Diese Spekulationen sind nichts weiter als der Versuch, die eigene Ohnmacht zu kaschieren", heißt es in dem Text auf dem linken Portal "Knack.news". Dass Menschen hier vor Ort in der Lage seien, Infrastruktur anzugreifen, passe nicht ins Sicherheitsnarrativ von Politik und Behörden, lautet es in diesem Schreiben weiter.

Die linksextreme Gruppe wirft der Regierung vor, aus Bequemlichkeit die Debatte verschieben zu wollen. "Wer nun behauptet, hinter jeder Form von Sabotage müsse zwangsläufig ein fremder Geheimdienst stehen, verweigert sich der Realität gesellschaftlicher Konflikte im Inneren", schreiben die Linksextremisten. Ihre erste Erklärung sei bewusst missverstanden oder verzerrt worden.

Ob der neue Text tatsächlich von der "Vulkangruppe" stammt, lässt sich nicht unabhängig überprüfen und wurde bisher noch nicht von den zuständigen Behörden eingeordnet. Allerdings wurde auch das erste Bekennerschreiben zum Anschlag auf dieser Seite veröffentlicht.

Distanzierung zum Brandanschlag

"Wir distanzieren uns ausdrücklich von allen Aktionen der letzten Jahre, die unter unserem Namen oder mit Bezug auf uns durchgeführt wurden", heißt es in einem dritten Schreiben, das auch im Namen der "Vulkangruppe" veröffentlicht wurde.

Die Verfasser des Textes, der auf dem linksextremen Portal "Indymedia" am frühen Mittwochmorgen erschienen ist, nennen sich selbst die "Vulkangruppe der Jahre 2011". Darin begrenzen sie ihren Handlungsrahmen auf das Thema der deutschen Kriegsbeteiligung und Waffenexporte. Mit dem Stromnetz hätten sie nichts zu tun.

"Infrastruktur war für uns kein Selbstzweck und kein Spielfeld, sondern Symbol und Träger militärischer Gewalt nach außen. Unsere Interventionen richteten sich gegen Kriegspolitik, nicht gegen gesellschaftliche Grundversorgung, nicht gegen Menschen im Alltag", heißt es weiter. Auch hier lässt sich derzeit nicht unabhängig überprüfen, wer hinter der Veröffentlichung steht.

Es bleibt abzuwarten, wie sich der Verfassungsschutz sowie der ermittelnde Generalbundesanwalt zu den weiteren Schreiben äußern werden. "Nach Einschätzung der Berliner Sicherheitsbehörden spricht diese Distanzierung nicht gegen einen linksextremistischen Täterkreis", sagte die Innensenatorin Ines Spranger (CDU) bei einer Pressekonferenz am Mittwochnachmittag. Distanzierungsversuche anonymer Täter im Netz würden die Tat nicht ungeschehen machen können. Die Sicherheitsbehörden arbeiten daher mit höchster Dringlichkeit an einer Aufklärung.

Linksextremer Terrorismus

Der Regierende Bürgermeister Berlins, Kai Wegner (CDU), sprach am Dienstag auf einer Pressekonferenz von einem linksterroristischen Anschlag. Die Täter hätten "das Leben von Menschen bewusst bedroht, das Leben von Menschen bewusst gefährdet", sagte er und forderte Konsequenzen.

Auch die Berliner Innensenatorin Ines Spranger (SPD) erklärte, "wir sprechen von Linksterrorismus". In einem Telefonat mit Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CDU) habe sie dies am Montag abgesprochen. Am Dienstagabend übernahm deshalb der Generalbundesanwalt die weiteren Ermittlungen.

Die Bundesanwaltschaft kommt bei Kriminalität wie schwerer Brandstiftung normalerweise nicht zum Einsatz. Da allerdings ein Motiv der Gefährdung der inneren Sicherheit durch die Bekennerschreiben der linksextremistischen Gruppe besteht und es sich um - wie Wegner sagte, "einen terroristischen Akt" - handelt, kommt der Generalbundesanwalt jetzt zum Zug.

Die Ermittlungen laufen nun wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, die zum Ziel hat, gemeingefährliche Straftaten zu begehen, wie etwa einen Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz. Gewalt gegen Personen und gegen Sachen soll dabei als Mittel dienen, um eigene gesellschaftspolitische Vorstellungen durchzusetzen.

Die Gruppierung ist bereits seit mehr als einem Jahrzehnt bekannt. Seit 2011 sollen sie rund ein Dutzend Brandanschläge verübt und sich dazu bekannt haben. Auch der Brand eines Strommasten im März 2024, der die Produktion einer Tesla-Fabrik über mehrere Tage eingedämmt hatte, ist der "Vulkangruppe" zuzuordnen.

Allerdings ist unklar, ob es sich jeweils um die gleichen Personen hinter den Brandanschlägen handelt. Ist dies nicht der Fall, wird es für die Generalbundesanwaltschaft schwer, eine "terroristische Vereinigung" im rechtlichen Sinne auszumachen.

Bisher wurden keine Verdächtigen gefasst. Die Polizei berichtet allerdings von einigen sachdienlichen Hinweisen und mehreren hundert Stunden Videomaterial, die derzeit ausgewertet werden. Außerdem wurden mehrere Stellen eingerichtet, um weitere Hinweise entgegenzunehmen.

Zehntausende Haushalte tagelang ohne Strom

Im ersten Bekennerschreiben schrieb die linksextreme Gruppe, das Gaskraftwerk in Lichterfelde sei "erfolgreich sabotiert" worden. Dass dabei rund 45.000 Haushalte ihren Stromanschluss für mehrere Tage verloren haben, die Polizei rechnet mit etwa 100.000 Betroffenen, bezeichnete die Gruppe als "Härten eines Systems". Im neuen Text heißt es, dass sich die Tat nicht gegen Menschen, sondern gegen eine Infrastruktur richte.

Das Gaskraftwerk in Lichterfelde sei "erfolgreich sabotiert" worden, erklärte die linksextreme Vulkangruppe in einem Bekennerschreiben.
Das Gaskraftwerk in Lichterfelde sei "erfolgreich sabotiert" worden, erklärte die linksextreme Vulkangruppe in einem Bekennerschreiben. Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved

Bis heute sind noch immer mehr als 19.900 Haushalte ohne Strom, mittlerweile den fünften Tag. Erst am gestrigen Dienstag wurde klar, dass das Land Berlin für die Betroffenen Hotelkosten rückerstatten wird. Die Notunterkünfte sind nachts nach Angaben der Innensenatorin Spranger nur spärlich genutzt. Seit Dienstag stellt Berlin außerdem Möglichkeiten zum Duschen, Essensausgaben mit warmen Mahlzeiten sowie Ladebusse in den betroffenen Vierteln zur Verfügung.

Die Reparaturen an den brandgeschädigten Kabeln sollten noch bis Donnerstagnachmittag andauern. Rund 300 Meter Kabel müssen erneuert werden, doch dafür braucht es Plusgrade. Nach aktuellen Angaben kann nun jedoch bereits heute mit der Wiederversorgung des Stromnetzes begonnen werden.

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