Nach mehreren mutmaßlichen Sabotagefällen an Unterseekabeln in der Ostsee ziehen die Anrainerstaaten die Zügel an. Finnland will Informationen schneller bündeln, Risiken früher erkennen und die Unterwasserinfrastruktur besser überwachen. Im Fokus stehen Schiffe der russischen „Schattenflotte“.
Finnland wird einen neuen Meeresüberwachungsmechanismus einrichten, um weitere Schäden an Unterseekabeln zu verhindern, wie Beamte mitteilten.
Der Mechanismus wird in Zusammenarbeit mit anderen Ostseeanrainerstaaten eingerichtet. Er soll die Europäischen Kommission bei ihrem Vorhaben unterstützen, die Sicherheit der Daten- und Telekommunikationsinfrastruktur zu erhöhen.
Mikko Hirvi, Leiter der Abteilung für maritime Sicherheit beim finnischen Grenzschutz, sagte am Montag, in der Region sollen Knotenpunkte entstehen. Dort würden Informationen, Risikoanalysen, Bedrohungsbewertungen und Echtzeitdaten ausgetauscht.
„Dazu gehört auch der Ausbau der Überwachung, etwa mit Sensoren, geeigneter Technologie und Übungen“, ergänzte er.
Neue Einrichtungen seien dafür nicht nötig, sagte Hirvi. Die Informationen würden stattdessen an bestehende Strukturen des Grenzschutzes weitergeleitet.
Nach mehreren mutmaßlichen Sabotagefällen an Unterseekabeln in der Ostsee ziehen die Anrainerstaaten die Zügel an. Sie wollen Informationen schneller bündeln, Risiken früher erkennen und die Unterwasserinfrastruktur besser überwachen. Im Mittelpunkt stehen dabei immer wieder Schiffe der russischen „Schattenflotte“, die im Verdacht stehen, Kabel beschädigt zu haben – und die trotz Sanktionen weiterhin regelmäßig durch die Region fährt.
Nach mehreren Vorfällen mit Schiffen der russischen „Schattenflotte“ wurden die Bemühungen verstärkt, Unterwasserinfrastruktur besser zu schützen. Die Schiffe stehen im Verdacht, Kabel in der Ostsee beschädigt zu haben.
Russland soll eine Flotte alter Öltanker mit undurchsichtigen Eigentumsverhältnissen aufgebaut haben. Damit sollen Sanktionen umgangen werden, die EU, USA und andere Länder nach dem russischen Großangriff auf die Ukraine Anfang 2022 verhängt hatten.
Der Einsatz dieser Schiffe sorgt auch für Umweltbedenken. Wegen ihres Zustands und eines oft unklaren Versicherungsschutzes steigt das Risiko von Unfällen.
In der Silvesternacht beschlagnahmte Finnland ein Frachtschiff mit russischem Stahl. Es stand im Verdacht, ein Telekommunikationskabel zwischen Helsinki und Tallinn beschädigt zu haben.
Hirvi sagte, man müsse künftig auf ähnliche Vorfälle vorbereitet sein. In den vergangenen Jahren habe es „ungewöhnlich viele Schäden an kritischer Unterwasserinfrastruktur“ gegeben.
Die Zahl der Schiffe der Schattenflotte in der Ostsee sei nicht gesunken, so Hirvi. Im Schnitt seien es etwa 45 Objekte pro Woche. Ein großer Teil davon gehöre zur Schattenflotte. Viele davon fahren durch den Finnischen Meerbusen und seien mit russischem Öl beladen.
Europas Antwort auf hybride Kriegsführung
Viele Experten und Politiker sehen die mutmaßlichen Kabelbeschädigungen als Teil hybrider Kriegsführung. Sie gehen davon aus, dass Moskau damit Druck auf westliche Länder ausüben will.
Europa war zuletzt in erhöhter Alarmbereitschaft wegen Drohnenüberflügen. Im vergangenen September sollen Verletzungen des NATO-Luftraums stark zugenommen haben. Daraufhin vereinbarten mehrere Staaten den Aufbau einer „Drohnenmauer“ entlang ihrer Grenzen. Sie soll Drohnen besser erkennen, verfolgen und abfangen.
Im November erklärten NATO-Militärs, ein neues US-Drohnenabwehrsystem sei an der Ostflanke des Bündnisses stationiert worden.
Nach einer Verletzung des polnischen Luftraums kündigte NATO-Generalsekretär Mark Rutte zudem das Programm „Eastern Sentry“ an. Es soll weitere russische Übergriffe verhindern.
Einige europäische Beamte werten die Vorfälle als Test für die NATO-Reaktion. Das wirft die Frage auf, wie gut das Bündnis auf mögliche Bedrohungen aus Russland vorbereitet ist.
Der Kreml hat Vorwürfe zurückgewiesen, wonach Russland hinter einigen unidentifizierten Drohnenflügen in Europa stecken könnte. Die Behauptungen seien demnach „unbegründet“.