Ein Zufallsfund an der Costa del Sol führte zu einem internationalen Schmuggelring. Kolumbianische Gruppen und ein Balkan-Kartell sollen Frachter vor der Meerenge von Gibraltar ins Visier genommen haben. Ermittler sprechen von hochorganisierter Seelogistik.
Alles begann im Oktober 2024. InMijas, einer Küstenstadt an der Costa del Sol bei Málaga, stoppte die Polizei ein Auto mit verstecktem Kokain. Zunächst sah es nach einem „gewöhnlichen“ Schmuggelfall aus. Doch die Spur führte zu einem viel größeren Netzwerk.
Nach Erkenntnissen der Ermittler arbeiteten drei Gruppen zusammen. Eine Gruppe aus dem Umfeld eines Balkan-Kartells stellte die Ware. Eine zweite bestand aus Kolumbianern, die sowohl in Kolumbien als auch in Spanien aktiv gewesen sein sollen. Die dritte Gruppe kümmerte sich um die Logistik rund um den Campo de Gibraltar. Eine Region direkt an derMeerenge von Gibraltar, einem zentralen Korridor für Schifffahrt und Schmuggel.
Das Vorgehen war professionell organisiert. In Kolumbien nutzten die Täter laut Ermittlern die Methode der sogenannten „micos“. Damit sind junge Schwimmer gemeint, die sich an große Frachtschiffe heranwagen und Drogenpakete außen am Schiff oder in schwer zugänglichen Bereichen befestigen. Wenn die Schiffe sich Europa näherten, sollten die Pakete kurz vor der Einfahrt in die Straße von Gibraltar abgeholt werden, also in dem engen Seegebiet zwischen Spanien und Marokko.
Einmal gestoppt, einmal entkommen
Ein erster Zugriff scheiterte. Mitte 2025 meldete die Besatzung eines Frachters auf dem Weg nach Cádiz verdächtige Personen an Bord. Cádiz liegt im Südwesten Andalusiens am Atlantik. Die spanische Seenotrettung griff ein und stellte eine große Menge Kokain sicher. Die Männer, die die Ware bergen sollten, entkamen.
Beim zweiten Versuch hatten die Täter mehr Erfolg. In portugiesischen Gewässern schlug ein Schiff Alarm. Es soll von bewaffneten Eindringlingen bedroht worden sein. Diesmal konnten die Schmuggler die Drogen offenbar umladen, bevor die Behörden eingreifen konnten.
Später stießen Ermittler auf eine weitere Variante. Dabei nutzten die Täter eine „Drop-off“-Methode: Drogenpakete werden vom Frachter ins Meer gegeben und anschließend von kleineren Booten eingesammelt. Laut den Ermittlern gingen die Beteiligten dabei arbeitsteilig vor und setzten einschüchternde, teils „militärisch“ wirkende Taktiken ein, um den Ablauf abzusichern.
19 Durchsuchungen und eingefrorene Vermögen
Am Ende führte die Spur zu Lagerorten, an denen das Kokain zwischengelagert worden sein soll. Bei einer Serie von Durchsuchungen stellten die Behörden Drogen sicher und beschlagnahmten zudem Fahrzeuge, Waffen sowie Ausrüstung, die auf Schmuggelaktionen auf See hindeutet, etwa nautisches Material und Ortungsgeräte. Außerdem wurden Bargeld, Wertgegenstände und Vermögenswerte gesperrt, darunter auch Krypto-Guthaben.
Nach Darstellung der Ermittler gelangte das Kokain über den Golf von Cádiz nach Spanien, also über die Atlantikroute vor Südwestspanien. Von dort soll es auf dem Landweg in weitere europäische Länder weitertransportiert worden sein. Insgesamt wurden rund 30 Personen festgenommen. Insgesamt beschlagnahmten die Behörden 2.475 Kilo Kokain. Die Gruppe habe Gewalt, Technik und eine hochorganisierte Logistik kombiniert, um große Mengen Kokain nach Spanien zu bringen.