Trumps Grönland-Rhetorik, Einreiseverbote und das harte Vorgehen der Einwanderungsbehörde gegen Demonstrierende lassen Zweifel wachsen: Sind die USA als WM-Gastgeber geeignet? Ex-FIFA-Präsident Sepp Blatter bringt nun einen Fan-Boykott ins Spiel. In Deutschland ist man geteilter Meinung.
Der frühere FIFA-Präsident Sepp Blatter hat einen Fan-Boykott von WM-Spielen in den Vereinigten Staaten angeregt. Damit will er das Verhalten von Präsident Donald Trump und seiner Regierung im In- und Ausland anprangern.
Blatter ist damit der jüngste prominente Vertreter des internationalen Fußballs, der die Eignung der USA als Gastgeberland infrage stellt. In einem Beitrag auf X rief er zum Boykott auf. Er bezog sich dabei auf Mark Pieth, der zuvor ein Interview mit der Schweizer Zeitung Der Bund gegeben hatte.
Pieth ist Schweizer Anwalt, spezialisiert auf Wirtschaftskriminalität, und gilt als Korruptionsbekämpfungsexperte. Vor rund zehn Jahren leitete er die Aufsicht des Independent Governance Committee über die FIFA-Reform.
In dem Interview sagte Pieth: „Wenn wir alles berücksichtigen, was wir besprochen haben, gibt es nur einen einzigen Ratschlag für die Fans: Bleibt weg von den USA! Im Fernsehen sieht man es sowieso besser.“ Außerdem warnte er vor möglichen Problemen bei der Einreise. Fans müssten damit rechnen, bei Ärger mit Behörden umgehend zurückgeschickt zu werden.
Blatter zitierte Pieth in seinem X-Post und ergänzte: „Ich denke, Mark Pieth hat Recht, wenn er diese Weltmeisterschaft in Frage stellt.“
Die Weltmeisterschaft soll vom 11. Juni bis 19. Juli stattfinden. Gastgeber sind die Vereinigten Staaten gemeinsam mit Kanada und Mexiko.
Die Kritik aus der Fußballgemeinschaft richtet sich vor allem gegen Trumps Politik. Genannt werden unter anderem seine Haltung in der Grönland-Debatte, Einreisebeschränkungen sowie ein hartes Vorgehen gegen Migranten und Demonstranten durch die Einwanderungsbehörde ICE in US-Städten. Als Beispiel wird dabei auch Minneapolis genannt.
Besonders konkret sind die Folgen der US-Politik für Fans aus einzelnen Ländern. Im Dezember wurden Reisepläne in zwei afrikanischen Top-Fußballnationen durcheinandergebracht, nachdem die Trump-Regierung ein erweitertes Einreiseverbot angekündigt hatte.
Betroffen wären demnach unter anderem Menschen aus Senegal und der Elfenbeinküste, sofern sie nicht bereits ein Visum besitzen. Trump nannte als Hauptgrund „Mängel bei der Überprüfung und Kontrolle“.
Auch Fans aus Iran und Haiti, zwei weiteren qualifizierten Ländern, würden demnach nicht in die Vereinigten Staaten einreisen dürfen.
Wie Deutschland über einen WM-Boykott diskutiert
Die Forderungen nach Konsequenzen treffen in Deutschland auf ein gemischtes Echo. DFB-Vizepräsident Oke Göttlich sagte in einem Interview mit der Hamburger Morgenpost, es sei an der Zeit, ernsthaft über einen Boykott der Veranstaltung nachzudenken.
In der Union überwiegt Skepsis gegenüber einem Boykott. Der CDU-Politiker Christoph Ploß nannte die Idee im SPIEGEL eine „Schnapsidee“. Ein Boykott würde aus seiner Sicht nicht nur die Spieler bestrafen, sondern auch der Grundidee großer internationaler Sportereignisse widersprechen. Diese bestehe darin, dass Athleten und Fans aus aller Welt zusammenkommen und sich austauschen.
CSU-Chef Markus Söder argumentiert ähnlich und warnt vor einer Überreaktion. Unionsfraktionschef Jens Spahn wollte einen Boykott dagegen nicht vollständig ausschließen.
In der SPD sind die Bedenken stärker. Bettina Lugk, sportpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, bezeichnet die Bedingungen in den USA als schwierig. Sie verweist auf offene Fragen zu Einreisebestimmungen, Sicherheit und Fan-Bedingungen. Teilweise werde Menschen allein aufgrund ihrer Nationalität die Einreise verwehrt. Das seien „keine guten Voraussetzungen für ein Fußballfest, das Menschen eigentlich verbinden soll“.
Einen allgemeinen Boykott hält sie allerdings nicht für sinnvoll. Sie findet jedoch, der DFB hätte in der Debatte deutlicher und kritischer auftreten sollen.
In der Vergangenheit reisten Mitglieder des Sportausschusses und Spitzenpolitiker in der Regel zu Europa- und Weltmeisterschaften. Das galt auch bei umstrittenen Austragungsorten wie Russland oder Katar. Umso deutlicher fällt nun auf, wie sehr die WM 2026 schon vor dem Anpfiff zur politischen Frage geworden ist.