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Davos 2026: Worum ging es bislang auf dem Weltwirtschaftsforum?

Internationales Flair vor Schweizer Alpenkulisse beim Weltwirtschaftsforum in Davos, 20. Januar 2026
Internationales Flair vor Schweizer Alpenkulisse beim Weltwirtschaftsforum in Davos, 20. Januar 2026 Copyright  AP Photo
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Von Aleksandar Brezar
Zuerst veröffentlicht am
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Das Treffen in der Schweiz wird von den wachsenden Spannungen zwischen den USA und Europa beherrscht. Es geht um bröckelnde Weltordnung, zunehmenden Unilateralismus, aber auch um die Bedrohung von Jobs weltweit durch die KI.

Das Weltwirtschaftsforum in Davos nähert sich an diesem Mittwoch seinem Höhepunkt. Denn es wird erwartet, dass US-Präsident Donald Trump seine Teilnahme am Gipfel mit einem Paukenschlag beginnt.

Bislang drehte sich das Gespräch im Schweizer Alpenort um die eskalierenden Spannungen wegen der Drohungen der USA, im Streit um Grönland Zölle gegen europäische Verbündete zu verhängen. Die Staats- und Regierungschefs warnten vor zerbrechenden Allianzen und der Aushöhlung der auf Regeln basierenden internationalen Ordnung.

Der US-Präsident war schon in den ersten Tagen des Treffens durch seine Posts in den sozialen Netzwerken präsent, sowie durch private Nachrichten, die durchsickerten, darunter ein Brief an den norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre, in dem er seine Grönland-Forderungen mit seinem Scheitern bei der Verleihung des Friedensnobelpreises in Verbindung brachte.

Trump, der trotz technischer Probleme mit der Air Force One auf dem Weg über den Atlantik mit der größten Delegation aller Zeiten anreist, hat schon angedeutet, welche Botschaft er dem verdienten Publikum überbringen wird, und am Dienstag erklärt, dass es "kein Zurück" gebe.

Und worüber diskutierten die übrigen Teilnehmer, internationale Spitzenvertreter aus Politik und Wirtschaft, bisher auf dem jährlichen Treffen am meisten?

Die bröckelnde Weltordnung

Der französische Präsident Emmanuel Macron sprach in seiner Rede am Dienstag die meistzitierte Warnung des Forums über die Abkehr vom Multilateralismus aus.

"Es ist eine Entwicklung hin zu einer Welt ohne Regeln, in der das internationale Recht mit Füßen getreten wird und in der das einzige Recht, das zu zählen scheint, das des Stärkeren ist", fasste Macron die europäischen Sorgen über den zunehmenden Unilateralismus zusammen.

Der französische Staatschef, der sich an vorderster Front für die Aktivierung handelspolitischer Schutzmechanismen durch Europa einsetzt, formulierte mit klaren Worten, vor welcher Wahl die Demokratien heute stehen:

"Wir ziehen Respekt den Tyrannen vor ... und wir ziehen Rechtsstaatlichkeit der Brutalität vor."

Der französische Präsident Emmanuel Macron bei seiner Rede vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos, 20. Januar 2026
Der französische Präsident Emmanuel Macron bei seiner Rede vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos, 20. Januar 2026 AP Photo

In einer vielbeachteten Rede am Dienstagnachmittag sprach auch der kanadische Premierminister Mark Carney von einem unumkehrbaren Wandel.

Die Welt befinde sich "inmitten eines Bruchs, nicht eines Übergangs", und die alte Weltordnung "kommt nicht zurück", so Carney.

"In einer Welt der Großmachtrivalität haben die Länder dazwischen die Wahl: miteinander um die Gunst zu konkurrieren oder sich zusammenzuschließen, um einen dritten Weg mit Wirkung zu eröffnen", sagte er.

"(Wir) argumentieren, dass die Mittelmächte gemeinsam handeln müssen, denn wenn wir nicht mit am Tisch sitzen, stehen wir auf der Speisekarte."

Der Gouverneur von Kalifornien, Gavin Newsom, lieferte am Dienstag eine der kämpferischsten Rhetoriken des Forums und forderte die europäischen Staats- und Regierungschefs auf, "sich nicht länger mitschuldig zu machen" und "Rückgrat zu zeigen", wenn es darum geht, Trumps Forderungen bezüglich Grönland zu widerstehen.

"Ich kann diese Komplizenschaft nicht ertragen. Die Leute überschlagen sich", sagte Newsom. "Ich hätte ein paar Knieschoner für alle führenden Politiker der Welt mitbringen sollen. Ich hoffe, die Leute verstehen, wie erbärmlich sie auf der Weltbühne aussehen".

Newsom wird weithin als eine alternative Stimme der Demokraten gegenüber der Trump-Regierung im Hinblick auf eine mögliche Präsidentschaftskandidatur im Jahr 2028 gesehen.

