261 russische Staatsbürger dürfen nicht mehr nach Estland einreisen, wie ein neues Verbot für russische Veteranen aus dem Ukrainekrieg festlegt. Das estnische Außenministerium fordert darüberhinaus eine europaweite Visumsregelung.
Russische Staatsbürger, die in der Ukraine gekämpft haben, dürfen nicht mehr nach Estland einreisen. Am Dienstag hat das Innenministerium bekannt gegeben, 261 Russen mit einem Einreiseverbot belegt zu haben. Weiter hieß es, dies sei "nur der Anfang".
Diejenigen, die in der Ukraine Gräueltaten begangen hätten, hätten "keinen Platz in der freien Welt", lautete es in der Erklärung des Innenministeriums.
Estland fordert europaweites Visumverbot für russische Veteranen
Estland hat eine gemeinsame Grenze mit Russlan. Der Staat setzt sich seit Monaten für ein europaweites Visumverbot für russische Veteranen des Ukraine-Krieges ein und hat dabei die Unterstützung der baltischen und nordischen Länder gewonnen.
Das estnische Ministerium schätzt, dass bis zu 1,5 Millionen Russen an der großangelegten Invasion in der Ukraine teilgenommen haben, von denen etwa die Hälfte an der Front gedient hat.
Innenminister Igor Taro bezeichnete die Bedrohung als "nicht theoretisch" und fügte hinzu, die Russen hätten "Kampferfahrung und eine militärische Ausbildung und könnten oft einen kriminellen Hintergrund haben". Der Außenminister Margus Tsahkna teilte Details zum Einreiseverbot auf der Plattform X.
"Wir fordern andere Länder auf, das Gleiche zu tun", schrieb Außenminister Tsahkna weiter. Das Verbot wurde nach Angaben des Ministeriums in der vergangenen Woche formell in Kraft gesetzt und am Montag in den sozialen Medien bekannt gegeben.
"Für einen gerechten und dauerhaften Frieden ist es unerlässlich, Kriegsverbrechen zur Rechenschaft zu ziehen und gleichzeitig die Sicherheit Europas zu gewährleisten", schrieb der estnische Premierminister Kristen Michal auf X.
Einreiseverbot laut Ukraine "notwendige Sicherheitsmaßnahme"
Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha lobte den Schritt am Montag und nannte das Einreiseverbot auf der Plattform X eine "notwendige Sicherheitsmaßnahme" und "ein klares Signal, dass Straflosigkeit nicht toleriert wird".
Das Einreiseverbot für russische Veteranen aus dem Ukrainekrieg erfolgte am selben Tag, an dem ein Beobachter der Vereinten Nationen feststellte, dass das vergangene Jahr das tödlichste für die Zivilbevölkerung in der Ukraine war. Im Jahr 2022 begann Russland mit einer großangelegten Invasion in der Ukraine.
Mindestens 2.514 Zivilisten wurden im vergangenen Jahr durch kriegsbedingte Gewalt in der Ukraine getötet, weitere 12.142 Menschen verletzt. Damit ist die Zahl der Opfer im Vergleich zu 2024 um 31 Prozent und im Vergleich zu 2023 um 70 Prozent gestiegen, so die UN-Menschenrechtsbeobachtungsmission in der Ukraine (HRMMU).
Nach Angaben der Mission stehen 97 Prozent der von ihr im Jahr 2025 festgestellten Opfer in den von der ukrainischen Regierung kontrollierten Gebieten im Zusammenhang mit den Angriffen der russischen Streitkräfte.
"Unsere Beobachtung zeigt, dass dieser Anstieg nicht nur auf verstärkte Feindseligkeiten entlang der Frontlinie zurückzuführen ist, sondern auch auf den vermehrten Einsatz von Langstreckenwaffen, der die Zivilbevölkerung im ganzen Land einem erhöhten Risiko aussetzt", so Danielle Bell, Leiterin der HRMMU.