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Heißer Sand für kühleres Klima: Hat Finnland endlich eine Lösung gegen Industrie-Wärmeemissionen?

Pilotanlage im industriellen Maßstab von TheStorage bei Nokian Panimo in Finnland
TheStorage startet ein Pilotprojekt im industriellen Maßstab bei Nokian Panimo in Finnland. Copyright  TheStorage
Copyright TheStorage
Von Liam Gilliver
Zuerst veröffentlicht am
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Finnland führt weltweit bei der Dekarbonisierung der Prozesswärme in der Industrie. Mit Sand erzeugt das Land Dampf ganz ohne fossile Energieträger.

Finnland setzt auf die überraschende Kraft von Sand, um industrielle Wärme zu dekarbonisieren – ein großer blinder Fleck bei den weltweiten Emissionen.

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Die Erzeugung industrieller Wärme gehört zu den größten und schwierigsten Emissionsquellen. Sie steht für etwa ein Fünftel des weltweiten Energieverbrauchs.

Heißer Dampf wird in vielen Branchen gebraucht – von der Lebensmittelproduktion bis zur Chemie. Der Großteil dieser Wärme entsteht noch aus fossilen Brennstoffen; rund achtzig Prozent kommen aus Öl und Gas.

Das Problem mit der Wärmenachfrage

Die Elektrifizierung industrieller Wärme ist keine leichte Aufgabe. Erneuerbare Energie steht nicht konstant zur Verfügung.

Die Industrie braucht das ganze Jahr über kontinuierlich Wärme. Erneuerbare wie Wind sind auf passende Wetterbedingungen angewiesen.

Das brachte das finnische Cleantech-Startup TheStorage auf die Idee, sauberen Strom dann zu nutzen, wenn er reichlich und günstig ist, ihn in Hochtemperaturwärme umzuwandeln und in Sand zu speichern. Diese gespeicherte Wärme steht für industrielle Prozesse unabhängig von der aktuellen Stromverfügbarkeit bereit.

„Unternehmen wollen seit Jahren dekarbonisieren, aber praktikable Lösungen fehlten einfach“, sagt Timo Siukkola, CEO von TheStorage.

„Erstmals kann erneuerbare Stromerzeugung den Bedarf an industrieller Wärme decken – ökologisch sinnvoll und wirtschaftlich tragfähig.“

Wie funktioniert Wärmespeicherung mit Sand?

Das Prinzip ist vergleichsweise einfach. Wärme wird in gewöhnlichem Sand gespeichert – mit zwei isolierten Silos, einem elektrischen Heizer und einem Wärmetauscher.

Kühler Sand wandert aus einem kalten Silo zum elektrischen Heizer und erreicht dort Temperaturen von bis zu 800°C. Der erhitzte Sand kommt anschließend in ein heißes Silo, in dem die Energie im ruhenden Sand effizient erhalten bleibt.

„Indem der Sand durch einen externen Wärmetauscher zirkuliert, liefert das System Dampf mit bis zu zehnfach höherer Effizienz bei der Wärmeübertragung als herkömmliche statische Speichersysteme“, erklärt TheStorage.

„Die gespeicherte Wärme lässt sich bei Bedarf als Dampf oder als Thermalöl abrufen. Sie liefert stabile Leistung, die sich schnell an den Bedarf anpassen lässt.“

TheStorage testet die Idee seit Januar 2026 und hat den ersten Pilot im Industriemaßstab in einer Brauerei in Finnland gestartet. Das Startup sagt, seine Lösung könne die Energiekosten um bis zu siebzig Prozent und die CO₂-Emissionen um bis zu neunzig Prozent senken.

Nach Auffassung des Unternehmens ist fossilfreie industrielle Wärme entscheidend, um die EU-Klimaziele zu erreichen: bis 2040 eine Reduktion der Emissionen um neunzig Prozent und bis 2050 vollständige Klimaneutralität.

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