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Japans langer Atem: Investitionen und Resilienz in einer unsicheren Welt

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Eines der zentralen Themen des diesjährigen Weltwirtschaftsforums war die Frage, wie sich Branchen, Regionen und Staaten auf Störungen vorbereiten – von geopolitischen Spannungen und wirtschaftlicher Unsicherheit bis hin zu klimabedingten Risiken und technologischem Wandel.

Vor diesem Hintergrund ist Resilienz zu einer praktischen Priorität für Regierungen und Unternehmen geworden. Am Mittwoch, dem 21. Januar, veranstaltete Euronews eine hochrangige Diskussionsrunde mit dem Titel Partnerschaft mit Japan: Strategische Investitionen für mehr Resilienz.

Führende Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft und Politik in Japan und Europa diskutierten drei zentrale Themen: Japans Stärkung der nationalen Resilienz durch strategische Investitionen, die Rolle öffentlich-privater Partnerschaften bei Risikomanagement und Innovation sowie Japans Position im geopolitischen Umfeld. Im Kern ging es darum, wie heutige Investitionsentscheidungen die wirtschaftliche Sicherheit der kommenden Jahre prägen können.

Eine gesunde Wirtschaft und ein anderer Ansatz

Yoshito Hori, Gründer und Präsident der GLOBIS University sowie Gründungspartner von GLOBIS Capital Partners, eröffnete die Debatte mit einem Überblick über die japanische Wirtschaft. Der Nikkei-Index habe sich „in drei Jahren verdoppelt und in fünf Jahren verdreifacht“, sagte er. Zudem hätten „Unternehmen in fünf aufeinanderfolgenden Jahren Rekordgewinne erzielt“.

Auch der Arbeitsmarkt sende nach Jahrzehnten der Stagnation neue Signale. „Die Arbeitslosigkeit liegt derzeit bei etwa 2,6 Prozent … und die Löhne sind um 5 Prozent gestiegen“, so Hori. Japan beginne zudem, eine lange Phase der Deflation hinter sich zu lassen. „Wir leiden seit etwa 30 Jahren unter Deflation, aber jetzt erhöht die Bank of Japan die Zinsen.“

Zusammengenommen zeigten diese Indikatoren, dass „die japanische Wirtschaft gesund ist“, sagte er.

Hori betonte, Japans Industriestrategie unterscheide sich von der anderer entwickelter Volkswirtschaften. Statt auf ein Top-down-Modell zu setzen, verfolge Japan einen „Bottom-up-Ansatz, eher konsensorientiert und als Ökosystem“. Dazu gehöre der Aufbau von Konsortien aus Branchenführern, um Forschung zu teilen und ganze Sektoren zu stärken.

Wirtschaftliche Sicherheit als Wachstumsquelle

Kumiko Pivette, Leiterin der geopolitischen Risikoberatung bei PwC Japan, bezeichnete es als „bemerkenswert“, dass wirtschaftliche Sicherheit in der aktuellen Agenda als „Wachstumschance“ verstanden werde und nicht nur als defensive Maßnahme.

Sie erläuterte, dass die Strategie zwischen klassischen „Wachstumsinvestitionen“ und sogenannten „Krisenmanagement-Investitionen“ unterscheidet. Letztere zielten darauf ab, sich auf Risiken vorzubereiten, die über nationale Grenzen hinausgehen. Japan wolle eine führende Rolle bei der Bewältigung von „Herausforderungen der wirtschaftlichen Sicherheit, Ernährungssicherheit, Energiesicherheit sowie der Absicherung von Gesundheit und Landwirtschaft“ übernehmen und diese Bereitschaft zu einem „Wachstumsmotor“ machen.

Europas Blick auf Resilienz

Aus europäischer Perspektive erklärte Jan-Hein Chrisstoffels, Senior Research Fellow am Clingendael Institute, Japans Position wirke vor dem Hintergrund der aktuellen geopolitischen Lage zunehmend stark. Er verwies auf den wachsenden Einsatz von Handels- und Wirtschaftsmaßnahmen als Druckmittel und stellte fest: „Unsere wirtschaftlichen Interdependenzen haben sich inzwischen als Schwachstellen erwiesen.“

Chrisstoffels skizzierte drei mögliche Wege: die weitere Unterstützung des Freihandelssystems, einen stärkeren Schutz vor Zwangsmaßnahmen und Überkapazitäten sowie „die Suche nach Sicherheit durch strategische Investitionen“. Japan und Europa seien gut aufgestellt, um dabei gemeinsam voranzugehen, und „ideal positioniert, diese Führungsrolle zu übernehmen, falls sich die USA zurückziehen“.

Zsolt Darvas, Senior Fellow bei Bruegel, unterstrich, dass die Resilienz bereits auf die Probe gestellt worden sei. Trotz globaler Schocks „laufen die Gesamtexporte immer noch sehr gut“, sagte er – ein Hinweis darauf, dass „diese beiden Volkswirtschaften ziemlich resilient sind“.

Von der Prognose zur Zusammenarbeit

Pivette beschrieb zudem, wie sich japanische Unternehmen an geopolitische Risiken anpassen. Politik und Handel seien früher weitgehend getrennt betrachtet worden, heute befänden sich Unternehmen zunehmend „mitten in Konflikten zwischen Nationen“.

Der russische Angriff auf die Ukraine markierte dabei einen Wendepunkt. „Das war der Weckruf“, sagte sie. Seitdem gehe es weniger darum, einzelne Entwicklungen vorherzusagen. „Es geht nicht um die Kristallkugel … es geht um Szenario-Planung.“

Zum Abschluss kamen die Diskussionsteilnehmenden erneut auf die Bedeutung von Zusammenarbeit zu sprechen. Tobimatsu brachte es auf den Punkt: „Dialog und Zusammenarbeit“ seien unerlässlich, denn „kein Staat kann wirtschaftliche Sicherheit allein schaffen“.

Diese Betonung von Partnerschaft – zwischen Staat und Wirtschaft ebenso wie zwischen Japan und Europa – erwies sich als zentrale Voraussetzung, um strategische Ambitionen in nachhaltige Resilienz zu übersetzen.

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