Die transatlantischen Sicherheits- und Handelsrisiken

Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, forderte beide Seiten auf, eine Eskalation zu vermeiden, und warnte gleichzeitig vor den Risiken für den westlichen Zusammenhalt.

"Wenn wir in eine Abwärtsspirale geraten, würde dies nur den Gegnern helfen, die wir beide so sehr aus der strategischen Landschaft heraushalten wollen", spielte Von der Leyen auf die Befürchtung an, dass der amerikanisch-europäische Handelskonflikt Russland zugutekommt.

NATO-Generalsekretär Mark Rutte bemängelte, dass die derzeitige Unruhe die Aufmerksamkeit der Welt von Moskaus andauerndem Krieg in der Ukraine abgelenkt hätten.

"Das Hauptproblem ist jetzt nicht Grönland, das Hauptproblem ist die Ukraine", bekräftigte Rutte, er sei "ein wenig besorgt, dass wir den Ball fallen lassen könnten, wenn wir uns so sehr auf diese anderen Themen konzentrieren."

"Sie brauchen jetzt, morgen und übermorgen unsere Unterstützung", betonte er. "Die europäischen Verbündeten müssen sich auf dieses Thema konzentrieren."

NATO-Generalsekretär Rutte und die Präsidenten von Polen und Finnland, Nawrocki und Stubb, bei einer Podiumsdiskussion auf dem Weltwirtschaftsforum, 21. Januar 2026
NATO-Generalsekretär Rutte und die Präsidenten von Polen und Finnland, Nawrocki und Stubb, bei einer Podiumsdiskussion auf dem Weltwirtschaftsforum, 21. Januar 2026 AP Photo

Der Präsident des WEF, Børge Brende ging auf die wirtschaftlichen Sorgen ein, die das Forum beherrschen, während die geopolitischen Spannungen die Diskussionen über Innovation und Wachstum überschatten.

"Wir sind am meisten besorgt über die Eskalation von Kriegen. Das kann das globale Wachstum zerstören", so Brende.

Der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer verteidigte den Ansatz der Trump-Regierung in einem Pressebriefing am Dienstag und bezeichnete Zölle als legitimes geopolitisches Instrument.

"Der Präsident war schon immer der Ansicht, dass er lieber mit den Menschen zusammenarbeiten möchte, und deshalb sind Zölle eine schwächere Maßnahme", schränkte Greer gegenüber Euronews ein und stellte Handelsabgaben neben Sanktionen und Exportkontrollen in das nationale Sicherheitsinstrumentarium.

Greer warnte die europäischen Verbündeten vor Vergeltungsmaßnahmen, da dies "unklug" wäre. "Wenn andere Länder meinen Rat befolgen, geht es ihnen meist gut", sagte er.

Er signalisierte auch einen grundlegenden Wandel in der US-Politik in Bezug auf den Marktzugang. "Der US-amerikanische Markt wird niemals dauerhaft und für immer für alle zugänglich sein, wie es in den vergangenen 25 Jahren der Fall war. Wir haben festgestellt, dass das ein Fehler war."

Die KI, die Bedrohung der Arbeitskräfte und ihre Zukunft

BlackRock-CEO Larry Fink, der den Ko-Vorsitz des Weltwirtschaftsforums übernommen hat, eröffnete die Versammlung in einem selbstkritischen Ton.

"Für viele ist dieses Treffen nicht mehr zeitgemäß: Eliten in einem Zeitalter des Populismus, eine etablierte Institution in einer Ära des tiefen institutionellen Misstrauens", sagte Fink. "Und an dieser Kritik ist etwas Wahres dran."

Er warnte davor, dass die KI die Fehler des Kapitalismus der vergangenen drei Jahrzehnte zu wiederholen drohe, wobei frühe Gewinne "den Eigentümern von Modellen, Daten und Infrastrukturen zugutekommen", während sie für Angestellte möglicherweise verheerende Folgen haben, so wie es die Globalisierung für die Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe getan hat.

Alex Karp, CEO des Softwareunternehmens Palantir Technologies, spricht beim Weltwirtschaftsforum in Davos, 20. Januar 2026
Alex Karp, CEO des Softwareunternehmens Palantir Technologies, spricht beim Weltwirtschaftsforum in Davos, 20. Januar 2026 AP Photo

Der CEO von Palantir, Alex Karp, gab im Gespräch mit Fink eine drastische Vorhersage über die Auswirkungen der KI auf die Beschäftigung ab. "Sie wird geisteswissenschaftliche Arbeitsplätze vernichten", sagte Karp.

"Wenn Sie eine Eliteschule besucht und Philosophie studiert haben - ich nehme mich selbst als Beispiel -, dann haben Sie hoffentlich noch andere Fähigkeiten, die schwer zu vermarkten sein werden."

Er fügte hinzu, dass "es mehr als genug Arbeitsplätze für die Bürger Ihres Landes geben wird, insbesondere für diejenigen mit einer Berufsausbildung", und warnte gleichzeitig davor, dass Europa bei der Einführung von KI hinter den USA und China zurückbleibt.

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