Der amerikanische Kletterer erreichte die Spitze des Gebäudes in etwa eineinhalb Stunden.
Der amerikanische Bergsteiger und Extremsportler Alex Honnold hat den 508 Meter hohen Wolkenkratzer Taipei 101 in der taiwanischen Hauptstadt Taipei ohne Sicherungsseil bestiegen – in einer sogenannten Free-Solo-Kletterei.
Honnold benötigte rund anderthalb Stunden, um die Spitze des Gebäudes zu erreichen. Der Taipei 101 ist derzeit der elfthöchste Wolkenkratzer der Welt und war im Jahr 2004 das erste Gebäude, das eine Höhe von über 500 Metern erreichte.
Honnolds Ruhm als Extremkletterer wurde durch den Dokumentarfilm Free Solo begründet, der 2019 mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. In dem Film klettert Honnold im Alleingang die Felswand des El Capitan im Yosemite National Park hinauf.
Für das neue Projekt arbeitete Honnold mit Netflix zusammen – der Streamingdienst übertrug die Besteigung live. In den Tagen vor dem Aufstieg trainierte der Athlet mit Seilen an Felswänden und bereitete sich insgesamt zweieinhalb Monate auf die Tour vor. Der Rekordversuch war ursprünglich für Samstag angesetzt, wurde jedoch wegen schlechten Wetters um einen Tag verschoben.
Der 40-jährige Honnold, Vater von zwei kleinen Kindern, sagte über das Risiko: "Wenn du fällst, stirbst du", fügte aber hinzu, dass er an das Gefühl gewöhnt sei: "Die Angst ist immer beim Klettern dabei".
Die Übertragung des Aufstiegs hat in einigen Teilen der Gesellschaft heftigen Widerstand hervorgerufen. Der deutsche Medien- und Sportwissenschaftler Thomas Horky sagte zum Beispiel, er halte es für ethisch nicht vertretbar, dass Menschen ein potenziell tödliches Ereignis live im Fernsehen verfolgen. Als Reaktion auf ähnliche Kritik hat Netflix beschlossen, die Sendung mit einer 10-sekündigen Verzögerung auszustrahlen.
Der Taipei 101 wurde bereits zuvor bestiegen: Im Jahr 2004 erreichte der französische Bergsteiger Alain Robert, bekannt als "Spiderman", die Spitze des Gebäudes in rund vier Stunden – allerdings mithilfe eines Sicherungsseils.