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Rücktrittsforderungen nach Tennis-Spiel: Berliner Bürgermeister Wegner unter Druck

Kritik an Kai Wegner
Kritik an Kai Wegner Copyright  (c) Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
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Von Sonja Issel
Zuerst veröffentlicht am
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Der Südwesten Berlins hat wieder Strom - dafür könnte es nun aber für den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner ungemütlich werden. Sein Krisenmanagement während des Stromausfalls steht massiv in der Kritik. Auslöser ist ein Foto, das parteiübergreifend Rücktrittsforderungen nach sich zieht.

Angesichts der Kritik an seinem Verhalten während des großflächigen Stromausfalls nach einem mutmaßlichen linksextremen Terroranschlag in Berlin sind neue Details zu den Aktivitäten von Kai Wegner bekannt geworden.

Während zahlreiche Berliner infolge des Stromausfalls auf Notunterkünfte angewiesen waren, hielt sich der Regierende Bürgermeister zur Mittagszeit auf einer Tennisanlage am Rand von Berlin auf. Nach Recherchen des Senders RBB spielte Wegner zwischen 13 und 14 Uhr Tennis, wie der Sender unter Berufung auf die Senatskanzlei berichtete.

An dem Spiel nahm auch Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch teil. Die Teilnahme von Wegners Lebensgefährtin bestätigte eine Senatssprecherin dem FOCUS.

Am Mittwochabend äußerte sich Wegner dann selbst in einem Interview mit dem TV-Sender "Welt" und bestätigte, zu dieser Zeit Tennis gespielt zu haben. "Ich wollte einfach den Kopf freikriegen", so der CDU-Politiker. Zugleich betonte Wegner: "Ich war die ganze Zeit erreichbar, auch als ich Tennis gespielt habe, das Handy war auf laut gestellt." Anschließend sei er sofort zurückgefahren und habe weitergearbeitet.

Tennis blieb in Wegners Darstellung unerwähnt

Besonders heikel erscheint die Situation, weil Wegner noch am Sonntag vor Journalisten erklärt hatte, er habe während der fraglichen Zeit zu Hause gearbeitet.

Auf die Frage, warum er nicht beim Krisenstab gewesen sei, sagte er damals: "Ich war zu Hause, habe mich in meinem Büro zu Hause eingeschlossen, im wahrsten Sinne. Und habe dann koordiniert."

Weiter erklärte Wegner: "Ich habe mich weder gelangweilt noch die Füße hochgelegt, sondern ich war den ganzen Tag am Telefon und habe versucht, zu koordinieren und mich bestmöglich zu informieren."

Von einem Tennisspiel war in diesem Zusammenhang keine Rede.

Gegenüber dem RBB räumte Wegner später ein, rückblickend hätte er bereits am Sonntag offenlegen sollen, was er am Samstag gemacht habe.

Pateiübergreifende Rücktrittsforderungen

Die Reaktionen auf das Verhalten von Berlins Regierendem Bürgermeister Kai Wegner fielen dementsprechend deutlich aus. Kritik kam parteiübergreifend, teils verbunden mit Rücktrittsforderungen.

So bezeichnete SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach Wegners Verhalten als inakzeptabel und eines Regierenden Bürgermeisters unwürdig. Er sagte dem stern, es sei kaum zu entscheiden, was schwerer wiege: dass Wegner die Berliner belogen habe oder dass ihm eine Tennispartie wichtiger gewesen sei, als nach einem terroristischen Anschlag in der schwersten Stromkrise seit Jahrzehnten bei den Betroffenen vor Ort zu sein.

Auch Grünen-Fraktionschef Werner Graf übte scharfe Kritik. Wegner habe der Bevölkerung "in einer dunklen Stunde dieser Stadt" nicht die Wahrheit gesagt, erklärte Graf. Die Berliner hätten zu Recht andere Erwartungen an einen Regierenden Bürgermeister.

Die Linke schrieb auf der Plattform X, während Tausende Berliner bei Minusgraden ohne Strom gesessen hätten, sei Wegner Tennis spielen gegangen. Berlin habe Besseres verdient.

Auch FDP-Landeschef Christoph Meyer sprach Wegner offen die Regierungskompetenz ab und erklärte, wer in der Krise nicht führe und anschließend die Öffentlichkeit belüge, könne dieses Amt nicht weiter ausüben.

Die AfD-Landes- und Fraktionsvorsitzende Kristin Brinker forderte ebenfalls einen sofortigen Rücktritt. Es sei bereits problematisch genug, dass Wegner eine durch einen Terrorangriff ausgelöste Notlage nicht ernst genug genommen habe, um auf sein Tennisspiel zu verzichten. Hinzu komme, dass er die Berliner belogen habe.

Unterstützung seitens der Polizeigewerkschaft

Rückendeckung erhielt Wegner hingegen von der Berliner Polizeigewerkschaft. Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Stephan Weh, bezeichnete die Kritik als überzogen. Für Polizei und Feuerwehr bringe es keinen Mehrwert, wenn Politiker bei derartigen Einsatzlagen vor Ort seien, sagte Weh. Den Strom hätte Wegner ohnehin nicht selbst wieder anschalten können.

Zwar räumte Weh ein, dass der Vorgang der Glaubwürdigkeit eines Politikers schade. Dennoch betonte er, auch ein Regierender Bürgermeister sei ein Mensch und benötige Pausen.

Kritik an fehlender Präsenz

Die Kritik an Wegners Krisenmanagement war jedoch bereits vor Bekanntwerden seiner Nachmittagsaktivität laut. Die Opposition warf dem Regierenden Bürgermeister vor, am ersten Tag des großflächigen Stromausfalls nicht in den betroffenen Stadtteilen präsent gewesen zu sein.

Aus Wegners Umfeld hieß es dazu, er habe seit Samstagmorgen nahezu durchgehend telefoniert - unter anderem mit Vertretern der Bundesregierung, der Stromnetz Berlin GmbH, weiteren Senatsmitgliedern sowie den Krisenstäben. Ziel sei es gewesen, rasch Hilfe zu organisieren, etwa die Unterstützung durch die Bundeswehr.

Eine Koordination vor Ort sei kaum möglich gewesen, da in den betroffenen Gebieten zeitweise weder Internet- noch Mobilfunkempfang zur Verfügung gestanden habe.

Doch auch als Wegner schließlich vor Ort war, ebbte die Kritik nicht ab. Am Sonntag, dem zweiten Tag des Stromausfalls, besuchte er unter anderem eine Notunterkunft. Dort wurde er von anwesenden Bürgern mit Vorwürfen konfrontiert, die Hilfe für zwei pflegebedürftige Personen sei aus ihrer Sicht unzureichend gewesen.

CDU berät über Wegners Verhalten

In Berlin ist die Stromversorgung seit Mittwochabend wieder vollständig hergestellt. Für den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner könnte die politische Aufarbeitung nun jedoch erst beginnen.

Mögliche Konsequenzen stehen bereits im Raum. Denn: Für Donnerstag um 8 Uhr ist eine außerplanmäßige Sitzung der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus angesetzt. Nach Angaben aus Fraktionskreisen soll dort Wegners Verhalten am ersten Tag des Stromausfalls thematisiert werden.

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