Eine Aussage, viele Reaktionen: Trumps Worte zum Afghanistan-Einsatz belasten erneut das transatlantische Verhältnis. Pistorius erwartet eine Entschuldigung vom US-Präsidenten.
US-Präsident Donald Trump hat bereits mehrmals die Verlässlichkeit der NATO-Verbündeten der Staaten infrage gestellt.
So auch vergangene Woche in einem Interview mit dem US-TV-Sender Fox News, wo er sagte, dass die USA die NATO "niemals gebraucht" oder "um etwas gebeten hätten". Er räumte zwar ein, dass Bündnisspartner "ein paar Truppen" nach dem Terroranschlag vom 11. September 2001 nach Afghanistan entsandt hätten, jedoch hätten sich die Soldaten "ein wenig hinter den Fronlinien zurückgehalten".
Pistorius fordert Entschuldigung
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) forderte daraufhin in einem Statement, sowie in der ARD-Talk-Show Caren Miosga vergangenes Wochenende, eine Entschuldigung und nannte Trumps Aussage "unanständig und respektlos". Er sagte, dass er die Aussage Trumps auch beim nächsten Treffen mit dem US-Verteidigungsminister Pete Hegseth ansprechen werde.
Der Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr gilt als der verlustreichste Auslandseinsatz der deutschen Streitkräfte. 59 deutsche Soldaten und Soldatinnen sind gefallen, drei von ihnen beim Karfreitagsgefecht, vom 2. April 2010.
Der Tag gilt als als einer der dunkelsten in der Geschichte der Bundeswehr. Nahe Isa Khel in Afghanistan geriet ein deutscher Spähtrupp bei der Suche nach einer abgestürzten Drohne in einen Hinterhalt von rund 80 Taliban. Drei Soldaten – Martin Augustyniak, Robert Hartert und Nils Bruns – wurden getötet, acht weitere wurden teils schwer verletzt.
Auch der Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer, veröffentlichte ein Statement und kritisierte Trumps Aussage zum Afghanistan-Einsatz. Er selber war als einer von rund 93.000 Bundeswehrsoldaten im Einsatz. "Das nächtliche Wachen bei unseren Gefallenen, werde ich niemals vergessen", so Breuer.
Zudem schrieb Breuer, dass "wir gemeinsam für unser Bündnis, unsere Sicherheit und unsere Werte eingetreten sind". "Das Versprechen unserer Allianz – einer für alle, alle für einen – gründet auf Glaubwürdigkeit. Sie ist unser höchstes Gut", so Breuer.
Auch aus dem Verteidigungsministerium hagelte es Kritik zu Trumps-Anschuldigung. "Unsere Soldatinnen und Soldaten waren insgesamt 19 Jahre lang in Afghanistan im Einsatz", heißt es.
"Sie haben ihren Auftrag unter höchsten Gefahren für Leib und Leben und unter extremen Bedingungen erfüllt. Für den Einsatz hat Deutschland einen hohen Preis bezahlt: 59 Soldaten und drei Polizisten sind in Gefechten, durch Anschläge oder Unfälle ums Leben gekommen. Zahlreiche Verwundete leiden bis heute unter den Verletzungen aus dieser Zeit. Seelisch wie körperlich. Genauso wie ihre Angehörigen - die den Schmerz ein lebenlang in sich tragen werden. Ich verspreche ihnen: Wir werden den Einsatz und Mut unserer Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan in Ehren halten. Ganz egal, von wem das in Frage gestellt wird. Sie sind nie vergessen."
Trumps Aussage wurde auch vom britischen Premierminister Keid Starmer scharf kritisiert, der bereits vor Pistorius eine Entschuldigung von Trump forderte. 457 britische Soldaten und Soldatinnen sind im Afghanistan-Einsatz gefallen. Weiter heißt es der britischen Regierung zufolge, dass die britischen Operationen in Afghanistan stand heute rund 32,8 Milliarden Pfund kosteten. Das entspricht etwa 38 Milliarden Euro.